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Transmediale 2012 (Quelle: Gabriel S Moses, 2012)

Medienfestival Transmediale 2013

"Damals als Tweets noch von Vögeln kamen"

Schon zum 26. Mal findet in dieser Woche das angesehene Festival für Medienkunst und digitale Kultur in Berlin statt. Sie waren bisher noch nie da? Für alle blutigen Transmediale-Anfänger hat rbb online eine kleine Gebrauchsanweisung.

1. Vergessen Sie "BWPWAP".

"BWPWAP" – so lautet das Motto der 26. Transmediale in diesem Jahr - rätselhafter geht’s nimmer. Der Buchstabensalat steht für "Back When Pluto Was a Planet", eine Abkürzung, die im Internet verwendet wird, um zu zeigen, dass sich etwas rasant verändert hat. Von einem Tag auf den anderen war Pluto im Jahr 2006 als Planet abgemeldet und hat seitdem nur noch Zwergplanetenstatus. Aber Achtung, die Transmediale ist weder ein Astronomenkongress, noch eine Solidaritätsgala für diskriminierte Ex-Planeten, sondern ein Medienfestival, das in diesem Jahr eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit unternimmt und längst vergessene Medien wie den Overheadprojektor oder den Teletext auferstehen lässt. Vergessen Sie "BWPWAP", das Festival könnte genauso gut "DAHNWBA" heißen "Damals als Handys noch wie Backsteine aussahen" oder "DATNVVK" für "Damals als Tweets noch von Vögeln kamen".

2. Seien Sie ganz altmodisch und doch visionär.

Im Haus der Kulturen der Welt, dem zentralen Ausstellungsort der Transmediale, schlängeln sich gelbe Rohre durch alle Räume und Etagen. Es brummt so laut, als würden drei Staubsauger um die Wette laufen, plopp, schon spuckt das Rohr eine geheimnisvolle Rolle mit einer Nachricht aus. Die Transmediale macht ernst mit der Reise in die Vergangenheit: Im hauseigenen Rohrpostsystem können Sie als Besucher eigene Nachrichten in Sekundenschnelle zum Beispiel von der Garderobe direkt ins Auditorium schicken. Mit der Aktion wollen die Künstler nicht in den guten, alten Zeiten der Berliner Rohrpost schwelgen, sondern – nicht ganz unironisch - das Soziale Netzwerk der Zukunft präsentieren. Großartig! Mit Facebook kann man schließlich keine Geburtstagsgeschenke verschicken.

3. Folgen Sie der Farbe.

Andere Festivals haben Zeitpläne und Themenblöcke, die Transmediale hat ein Labyrinth aus vier Themensträngen: Users, Networks, Paper und Desire. Damit Sie sich nicht verlaufen, sollten Sie immer auf die Farben achten. Blau steht beispielsweise für den Strang Papier, der sich mit einem Medium beschäftigt, das stärker ist, als alles Gerede vom papierlosen Büro: Todgesagte leben länger. Wer dem blauen Strang durchs Labyrinth folgt, landet entweder bei einer Büroperformance mit Faxmaschinen, einer Diskussionsrunde über unkreatives Schreiben oder einem Workshop, in dem man lernt, wie man die eigene Bibliothek am besten digitalisiert.

4. Befreien Sie sich vom Zwang, alles verstehen zu müssen.

"Die Transmediale 2013 zeigt, dass die von neuen Technologien und in Bewegung befindlichen Wissensparadigmen angefeuerte Klassifizierungskrise wertvollen Raum für das Aushandeln von Kultur und künstlerische Interventionen eröffnet." So steht es im Festivalkatalog. Sie haben keine Ahnung, wie Wissensparadigmen sich bewegen oder wie eine angefeuerte Krise einen Raum eröffnet? Nicht schlimm. Lassen Sie die Begleittexte zur Transmediale einfach links liegen und machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken, was der Künstler, Hacker, Designer oder Softwareentwickler Ihnen mit seiner Kunst sagen will. Das ist viel spannender, versprochen!

5. Wenn alles nichts hilft: Tanzen gehen.

Wenn Ihnen der Kopf nach einem langen Transmedialetag nur so schwirrt, auf zum CTM! Parallel zum Medienfestival findet das Festival für elektronische Musik statt, der ehemalige "Club Transmediale". Die Zarten können sich vom Berliner Technoproduzenten "Pantha du Prince" mit Glockenspiel und meditativen Melodien wieder ins Gleichgewicht bringen lassen. Die Harten lassen sich von der amerikanischen Mönchskutten-Band "Sunn O)))" und ihrem Gitarrengewitter den Kopf freipusten.

Marie Kaiser

Stand vom 29.01.2013

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 29.01.2013 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Mehr Infos im rbb

Transmediale 2013

Vom 29. Januar bis 3. Februar 2013 versammeln sich Wissenschaftler und Künstler im Berliner Haus der Kulturen der Welt. [transmediale.de]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kultur/beitraege/transmediale2013.html

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