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Das Deutsche Guggenheim ist die Berliner Dependance des berühmten New Yorker Museums. 1997 wurde sie in den Räumen der Deutschen Bank Unter den Linden / Ecke Charlottenstraße eröffnet. Anfang des Jahres verkündeten Bank und Guggenheim Stiftung überraschend ein Ende ihrer Kooperation ab dem kommenden Februar. Am Mittwoch wurde nun die letzte Ausstellung "Visions of Modernity" eröffnet - und es gab Neues hinsichtlich der Zukunft des Kunststandortes zu vermelden.
Ein kleines Gemälde von Van Gogh, ganz ungewohnt mit Schnee statt sengender Südfrankreich-Sonne, ein früher Picasso mit noch gar nicht kubistisch verformten Kokotten im Pariser Kaffee, bunte Pferde von Franz Marc, abstrakte Kompositionen von Kandinsky: Hochkaräter der Modernen Kunst reihen sich in dem kleinen Museum zu einer wahren Abschiedsgala aneinander. Es ist ein sehenswerter Einblick vor allem in die Sammlung und Sammlungsgeschichte des New Yorker Stammhauses, weniger ein Rückblick auf die vergangenen 15 Jahre der Berliner Dependance, die mit aufsehenerregenden Einzelausstellungen und thematischen Gruppenschauen von überwiegend zeitgenössischen Künstlern von sich reden machte.
Doch Richard Armstrong, Direktor des Guggenheim Museums New York, findet diesen Abschluss gerade richtig. "Eine umfassende Rückschau wäre unmöglich gewesen. 18 Auftragsarbeiten, 61 Ausstellungen - wie hätte man das jetzt zusammenfassen können?" Dafür gebe es nun einen Extra-Katalog. Mit der jetzigen Schau schließe sich ein Kreis: "Unsere erste Ausstellung mit Werken von Delaunay war ja auch ein Klassiker der Moderne." Zum Ende wolle man den Besuchern noch mal etwas bieten, das "die Augen öffnet für die Schönheit der Kunst".
Intensive Begegnungen mit der Kunst
Mit all diesen "Schönheiten" beendet man eine Ära, an deren Beginn das Guggenheim geschickt den beginnenden Kunstboom in der deutschen Hauptstadt abpasste und herausragende Akzente setzte. Mehr als zwei Millionen Besucher sahen die 61 Ausstellungen. Ausstellungen, die den schmalen schlauchförmigen Raum immer wieder veränderten und intensive Begegnungen mit der Kunst möglich machten. Mit Rachel Whitereads irritierenden Negativabformungen ihres Londoner Hauses, mit Anish Kapoors 24 Tonnen schwerer Stahlkapsel, die die Halle zu sprengen schien, oder auch mit Gerhard Richters schlicht faszinierenden grauen Tafeln.
Das alles machte das Museum zum Anziehungspunkt, schon als die Kunstszene in Berlin noch nicht so groß und international aufgestellt war. Und somit auch zu einem Gewinn für alle Seiten: Für Publikum und Künstler – sicherlich. Für die Deutsche Bank, deren Berliner Räume so nicht nur für Banker attraktiv wurden. Für das Museum und seine Stiftung, das sich in dieser Konstellation Kunst leisten konnte, die man aus dem üblichen Ankaufsetat nicht hätte finanzieren können. Im Zusammenschluss mit der Bank hatte man die Möglichkeit Künstler zu beauftragen und Werke für das Deutsche Guggenheim zu schaffen. 18 Auftragsarbeiten entstanden so über die Jahre, die nun – sozusagen wie bei Gütertrennung nach einer Scheidung - je zur Hälfte in den alleinigen Besitz der Bank und des Museums übergehen.
Neue Kunsthalle an alter Stelle
Mit der Deutschen Guggenheim ist nach dieser letzten Ausstellung also Schluss – der Kunstort Unter den Linden soll aber bestehen bleiben. Die Deutsche Bank will hier künftig allein weiter machen: mit einer Kunsthalle an Stelle des bisherigen Museums. Stefan Krause ist Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, mit seiner Ernennung zum Verantwortlichen für die Kunst hat man diese quasi zur Chefsache gemacht. "Das bisherige Joint Venture war sehr erfolgreich. Wir haben natürlich von der Bekanntheit, von dem Markennamen und der Qualität von Guggenheim profitiert", meint er. "Nachdem der Vertrag ja immer auf eine begrenzte Dauer angelegt war, ist es jetzt aus unserer Sicht Zeit, es mal selber zu probieren und uns mehr zu öffnen." Die Deutsche Bank will künftig nicht nur die eigene - durchaus bemerkenswerte - Kunstsammlung zeigen, die bislang öffentlich nicht zugänglich war, sondern sich insgesamt jünger und internationaler ausrichten. Der Künstler des Jahres 2013 etwa heißt Imran Qureshi, ein pakistanischer Maler, der Tradition und Moderne auf spannende Art und Weise verbindet.
Schade ist es allerdings, dass diese Erweiterung des Fokus wohl keine Experimente beinhalten wird. Internetprojekte oder Wechselwirkungen mit dem ebenfalls von der Bank geplanten Forum für Politik und Wirtschaft sind bisher nicht geplant. Und auch das Vorhaben, private Sammlungen zu zeigen, könnte problematisch werden. Besteht doch die Gefahr, dass ein guter Kunde der Bank seine Schätze ausbreiten darf - unabhängig von deren Qualität. So bleibt abzuwarten, ob es eine kluge Entscheidung des Bankhauses war, auf das Knowhow und die Möglichkeiten eines so renommierten Museums zu verzichten. Und ob es unabhängig davon gelingt, eigene Akzente zu setzen.
Barbara Wiegand
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kultur/ausstellungen/themen/guggenheim.html