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Auf der Suche nach neuen Trends kommen Designer, Modeeinkäufer und Prominente an der Berliner Fashion Week nicht mehr vorbei. Längst hat die Modewoche mit über 50 Schauen auch international große Bedeutung erlangt.
Im Mittelpunkt stehen die Veranstaltungen im Zelt der "Mercedes-Benz Fashion Week". Die Messe liegt strategisch günstig, mitten auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor - sehr zum Ärger der Autofahrer, die diesen Bereich bis Ende Januar umfahren müssen.
Mode zum Lieben und zum Hassen
Der Berliner Designer Kilian Kerner ist dort bereits zum zehnten Mal mit seiner Kollektion vertreten. Für ihn ist sein eigener Erfolg genauso überraschend wie die insgesamt positive Entwicklung der Berliner Fashion Week: "Wir sind gemeinsam stetig gewachsen - durch einen ungebrochenen Glauben an die Mode und mit einer großen Portion Durchhaltevermögen."
Seine Fans könnten nicht unterschiedlicher sein, seine Entwürfe trägt die Entertainerin Anke Engelke ebenso wie Tokio Hotel-Sänger Bill Kaulitz. An seiner clubtauglichen Abendmode scheiden sich die Geister. "Es gibt richtige Kilian Kerner-Hasser und Leute, die meine Sachen total lieben", erzählt der Designer lachend.
Für seine Jubiläumsshow am Dienstag ließ Kilian Kerner Skulpturen zum Leben erwecken. Dazu gab es einen Auftritt der Berliner Band "Tunes of Dawn" mit ihren melancholischen Klängen.
Nina Hagen und Sven Väth eröffneten Modemesse "Bread and Butter"
Neben den Schauen der "Mercedes-Benz Fashion Week" ist auch die Modemesse "Bread & Butter" ein Magnet für die internationalen Fachbesucher. Im ehemaligen Flughafen Tempelhof wurden von Dienstag bis Donnerstag (15.1. bis 17.1.) im Flughafengebäude und im Hangar 560 internationale Streetwear-Marken präsentiert.
"Bread & Butter"-Chef Karl-Heinz Müller bekennt sich klar zu Berlin als Standort: "Heute ist die Mode hier ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Gerade im Street- und Urbanwear-Segment gibt es keine Stadt auf der Welt, die so dasteht wie Berlin."
Der Look wird gepflegter und die Stile werden gemischt
Ein großer Trend sei "bewusster Konsum", sagt Karl-Heinz Müller: "Das Modediktat der Marken ist vorbei. Der Endverbraucher ist emanzipiert und sehr gut informiert. Ich glaube, dass die Menschen weniger Stücke konsumieren und mehr auf Qualität gucken werden."
Mit einer Party im ehemaligen Metropol in Berlin-Schöneberg wurde am Montagabend die "Bread & Butter" eröffnet. Auf der Bühne standen Mode-Punk-Ikone Nina Hagen und ihr Berliner Capital Dance Ochestra sowie die DJ-Legende Sven Väth.
Konkurrenz der Modemessen
Auch viele kleinere Messen buhlen im Rahmen der Fashion Week um die Gunst des Publikums, darunter die Streetwearmesse "Bright", die New Yorker Trade Show "(capsule)", die Orderplattform für High Fashion "Show & Order" sowie "The Gallery Berlin".
Neu dabei ist die Modemesse "Panorama" im Expo Center Airport am Flughafen Berlin-Schönefeld. Gezeigt werden hier neue, meist noch unbekannte Designer aus Europa, darunter auch einige Designer, die auf der "Bread & Butter" abgelehnt wurden. Unterstützt wird die neue Veranstaltung von Anita und Norbert Tillmann, den Machern der Modemesse "Premium", die in diesem Jahr ebenfalls ihr zehntes Jubiläum auf der Fashion Week feiern kann.
Kleidung für "kampfbetonte Prinzessinnen"
Auf die meisten Messen und die Modeschauen kommen nur Fachbesucher. Doch es gibt auch einige Events, die öffentlich zugänglich sind. Wer sich für grüne, glamouröse Mode interessiert, ist beim "Lavera Showfloor" am Alexanderplatz (16. bis 18. Januar im Umspannwerk, Voltairestraße 5) genau richtig.
Ein Höhepunkt war die Modenschau der britischen Eco-Designerin Ada Zanditon. Sie hatte die Sängerin Katie Melua als Show-Act eingeladen. Die georgisch-britische Sängerin setzt sich seit langem für den Umweltschutz ein und ist ein großer Fan der figurbetonten, eleganten Kleider der Öko-Designerin. Auf dem Cover ihres neuen Albums "Secret Symphony" trägt Katie Melua ein Unikat von Zanditon. Die Designerin wünscht sich, dass die Trägerinnen ihrer Kleider sich in "kampfbetonte Prinzessinnen" verwandeln.
Radfahren mit reflektierenden Abendkleidern
Mit dem Fahrrad macht sich die Berliner Designerin Kaska Hass auf zu ihrer Modenschau auf dem Lavera Showfloor (Freitag, 18.1., 21 Uhr). Radfahren verkörpert für sie das moderne Lebensgefühl unserer mobilen Welt: "Frei, schnell und unabhängig. Das ist für die Hochzeitsmode und die großen Auftritte eine spannende Sache."
Glamourös und funktional - für ihre Abend- und Hochzeitsmode hat sie sich von den Bicycle Beauties der 1920er Jahre und deren eleganter Wettkampfhaltung inspirieren lassen. Ihr schlichtes Corsagenkleid ist aus dem reflektierenden Stoff, aus dem die Leuchtstreifen in der Sportbekleidung gemacht werden: "Wenn man nachts nach Hause fährt braucht man kein Licht mehr fürs Fahrrad, weil man selber leuchtet.“ Die Organza-Volants lassen sich abknöpfen und in den Rucksack stecken, damit auch nichts in die Speichen gerät."
Designer-Shopping in Friedrichshain
Zum Designer Pop Up Store in die Kunst-Galerie "Urban Spree" laden die Projektgalerie und ihre Freunde in die Warschauer Straße / Ecke Revaler Straße nach Berlin Friedrichshain ein. Dort kann man Schnäppchen machen und begehrte Teile von Berliner Designern wie Marcel Ostertag oder Antonia Goy ergattern (14. bis 20.1., täglich von 11 bis 20 Uhr).
Bei den "Showroom Days" zeigen über 150 junge und etablierte, nationale und internationale Designer und Künstler ihre Modekollektionen, Fotoausstellungen und Projekte zum Thema Mode und Design. "Now enjoy extreme...", auf deutsch "jetzt sofort extrem genießen", ist hier diesmal das Motto.
Julia Vismann
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kultur/beitraege/fashion_week_2013.html