Götz George wird 75 - Kontroverse zum Geburtstag

Mit Rollen wie dem "Tatort"-Ermittler Schimanski und dem Massenmörder in "Der Totmacher" wurde er berühmt. Am Dienstag wurde der Berliner Schauspieler Götz George 75 Jahre alt. Sein neuester Film "George", in dem er seinen Vater spielt, hat eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Der Schauspieler Götz George feierte am 23. Juli seinen 75. Geburtstag. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte den gebürtigen Berliner aus diesem Anlass als facettenreichen Schauspieler: "Der Reichtum Ihres künstlerischen Ausdrucks ermöglichte es Ihnen, Charaktere der klassischen Theaterliteratur ebenso glaubhaft und mitreißend mit Leben zu füllen wie solche des Kunst-, Genre- und Unterhaltungsfilms", schrieb Neumann. Er hob die "außergewöhnliche schauspielerischen Gabe und nicht nachlassende künstlerischer Neugier" des Charakterdarstellers hervor.

Eine Kontroverse hatte sich kürzlich an dem Doku-Drama "George" entzündet, mit dem die ARD Götz George zum 75. gratuliert. In dem Film, der bereits am Montag auf Arte und am Mittwoch im Ersten gezeigt wird, spielt Götz George seinen berühmten Vater. Heinrich George (1893-1946) war einer der berühmtesten Schauspieler der Nazi-Zeit und des 20. Jahrhunderts insgesamt. Er starb 1946 mit 52 Jahren in Lagerhaft, nachdem ihn die Sowjets wegen seiner Haltung zum NS-Regime verhaftet hatten. Bis heute gilt er wegen seiner Karriere in der Hitler-Zeit als Mitläufer der Nazis. Der Film von Joachim A. Lang geht vor allem der Frage nach, wie sehr sich Heinrich George von den Nazis instrumentalisieren ließ.

Der deutsche Schauspieler Heinrich George beim Studium der Tagespresse (undatiertes Archivfoto); © dpa-Bildfunk
Götz Georges Vater, der Schauspieler Heinrich George.

"Mitläufer im höchsten Sinne des Wortes"

Scharfe Kritik an dem Film übte der Filmproduzent Artur Brauner, der den Holocaust überlebte, aber zahlreiche Angehörige verlor. Im Nachrichtenmagazin "Focus" schrieb der 94-Jährige, der Film sei zwar "schauspielerisch herausragend", habe ihn jedoch "tief aufgewühlt und "nachhaltig verärgert". Götz George wolle darin "seinen Vater glorifizieren". Er stelle ihn "als großen Schauspieler dar, der trotz seiner Beteiligung an den schlimmsten propagandistischen Filmen eigentlich nicht viel zur Verbreitung der Nazi-Ideologie beigetragen hat". Dabei wisse er genau, wer sein Vater war. "Er war eine der Vorzeigefiguren der Nazis." George habe über seine Rollen, mit seinen Reden und seiner Überzeugungskraft "Millionen beeinflussen" können.

Heinrich George habe genau gewusst, was seine Beteiligung etwa an dem propagandistischen Film "Jud Süß" bedeutete, so Brauner, "er war ja intelligent genug". George sei in der Nazi-Zeit nicht "wehrlos" gewesen. "Er war dem Regime zu Diensten, das den größten Massenmord aller Zeiten befohlen hat." George sei ein "Mitläufer im höchsten Sinne des Wortes" gewesen.

Der vielfach ausgezeichnete Regisseur des Films, Joachim A. Lang, sagte zu seiner Herangehensweise an den Stoff: "Unsere Vereinbarung war von Anfang an, dass die Biografie nicht geschönt wird". Jahrelang habe er international recherchiert und zahlreiche bislang unbekannte Quellen erschlossen. Er habe bewusst eine offene Form gewählt, damit sich der Zuschauer selbst ein Urteil bilden könne.

Götz George zieht für sich aus der Biografie seines Vaters den Schluss: "Er wurde benutzt, und er ließ sich benutzen."

