
"Jugend musiziert" wird 50 - Alles geben für die Musik
Keine Tränen, keine blöden Sprüche, kein Glamour. Einfach nur Musik. "Jugend musiziert", Deutschlands ältester Jungmusiker-Wettbewerb, kommt deutlich zurückhaltender daher als viele Fernseh-Casting-Shows. Dafür bringt er seit fünfzig Jahren Künstler hervor, deren Haltbarkeitsdatum nicht bereits nach einem Jahr komplett überschritten ist. Gefeiert wird vom 15. bis 18. August.
Die Violinisten Christian Tetzlaff und Viviane Hagner, Pianist Lars Vogt und viele andere prominente Musiker machen mit. Keine Frage: Die viertägige Konzertreihe Das Fest – 50 Jahre Jugend musiziert. Von Schülern und Meistern, mit der "Jugend musiziert" vom 15. bis 18. August 50. Geburtstag in Berlin feiert, ist hochkarätig besetzt. Ein Zeichen dafür, dass der gute alte "Jugend musiziert"-Wettbewerb trotz telegener Gesangskonkurrenz wie "DSDS" oder "Voice of Germany" Schlagkraft besitzt.
Selbst wenn sein Name mittlerweile so spritzig ist wie ein Heimatfilm aus den Fünfzigerjahren - die Idee ist noch immer hochaktuell: Kinder und Jugendliche dazu animieren, Musik zu machen, ein Instrument zu spielen. Denn glaubt man einer Umfrage der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) dann sind genau dazu immer weniger Menschen in Deutschland in der Lage. Musik hören: ja. Selbst spielen: nein.
Alle können mitmachen
Der nationalen Musiziermüdigkeit wirkt der Wettbewerb mit einer doppelten Strategie entgegen: musikalische Breitenförderung innerhalb der Regionen, professionelle Begabtenauslese auf Bundesebene. Das Verfahren ist einfach. Mitmachen bei den Regionalwettbewerben können zunächst alle, vorausgesetzt sie sind nicht älter als 20 Jahre, bei Sängern bis 27 Jahre.
Dann wird nach einfachem Prinzip gesiebt: Die ersten Plätze kommen weiter. Sieger bei den Regionalwettbewerben können beim Landeswettbewerb mitmachen, deren erste Preisträger wiederum treten beim Bundeswettbewerb an, der "Profi-Liga". Die Ansprüche an Leistung und Professionalität steigern sich mit jeder Ebene, aber Preise und Urkunden gibt es für alle.
Berlin als Vorreiter
Auf ein halbes Jahrhundert klangvoller Geschichte kann "Jugend musiziert" in diesem Jahr zurückblicken. Peu à peu hat der Musikwettbewerb sein Profil erweitert. 1964 in Berlin ins Leben gerufen, um dem Nachwuchs für Symphonieorchester eine Chance zu geben, kamen in den Siebziger- und Achtzigerjahren zu Streichern und Bläsern auch Klavier, Akkordeon und Schlagzeug hinzu.
Gerade Berlin spielte auch bei der Öffnung des Wettbewerbs über den traditionellen Klassik-Bereich hinaus eine wichtige Rolle. Um die unterschiedlichsten Kulturkreise miteinzubeziehen, wurde 2002 die türkische Langhalslaute Baglama in die Wertungen hineingenommen. 2006 brachte Berlin die Popmusik ins Spiel, seit 2012 können auch Bands und Duos teilnehmen.
Talente gesucht
18.311 Kinder und Jugendliche starteten beim 50. Musikwettbewerb in diesem Jahr bundesweit in die erste Runde. Natürlich waren auch Berliner und Brandenburger dabei. Von den 455 Teilnehmern aus Berlin konnten in der letzten Runde acht Solisten einen ersten Preis beim Bundeswettbewerb nach Hause nehmen. In Brandenburg, wo 712 Teilnehmer ins Rennen gingen, gewann eine Violinistin einen ersten Preis in der Solowertung. Man kann ihnen nur gratulieren, hat der Wettbewerb in der Musikszene doch ein hohes Renommee.
Unabhängig davon, ob er für den ein oder anderen der Einstieg in die Profilaufbahn bedeutet, ist seine Bedeutung für die Nachwuchs- und Begabtenförderung auch nach fünfzig Jahren unbestritten. "Jugend musiziert" darf seinem bewährten Konzept also getrost treu bleiben. Nur über einen neuen Namen könnte wirklich einmal jemand nachdenken.

