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Wochenlang wurde kontrovers über seine Errichtung diskutiert, seit der Eröffnung am Freitag können sich die Besucher endlich selbst ein Bild vom umstrittenen BMW Guggenheim Lab machen. Am Eröffnungswochenende kamen vor allem Pressevertreter in den Pfefferberg – und eine Menge Polizisten. Das Interesse der Berliner hingegen hielt sich in Grenzen.
Nur drei Leute interessieren sich für den "Weekend Warrior-Fitness-Kurs". Bevor es los geht mit Sport, wird erst einmal gewerkelt. Die Geräte müssen sich die Teilnehmer nämlich selbst bauen, zum Beispiel aus alten Fahrradteilen. "Das ist auch Sport", sagt Melwin, der sich mit einer Säge abmüht. Eine junge Frau, die sich unter einem Sport-Kurs am Sonntagmorgen etwas anderes vorgestellt hat, zieht irritiert wieder ab. Das sei doch "Beschäftigungstherapie" hier im Lab. So geht es vielen, die an diesem Wochenende in den Pfefferberg kommen. Orientierungslos wandern sie unter der modernen Dachkonstruktion von Tisch zu Tisch, und wissen nichts anzufangen mit den technischen Spielereien, die hier überall verstreut liegen. Die jungen Leute, die für Erklärungen bereit stehen, alles Studenten vom renommierten Massachusetts Institute of Technology, sind zwar sehr kompetent und sehr freundlich, sprechen aber oft nur Englisch. Ratlos verlassen viele Besucher nach kurzer Zeit den Pfefferberg.
"Jetzt sagt doch einfach, was ihr meint!"
Ursel und Peter, ein älteres Ehepaar, haben mehr Geduld. Gemeinsam mit einem Dutzend Leuten sitzen sie auf bunten Klappstühlen. Konzentriert hören sie einem Vortrag der "Mobilen Universität Berlin" zu. Der Vortrag ist auf Deutsch – aber trotzdem schwer zu verstehen: "von emotional Mapping" ist die Rede, von "Wikispaces" oder "Stadtraum editieren". "Jetzt sagt doch endlich, was ihr meint, habe ich die ganze Zeit gedacht", sagt Ursel. Denn das Projekt findet sie ja eigentlich spannend. Mit dem Fahrrad wollen die jungen Leute der "Mobilen Universität" in die Kieze fahren, um zu erfragen, was sich die Menschen von der Stadtplanung wünschen und wie man das umsetzen könnte.
Bastelkurs für Nerds
Das Lab hat ein Kommunikationsproblem – und das liegt nicht nur an den mangelnden Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche, sondern auch an seinem Kauderwelsch und an seinem Programm. An diesem Wochenende präsentiert es sich als Bastelkurs für Nerds: In Workshops konnte man lernen, wie man kleine Roboter baut oder wie Bananen zu einer Computertastatur werden. Das hat vor allem Ingenieure und Technikbegeisterte interessiert. Am Sonntagnachmittag beleben sie das Lab und viele schwärmen von der inspirierenden Atmosphäre hier, dem 3D-Laserdrucker und all den Computer-Basteleien, die es zu entdecken gibt.
Proteste gegen das "Schickimicki-Lab"
"Wir brauchen keine Windelwechsel-Maschine, sondern bezahlbare Wohnungen", sagt hingegen Wenke Rottstock von der Bürgerinitiative "Leute am Teute". Deshalb demonstriert sie am Samstag gegen das Lab. "Armut ist nicht sexy" schallt es durch das Mikrofon der Demonstranten, die sich vor dem Eingang des Labs am Teuteburger Platz aufgebaut haben. Sie befürchten, dass das "Schickimicki-Lab", das von BMW finanziert wird, die Gentrifizierung im Kiez vorantreibt. Aber auch zur Demo sind nur ein paar Dutzend Teilnehmer gekommen – bei weitem nicht die 1000, die angekündigt waren. Einhundert Polizisten, die sich in den Straßen rund um den Pfefferberg postiert haben, verbringen in ihren Mannschaftswagen einen ruhigen Nachmittag.
Thema verfehlt
Die ganze Aufregung im Vorfeld, die Diskussionen und Proteste sind nach diesem Wochenende noch weniger zu verstehen: Das Lab wirkt wie eine Volkshochschule für digitales Leben. Das ist ja alles ganz nett. Aber was das soll, wurde bislang nicht klar. Das Programm des Labs wechselt täglich, es hat also noch etwas Zeit, um einzulösen, was es versprochen hat. Eine Box voller Ideen für das urbane Leben wollte es sein. Aber was haben Fitness-Kurse und Nachhilfe in Informatik mit der Zukunft unserer Großstädte zu tun? Das blieb vielen an diesem Wochenende ein Rätsel. In der Schule hieße es: Thema verfehlt.
Vanessa Loewel
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kultur/beitraege/guggenheim_lab_rundgang.html