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Abriss Palast der Republik 2008 (Bild: Fahnemann Projects/Michael Wesely).

Bis 25. November

"Der Blick des Anderen": 5. Europäischer Monat der Fotografie

Hauptstadt der Fotokunst, diesen Titel hätte Berlin schon lange verdient. Der Monat der Fotografie bietet jetzt bis zum 25. November die Gelegenheit, die Fotostadt Berlin in ihrer ganzen Vielfalt und in über 50.000 Bildern kennen zu lernen – frei nach dem Zitat des kanadischen Fotografen Freeman Patterson: "Es gibt nur eine Regel in der Fotografie: Entwickle niemals einen Film in Hühnchensuppe."

Berlin beteiligt sich zum fünften Mal am Europäischen Monat der Fotografie, der auch in Bratislava, Budapest, Ljubljana, Luxemburg, Paris und Wien begangen wird. Nicht nur Museen und Galerien, auch Kulturinstitute, Botschaften und Fotoschulen öffnen ihre Türen. Das Motto des Festivals ist in diesem Jahr "Der Blick des Anderen".

Zeugnisse eines politischen Aufbruchs

Im Festivalzentrum, dem ehemaligen Kennedy-Museum am Brandenburger Tor, können sich Besucher einen Überblick über die 100 Ausstellungen von 500 Fotografen verschaffen. Dort wird auch die Fotoschau "Kairo. Offene Stadt" gezeigt. Die Bilder von jungen ägyptischen Journalisten, Künstlern, aber auch Handyfotos von Aktivisten versetzen den Betrachter direkt auf den Tahrir-Platz, in die Mitte der Demonstranten. Sie sind beeindruckende Zeugnisse eines politischen Aufbruchs und zeigen, dass die Bilder den Umsturz nicht einfach dokumentiert, sondern sogar weiter angefacht haben.

Dennis Hopper - The Lost Album: Andy Warhol and Members of The Factory (Gregory Markopoulos, Taylor Mead, Gerard Malanga, Jack Smith), 1963 © The Dennis Hopper Trust, Courtesy of The Dennis Hopper Trust

Dennis Hopper "The Lost Album" im Martin-Gropius-Bau. 

Einige Blockbuster des größten deutschen Fotofestivals laufen bereits. Unter dem Titel "Geschlossene Gesellschaft" präsentiert die Berlinische Galerie die erste umfassende Schau künstlerischer Fotografie aus der DDR, die vom Alltag in einem isolierten Land und dem Wunsch nach Freiheit erzählt. Eine Zeitreise unternimmt auch "The Lost Album" im Martin-Gropius-Bau mit Vintage-Fotografien des Schauspielers und Regisseurs Dennis Hopper. Die über 400 kleinformatigen Schwarz-Weiß-Fotos aus den 60er Jahren zeigen Hoppers prominente Freunde von Paul Newman, Jane Fonda, über Tina Turner bis Andy Warhol, aber auch das Leben auf der Straße: Motorradgangs, Hippies und Priester.

Den Blick auf den Anderen in Frage stellen

Männlich oder weiblich? Diese starren Kategorien nimmt Bettina Rheims in ihren "Gender Studies" auseinander, die in der Galerie Camera Work zu sehen sind. Die französische Fotografin hat 25 Porträts geschaffen, die sich einem schnellen Einsortieren in die Schubladen Mann/Frau verweigern. Die Menschen, die Rheims immer so abbilden will, wie sie sich selbst sehen, tragen zerrissene oder durchsichtige Wäsche. Der Betrachter kommt hautnah an sie heran und nicht darum herum, seinen gewohnten Blick auf den Anderen in Frage zu stellen.

Dass Fotos Gedichten in nichts nachstehen müssen, zeigt die Ausstellung "Das Auge der Liebe" in der Galerie Pinter & Milch. Der Schweizer René Groebli hat auf einer verspäteten Hochzeitsreise Anfang der 50er Jahre Aufnahmen seiner Frau Rita gemacht. Und noch heute ist in den 28 Schwarz-Weiß-Fotografien nicht nur Groeblis Liebe, sondern auch sein Begehren und seine Bewunderung spürbar.

Außerirdische auf einem grauen Planeten

Eine Entdeckung ist auch "East End! — Punk in der DDR" in der Staatsgalerie Prenzlauer Berg. Die Fotografien der Punkszene in Ost-Berlin und Leipzig sind zwischen 1980 und 1984 entstanden. Es sind Bilder eines Kulturschocks in einem Land kurz vor dem Zusammenbruch. Die Punks wirken wie Außerirdische, die versehentlich auf einem grauen Planeten notgelandet sind.

Vice City (Bild: Thibault Brunet)

Die Bilder von Brunet sind eine Mischung aus Malerei und Film. 

Doch der "Monat der Fotografie" blickt nicht nur zurück, sondern nähert sich auch neuen Trends wie der "In-Game-Fotografie". Der Franzose Thibault Brunet hat die virtuellen Welten des Gangstercomputerspiels "Grand Theft Auto" fotografiert. Dabei sind märchenhafte Bilder in Pastellfarben entstanden, zu sehen in der Ausstellung "Vice City" im Computerspielemuseum. Eine Erfahrung an der Grenze zwischen Reportage, Film und Malerei.

Wie im vergangenen Jahr erwarten die Veranstalter des "Monats der Fotografie" eine halbe Million Besucher, denen in den meisten der 100 Ausstellungen freier Eintritt gewährt wird.

Marie Kaiser

Stand vom 19.10.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 19.10.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Mehr Infos im rbb

Audio 22.10.12

Kritik: "Kairo. Offene Stadt" - Bilder des Umbruchs

Die Ausstellung "Kairo. Offene Stadt" zeigt Bilder des ägyptischen Umbruchs im ehemaligen Kennedy-Museum am Pariser Platz. [Radioeins]

Dennis Hopper - The Lost Album Collage (v.l. Paul Newman, James Brown, Boy walking in Mexico) © The Dennis Hopper Trust, Courtesy of The Dennis Hopper Trust / Collage: rbb online

Bis 19. Dezember

Dennis Hopper - The Lost Album

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zeigt über vierhundert Original-Fotografien des US-Schauspielers und Regisseurs Dennis Hopper. _mehr

Mehr Infos im www

19.10. - 25.11.2012

5. Europäischer Monat der Fotografie

Offizielle Veranstaltungsseite mit Programmübersicht. [mdf-berlin.de]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kultur/ausstellungen/themen/monat_der_fotografie.html

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