Götz George kritisiert den Ausstrahlungstermin

Im Zusammenhang mit dem Film "George" übte auch Götz George selbst Kritik – am Ausstrahlungstermin. Die ARD zeigt das Dokumdrama am Mittwochabend um 21.45 Uhr. Über die späte Sendezeit sei er "unglücklich", sagte George der Zeitschrift "Hörzu". "Außerdem hatte ich gebeten, dass der Film über das Leben meines Vaters nicht zu meinem Geburtstag ausgestrahlt wird, sondern am 9. Oktober, an dem mein Vater 120 Jahre alt geworden wäre."

ARD-Programmdirektor Volker Herres entgegnete ihm in einer Erklärung: "Wir wollen dem großen deutschen Charakterdarsteller und Publikumsliebling mit diesem besonderen Filmabend zu seinem 75. Geburtstag eine besondere Ehre erweisen. Am 24. Juli um 20.15 Uhr zeigen wir daher Götz George in seiner Kultfigur 'Schimanski' und unmittelbar anschließend in dem 115-minütigen Dokudrama 'George'."

Die Rolle als Heinrich George sei "vielleicht die größte Herausforderung unter den vielen Rollen, die Götz George bisher in seinem Künstlerleben gemeistert hat", betonte Herres. "Mit solchen Doppelprogrammierungen haben wir beste Erfahrungen gemacht und sind sicher: Das wird ein großer Abend für Götz George."

Götz George als "Tatort"-Kommissar Schimanksi bei Dreharbeiten im Duisburger Hafen im März 1981 (Quelle: dpa)
Götz George als "Tatort"-Kommissar Schimanski

Vom "Übervater" geprägt und getrieben

Götz George ist acht Jahre alt, als der Vater in sowjetischer Gefangenschaft stirbt. Seine Mutter Berta Drews, selbst Schauspielerin weckt in ihm die Liebe zum Theater. Mit elf Jahren steht er erstmals auf der Bühne, mit fünfzehn neben Romy Schneider in der Romanze "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" vor der Kamera.

Insgesamt blickt Götz George auf 40 Hauptrollen auf der Bühne und 120 Kino- und Fernsehfilme zurück - angefangen von den Karl-May-Abenteuern in den 60er Jahren bis zum "Tod einer Polizistin" im Januar 2013. Gute Kritiken brachten ihm vor allem seine physische und psychische Präsenz, seine Wandlungsfähigkeit und sein Rollenverständnis ein. Der "Tatort"-Kommissar Horst Schimanski, den er ab 1981 verkörperte, wurde seine Paraderolle - und Kult.

Zu seinen berühmtesten Rollen gehörte außerdem der homosexuelle Massenmörder Fritz Haarmann in "Der Totmacher", der 1995 das Filmfestival von Venedig eröffnete. In Satiren wie "Schtonk!" oder "Rossini" stellte er sein komödiantisches Talent unter Beweis. 2007 wurde er, der als einer der vielseitigsten Schauspieler Deutschlands gilt, für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt.

Zu seinen berühmtesten Rollen gehörte außerdem der homosexuelle Massenmörder Fritz Haarmann in "Der Totmacher", der 1995 das Filmfestival von Venedig eröffnete. In Satiren wie "Schtonk!" oder "Rossini" stellte er sein komödiantisches Talent unter Beweis. 2007 wurde er, der als einer der vielseitigsten Schauspieler Deutschlands gilt, für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt.

Der Film "George" macht nun deutlich, wie sehr der Sohn zeitlebens von dem "Übervater" geprägt war - und getrieben. "Du hast mich halt immer überholt. Du warst halt immer besser, besessener", sagt George in der ARD-Dokumentation an die Adresse seines toten Vaters.

Schauspielerisch hat sich Götz George bislang nicht zur Ruhe gesetzt. Privat zog er sich mit seiner gut 20 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Marika Ullrich in sein Refugium auf Sardinien zurück.

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Di 23.07.2013 | Inforadio - Götz George wird 75

Ein Porträt des Schauspielers von Alexander Soyez