Bushido trifft zu einer Gerichtsverhandlung in Berlin ein. (Quelle: dpa)

Skandal-Video - Bushido-Song steht ab Freitag auf dem Index

Seit Tagen erhitzen sich die Gemüter über das neueste Lied des Rappers Bushido, in dem er unter anderem zur Gewalt gegen Politiker aufruft. Jetzt hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gehandelt: Ab Freitag darf die CD mit dem Song "Stress ohne Grund" nur noch unter dem Ladentisch verkauft werden.

Das umstrittene Lied "Stress ohne Grund" des Berliner Rappers Bushido steht ab Freitag auf dem Index. Das teilte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien am Mittwoch mit. Der Song gilt damit als gefährdend für Minderjährige.

Das Gremium habe die Musik-CD "NWA" des Interpreten Shindy mit dem Bushido-Song als gefährdend für Minderjährige eingestuft. Der Text wirke verrohend, reize zu Gewalttätigkeiten an und diskriminiere Frauen sowie Homosexuelle.

Die Indizierung tritt ab dem kommenden Freitag in Kraft, wie die Bundesprüfstelle am Nachmittag mitteilte. Ab dann darf die CD nur noch an Erwachsene verkauft, nicht mehr in der Öffentlichkeit beworben und nicht im Wege des Versandhandels vertrieben werden.

Roth sieht Bushido "ganz rechts außen", will aber nicht gegen ihn klagen

Der Song enthält Tötungs- und Gewaltfantasien sowie schwulenfeindliche Parolen. Namentlich werden Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören, Comedian Oliver Pocher und die Grünen-Chefin Claudia Roth genannt und mit heftigen Worten beleidigt.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth (Bild: DPA)
Grünen-Chefin Claudia Roth will nicht vor Gericht gegen Bushido vorgehen.

Über die Grünen-Chefin heißt es in dem Lied: "Ich schieß auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz. "In einem Interview mit dem Magazin "Stern" sagte die Politikerin: "Herr B. ruft gezielt zu Hass und Gewalt gegen Minderheiten auf. Was er von sich gibt, ist ganz rechts außen." Roth wolle aber keine persönliche Anzeige gegen Bushido erstatten. Sie werde nicht mit ihm "in den Ring steigen, das hätte er gerne, er giert ja nach Aufmerksamkeit", sagte die Politikerin. Der Grünen-Bundesvorstand prüfe aber rechtliche Schritte gegen Bushido. "Die Plattenfirma Sony Music sollte sich fragen, ob sie so jemanden vertreiben will", sagte Roth dem Magazin.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) forderte am Mittwoch in einem offenen Brief den Verleger Hubert Burda ("Bunte", "Focus") auf, die Verleihung des Preises Integrations-Bambi im Jahr 2011 an Bushido öffentlich als Fehler einzugestehen. Bushidos Hetzparolen befeuerten Gewalt gegen Homosexuelle. Auch der Verband habe Strafanzeige gegen Bushido gestellt.

Die "Bild am Sonntag" hatte "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel mit den Worten zitiert: "Die Jury ist nicht verantwortlich für den Weg, den ein Preisträger in den Jahren nach der Auszeichnung einschlägt." Vor drei, vier Jahren habe sich Bushido aktiv für Integrationsprojekte und gegen Gewalt eingesetzt, dafür sei er ausgezeichnet worden.

Der Berliner Rapper Bushido während eines Auftrittes (Bild: DPA)
Kunstfigur oder nicht? Der Rapper Bushido

Der Song "Stress ohne Grund" enthält Tötungs- und Gewaltfantasien sowie schwulenfeindliche Parolen. Unter anderen stellte Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit (SPD) Strafanzeige.

Bushido hatte die Gewaltfantasien und Mordaufrufe zu Wochenbeginn noch heruntergespielt und verteidigt. Die Textzeilen seien der Kunstfigur Bushido entsprungen, sagte der 34-Jährige in der ARD.

Er sei in den letzten Monaten "unzählige Male" von dem FDP-Politiker Serkan Tören und Grünen-Chefin Claudia Roth beschimpft worden, so Bushido. Nun habe er "dem Druck das Ventil geöffnet". Er beabsichtige aber "in keiner Art und Weise, diese Menschen wirklich körperlich oder geistig anzugreifen". Beide werden in dem Song namentlich genannt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wird in Bushidos Song diffamiert - und hat Strafanzeige gestellt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte am Montag trotz der Beteuerungen Strafanzeige gegen den Musiker gestellt. Der Inhalt des im Internet verbreiteten Videos habe Wowereit zu rechtlichen Schritten bewogen, sagte der stellvertretende Senatssprecher Bernhard Schodrowski. Zum konkreten Tatvorwurf äußerte er sich nicht.

Ebenfalls eine Strafanzeige gestellt hat der FDP-Bundestagsabgeordnete und Integrationspolitiker Serkan Tören. Er sei entsetzt gewesen über Bushidos neues Video, so Tören im Gespräch mit dem rbb. Ihm werde in dem Video direkt mit dem Tod gedroht.

Tören forderte außerdem den Burda-Verlag auf, die Auszeichnung des Rappers mit dem Bambi für Integration zurückzunehmen. Mit seiner Hetze gegen Minderheiten und Andersdenkende könne Bushido kein Vorbild für junge Migranten sein, so Tören.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) (Bild: dpa)
Innenminister Hans-Peter Friedrich nennt das Video einen Fall für die Justiz.

Friedrich: "Video überschreitet alle Grenzen"

Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schaltete sich in die Debatte ein: "Dieses Video überschreitet alle Grenzen. Das ist jetzt ein Fall für die Justiz", sagte der Politiker laut einer Mitteilung. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft das Lied bereits seit dem Wochenende.

Bushido bringt sich immer wieder durch provozierende und als gewaltverherrlichend empfundene Äußerungen ins Gerede. Zuletzt sorgten Medienberichte über fragwürdige Geschäftsbeziehungen für Aufsehen.

Positive Schlagzeilen machte Bushido, als ihn der Burda-Verlag im Jahr 2011 mit dem Integrations-Bambi ehrte. Im vergangenen Jahr machte Bushido sogar ein Praktikum bei einem CDU-Bundestagsabgeordneten.