Dorfkirche in Berlin-Kaulsdorf, Foto: Harald Rossa via Wikimedia commons

Denkmalpflege in Brandenburg - Kunstwerke in Dorfkirchen drohen zu verfallen

Sie sind oft Jahrhunderte alt, aber viele der Brandenburger Dorfkirchen werden nicht mehr gebraucht. Obwohl seit 1990 viele Häuser dank großer Sanierungsprogramme erhalten werden konnten, fehlen für eine großen Zahl der Baudemkmäler die Mitel. Landeskirche und Landesregierung wollen gegensteuern.

In vielen Dorfkirchen in Brandenburg drohen religiöse Kunstwerke wie Altäre und Taufengel zu verfallen. Der Förderverein Alte Kirchen fordert deshalb vom Land mehr Unterstützung für die Denkmalpflege, etwa in Form eines Fonds oder einer Stiftung. Nach der baulichen Sanierung vieler Kirchen gehe es nun um den Inhalt der Gebäude, sagte Geschäftsführer Janowski.

Das Kulturministerium in Potsdam räumte am Samstag ein, dass trotz des Millionenaufwands in den vergangenen 20 Jahren weiterhin erhebliche Anstrengungen nötig seien.

Blick in eine kleine Dorfkirche in Brandenburg [dpa]
Die um 1270 erbaute Feldsteinkirche Ringenwalde in der Uckermark - Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck hat hier 2008 geheiratet.

Seit 1990 flossen 44 Millionen Euro in die Kirchensanierung

Unzählige kleine Gotteshäuser in ländlichen Gegenden konnten in den vergangenen beiden Jahrzehnten gerettet werden. Doch auch die Schätze im Innern sind bedroht. In vielen Dorfkirchen in Brandenburg könnten religiöse Kunstwerke wie Altäre und Taufengel verfallen und so verloren zu gehen. Es seien erhebliche Anstrengungen nötig, um die Kunstwerke zu bewahren, schreibt das Kulturministerium in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage.

Seit 1990 wurden den Angaben zufolge zwar rund 470 Sanierungsprojekte umgesetzt und mit rund 44 Millionen Euro vor allem von der EU unterstützt. Doch der Geschäftsführer des Fördervereins Alte Kirchen, Bernd Janowski, warnt: "Es geht nicht nur um die Gebäude, es geht auch um den Inhalt." Auch der große Orgelbestand in Brandenburg sei gefährdet.

Friedenseiche mit Heimatmuseum und Dorfkirche in Zehlendorf Berlin (Quelle: imago)
Alter Stadtkern in Berlin-Marienfelde mit Dorfkirche und Heimatmuseum

Dorfkirchen sind viele Jahrzehnte vernachlässigt worden

Etwa 1600 Dorfkirchen gibt es im Land, meist evangelische. Auf der Landesdenkmalliste stehen davon fast 1480. Zur Wende herrschte noch ein riesiger Sanierungsstau. "In der Regel war seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht viel passiert", sagt Janowski. Die beiden Weltkriege, die Zeit des NS-Regimes, die DDR-Jahrzehnte - lange Zeit war den kleinen Dorfkirchen kaum Aufmerksamkeit geschenkt worden. 1990 änderte sich das, der Sanierungsstau konnte mittlerweile weitgehend beendet werden.

Janowski, der mit dem Förderverein mehr als 300 lokale Initiativen bündelt, kümmert sich daher nun auch um die Kunstwerke. Zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) laufen Aktionen, um
Taufengel - Co. zu retten. Vom Land wünscht sich Janowski die Einrichtung eines Fonds oder einer Stiftung zur Denkmalpflege.

Es gehe aber nicht nur ums Geld, betont er, sondern auch darum, angesichts der schrumpfenden Bevölkerung in vielen Regionen Strategien für die Zukunft der Gotteshäuser zu finden. Dazu müssten Staat, Kirche und Gesellschaft sich verständigen. "Es gibt Dorfkirchen, wo kaum noch Gemeinden vorhanden sind."

Orgel in der Großräschener St. Antoniuskirche (Quelle: orgelklang.de)
Orgel in der Großräschener St. Antoniuskirche in der Niederlausitz

Zahl der Gottesdienste nimmt immer weiter ab

Viele Kirchengebäude stehen bereits für andere Nutzungen neben der kirchlichen offen. So gibt es laut Angaben des Sprechers der EKBO, Volker Jastrzembski, etwa Herbergen für Pilger. Beim jährlichen Dorfkirchensommer locken zudem Konzerte oder Lesungen. Dutzende Kirchen werden sich bei der geplanten Bundesgartenschau 2015 im Havelland auch dem Tourismus öffnen.

Der Bedarf, die Gebäude zu erhalten, sei da. "Bedarf heißt aber nicht, dass da sonntäglich ein Gottesdienst stattfindet", erklärt Jastrzembski. Oftmals gebe es nur acht- bis zehnmal im Jahr welche, die dafür dann aber gut besucht seien.

Baulich seien aktuell nur noch weniger als 200 Kirchen in Brandenburg gefährdet, sagte der Sprecher. Das sei mit Blick auf die 1990er-Jahre, wo es noch 800 waren, eine Erfolgsgeschichte. Für die erfahrene Unterstützung ist Jastrzembski dankbar, wünscht sich aber weiter Hilfe für Gebäude und Kunstwerke. "Die Sanierung können wir als Kirche nicht alleine stemmen."