
25 Jahre "Tanz im August" - Im August wird wieder getanzt
Das größte deutsche Festival für zeitgenössischen Tanz feiert Geburtstag: Vor 25 Jahren wurde in Berlin der "Tanz im August" gegründet und hat sich anschließend in der internationalen Tanzszene unentbehrlich gemacht. Jetzt startete die Jubiläumsausgabe, und Festival-Leiterin Bettina Masuch nimmt den Geburtstag zum Anlass für einen Blick zurück - auf die Anfänge des Tanz-Gipfeltreffens.
Als das Festival "Tanz im August" vor 25 Jahren das erste Mal in Berlin stattfand, galt unbestritten New York als Epizentrum des zeitgenössischen Tanzes mit Trisha Brown und Steve Paxton als zwei der herausragenden Protagonisten. Grund genug für Festival-Leiterin Bettina Masuch die beiden zur Eröffnung des diesjährigen Jubiläumsfestivals von "Tanz im August" nach Berlin einzuladen.
"Die Ausgangsfrage war, was war damals wichtig? Welche Choreographenpersönlichkeiten, welche Ästhetiken?", so Masuch im rbb über das Jubiläumsprogramm. "Die Arbeiten von Trisha Brown, Steve Paxton aber auch Merce Cunningham und anderen haben damals wirklich Wege bereitet für die lokale und auch die internationale Szene." Für das diesjährige Festival in Berlin hat Tanz-Pionier Steve Paxton sein Stück "Bound" 30 Jahre nach seiner Entstehung mit dem jungen Tänzer Jurij Konja neu einstudiert. Seine Choreographen-Kollegin Trisha Brown tritt mit ihrem Stück "Early Works" im Hamburger Bahnhof auf.
Zu dem Blick auf die Anfänge des Festivals gehört auch die Einladung des Slowenen Iztok Kovač, der Ende der 1980er Jahre als junger rebellischer Choreograph beim Berliner Tanzfestival quasi entdeckt wurde.
Eng gestrickter Finanzrahmen
Masuch sieht ihr Programm auch als Versuch, das bisher kaum archivierte Wissen der zeitgenössischen Choreographen zu bewahren. "Das ist in der Regel Insiderwissen, das unter Künstlern weitergegeben wird", so die Festival-Leiterin. In ihrem Programm finden sich gleich mehere 'alte' Stücke, die von ihren Machern mit jungen Tänzern neu einstudiert wurden.
Die Dramaturgin Masuch ist erst seit diesem Jahr für das Festival verantwortlich. Zuvor hatten fünf Kuratoren gemeinsam das Programm gestaltet. 2013 wurde das Festival an das Hebbel am Ufer (HAU) angebunden, wo Bettina Masuch es nun als unabhängige künstlerische Leitung verantwortet.
Größte Herausforderung sei es, mit dem begrenzten Budget dem Anspruch gerecht zu werden, das größte Festival für zeitgenössischen Tanz in Deutschland zu sein, so Masuch. Ihr Ausweg: Sie müsse auf eher kleine Tanz-Kompanien setzen. "Bei großen Produktion, wo natürlich viele Reisekosten anfallen, kommt ein Festival wie unseres ganz schnell an die Grenzen."
Blick nach vorn: Junge Choreographen aus Afrika, Asien und Südamerika
Seit Gründung des Festivals hat sich die Tanzwelt in rasendem Tempo entwickelt. "Als Nele Hertling das Festival gegründet hat - in einer Zeit wo es kaum internationalen Tanz in der Stadt gab - war das natürlich eine echte Pionierleistung", so Masuch. "Das war ein Fenster in die Welt." Seitdem habe sich die Szene in Berlin enorm entwickelt und vor allem internationalisiert.
Doch auch das globale Kräfteverhältnis hat sich verschoben, und zwar weg von seinen ehemaligen westlichen Epizentren hin in den geopolitischen Süden. Und hier wirft das Festival nun auch einen Blick nach vorn, mit jungen Choreographen aus Afrika, Asien und Südamerika. So hinterfragt der kongolesische Choreograf Faustin Linyekula in "Drums and Digging" die politischen und sozialen Veränderungen in seinem Heimatdorf im Nordosten des Kongo und ihren Einfluss auf seine Kunst. Boyzie Cekwana (Südafrika) und Panaibra Canda (Mozambik) setzen sich in "Incombati (dis)cord" mit den Grenzen zwischen ihren Ländern und deren Folgewirkungen auf die Psyche der Menschen auseinander.
Parcours durch das Tanzschaffen des 20. Jahrhundert
Das Festival gleicht dieses Jahr einem Parcours durch das Tanzschaffen der vergangenen Jahrzehnte und will damit auch das Laufpublikum erreichen: Auf dem Gendarmenmarkt zeigt der US-Künstler David Michalek während des Festivals eine spektakuläre Outdoor-Videoinstallation. Auf einem über 40 qm großen Triptychon porträtiert Michalek Tänzerpersönlichkeiten der letzten Jahre in slow motion-Tanzfilmen. Jede Muskelbewegung ist im Detail zu sehen - faszinierend auch für diejenigen, die sonst mit Tanz nichts zu tun haben.
