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Von Jazz bis Klassik, von Soul bis Weltmusik, von öffentlichen Gottesdiensten bis hin zum kulinarischen Fest: Die 26. Jüdischen Kulturtage in Berlin bieten die Gelegenheit, tief in die jüdische Kultur mit all ihrer Vielfalt einzutauchen.
Klezmer, Klezmer und noch einmal Klezmer: Viel mehr fällt vielen Menschen nicht ein, wenn es um jüdische Kultur geht. Dass es vor allem im Bereich der jüdischen Musik ein ganzes Spektrum unterschiedlichster Richtungen und Stile zu entdecken gibt, stellen die Jüdischen Kulturtage in Berlin einmal mehr unter Beweis. Bereits zum 26. Mal findet die Festwoche in der Hauptstadt statt, Konzerte bilden den Schwerpunkt des 17 Veranstaltungen umfassenden Programms. Daneben bieten die Lange Nacht der Synagogen, Gottesdienste, Vorträge, Gespräche und Lesungen und das "Shuk Ha' Carmel"-Fest die Gelegenheit, verschiedene Facetten der jüdischen Kultur kennenzulernen.
Statt unter einem spezifischen Motto stehen die Kulturtage in diesem Jahr dabei ganz im Zeichen der Vielfalt. Eine weitere Neuerung: Nicht synagogale Musik sondern Jazz eröffnet das Festival. So macht ein Konzert des Bassisten Avishai Cohen in der Synagoge Rykestraße den Anfang. Cohen, der mit seinem Trio auftritt, gilt als einer der größten Bassisten der Szene – ein Highlight nicht nur für Jazz-Fans.
Stilmix zwischen den Zeiten
Ebenfalls bemerkenswert ist das Konzert von Yemen Blues am 19. August, die als Neuentdeckung der israelischen Musikszene gehandelt werden. Die Kombo mischt geschickt traditionelle jemenitische Melodien mit Blues, Jazz und Funk – ein einzigartiger Mix, in dem Tradition auf Moderne trifft. Bei dem Konzert in der Synagoge Rykestraße wird Yemen Blues zudem erstmals gemeinsam mit der aus dem Senegal stammenden Rapperin Sister Fa auftreten.
Zu den Urgesteinen der israelischen Musikszene gehört dagegen David Broza, der am 22. August zu sehen ist. Der Liedermacher verwebt urbanen Folk mit Gitarrenmusik, angereichert mit deutlich hörbaren Einflüssen von Flamenco und lateinamerikanischer Musik. Seine Songs trägt er dabei auf Hebräisch, Englisch und Spanisch vor.
Wenn Muppets rocken
Skurril und laut dürfte es dagegen beim Konzert von Red Band am 23. August im Kreuzberger Lido werden. In Israel genießt die Truppe um Red Orbach und seine Plüschpuppenfreunde Lefty, Poncho und Philip bereits Kultstatus – mit eigener TV-Show und Auftritten auf der ganzen Welt. Als "eine israelische Mischung aus Muppets und South Park – haarig, bissig und derb" beschreiben die Veranstalter der Kulturtage Red Band, die Rock`n`Roll mit Comedy präsentieren.
Nicht minder einmalig wird das Abschlusskonzert der diesjährigen Jüdischen Kulturtage: Am 26. August treffen in der Synagoge Rykestraße mit Yaron Herman (Frankreich), Omer Klein (Israel) und Marice el Médioni (Algerien) drei Ausnahmemusiker zusammen, die so noch nie zusammen auf der Bühne standen. Die drei gehören zu den derzeit gefragtesten Crossover-Pianisten und zeigen gemeinsam mit einer Band und Sängerin Karen Malka eine sinnliche Mischung aus modernem Jazz-Piano und arabischen Klängen.
Jüdische Geschichte im Schnelldurchlauf
Doch nicht nur musikalisch laden die Jüdischen Kulturtage zum Entdecken ein. Am 18. August wird etwa wieder eine Lange Nacht der Synagogen geboten, bei der die Besucher Gelegenheit haben, das religiöse Leben in den Gotteshäusern kennenzulernen. Dazu kommen zwei öffentliche Gottesdienste am 17. und 24. August.
Um kompakte Wissensvermittlung geht es dagegen bei den Vorträgen des Gelehrten David Solomon, der über "Die gesamte Jüdische Geschichte in einer Stunde" (20. August) sowie "Kabbalah in einer Stunde" referieren wird. Mit einem dynamischen Lehrstil gelingt es ihm angeblich, umfangreiche und komplexe Themen in gerade einmal 60 Minuten zu vermitteln.
Ein Dialog zwischen Israel und Iran
Im Rahmen des im vergangenen Jahr begonnenen israelisch-iranischen Dialogs treffen bei diesen Kulturtagen der israelische Schriftsteller Ron Leshem und der iranische Comiczeichner Hamed Eshrat aufeinander (21. August). Im Fokus der Diskussion werden die jüngeren Generationen in beiden Ländern stehen: Was bewegt sie? Wovor haben sie Angst? Was interessiert sie? Und wie stehen sie zueinander? Ein Abend, der spannende Gespräche verspricht.
Zum weiteren Programm der Kulturtage gehören außerdem Lesungen und die Eröffnung der Ausstellung „Der Gelbe Schein. Mädchenhandel 1860 bis 1930“ im Centrum Judaicum (19. August), die sich mit dem fast vergessenen Schicksal auswanderungswilliger junger Jüdinnen beschäftigt, deren Weg in die Prostitution führte.
Elf Tage im Zeichen der Begegnung
Heiterer wird es beim beliebten "Shuk Ha' Carmel"-Fest am gleichen Tag vor dem Gemeindehaus in der Fasanenstraße. Der unaussprechliche Name beschreibt den größten Markt in Tel Aviv, der im Rahmen der Jüdischen Kulturtage nach Berlin geholt wird: Rund um das Gemeindezentrum findet dazu ein Straßenfest mit Musik, exotischen Gewürzen und kleinen israelischen Speisen statt.
Alles in allem zeigen die 17 Veranstaltungen der diesjährigen Jüdischen Kulturtage nicht nur, wie lebendig und abwechslungsreich jüdische Kultur heute ist. Sie führen auch zu spannenden Kombinationen: Tradition trifft auf Moderne, Vergangenheit auf Gegenwart, Juden treffen Nicht-Juden, Israel auf Iran – elf Tage im Zeichen der Begegnung.
Alice Lanzke
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kultur/beitraege/juedische_kulturtage.html