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Architekt, Maler, Zeichner, Bühnenbildner und Designer: Karl Friedrich Schinkel war ein Universalgenie. Mit rund 300 Exponaten zeigt eine umfangreiche Schau im Kupferstichkabinett am Kulturforum am Potsdamer Platz das weite Spektrum seines Schaffens.
"Schinkel war eben nicht nur ein Architekt. Er war ein universeller Künstler. Er war Stadtplaner, er war Maler, er war Zeichner, er war Schöpfer von Bühnenbildern und Gebrauchsgegenständen. Und genau das will unsere Ausstellung zeigen. Sie richtet sich auf das gesamte universelle Wirken Schinkels." Den ganzen Schinkel will man also präsentieren, betont Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Deswegen wird am Kulturforum weit mehr als der klassische Baumeister gezeigt.
Neuanfänge und Zerstörung
So steht neben dem Planen und Bauen manchmal auch die Zerstörung im Mittelpunkt. Denn eine der Hauptattraktionen der Ausstellungen ist das brennende Moskau – ein perspektivisches Schaubild, in dem Schinkel 1812 die Ereignisse in der von französischen Truppen besetzten Stadt re-inszenierte und die Berliner Öffentlichkeit mit den mechanisch bewegten Figuren, dem orange flackernden Hintergrund zu Weihnachten begeisterte. Die Feuersbrunst vor 200 Jahren und damit verbunden der Rückzug der napoleonischen Truppen markiert eine Wende in der europäischen Geschichte – und ist auch der Aufhänger der Ausstellung, die jenseits runder Geburts- oder Todestage initiiert wurde. Denn nicht nur Preußen spielte im neu geordneten Europa eine größere Rolle, auch für Schinkel als einen seiner Baumeister bedeutete es einen Karriereschub.
Bauten und Träume
Diese Karriere stellt die Ausstellung anhand von 300 Exponaten nach – nicht streng chronologisch, sondern sehr lebendig in neun sogenannten "Tableaux": Gemälde Skizzen, Pläne sind zu sehen, von wirklich Gebautem und nur Erträumtem, vom kleinen Gebrauchsgegenstand bis hin zur großen Utopie und fantastischen Inszenierung.
Der Besucher kann hineinsehen in den Querschnitt eines Modells vom Alten Museum, so wie es in seiner vollen Größe und Schönheit bis heute am Berliner Lustgarten steht. Er kann den Palast bestaunen, den Schinkel für König Otto auf die Akropolis bauen wollte – den fantastischen Blick auf die Stadt inklusive. Stühle, Pokale, Kandelaber sind ausgestellt, die Schinkel genauso erhaben und bis ins Detail geplant hat wie seine Schlösser und Kirchen. Und auch ein Blick in den Sternenhimmel ist möglich, unter dem einst die Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte sang.
Schönheit und Zweckmäßigkeit verbinden
Eines der zahlreichen Bühnenbilder Schinkels zeigt einen weiteren Teil seines Schaffens. Denn immer wieder arbeitete Schinkel für das Theater, setzte Opernhelden und Schauspieltragöden opulent ins Bild. Und zeigte sich damit gerne auch als großer Inszenator, der fremde Welten auf Berliner Bühnen holte, in seinen Entwürfen und Gemälden aber zugleich mehr als Zweckbauten und Abbilder schuf. Er war Planer und Künstler, Realist und auch ein wenig Fantast. Das wird einem beim Rundgang durch die Ausstellung klar. Und dabei erschließt sich auch der etwas rätselhafte pathetische Titel: "Karl Friedrich Schinkel – Geschichte und Poesie". Denn wer an den Bildern, den Skizzen und Entwürfen entlang geht, begreift, dass Schinkels Werk nie nur funktional gedacht war. Er nutzte modernste Techniken, um auf der Vergangenheit aufzubauen, der Renaissance, der Antike, der Gotik. Immer bemüht, Schönheit und Zweckmäßigkeit miteinander zu verbinden.
Barbara Wiegand
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kultur/ausstellungen/themen/schinkel.html