Modell-Turm der Garnisonkirche (Quelle: dpa)

Zwölf Millionen Euro sollen fließen - Linke kritisiert Bundesspende zum Aufbau der Garnisonkirche

Vor der Potsdamer Garnisonkirche demonstrierten Konservative und Nationalsozialisten 1933 den Schulterschluss. Die SED ließ die Kirche 1968 sprengen. Jetzt soll das Gotteshaus, einst Wahrzeichen Potsdams, wieder errichtet werden. Eine Großspende des Bundes über zwölf Millionen Euro stößt auf ein unterschiedliches Echo.

Die millionenschwere Spende des Bundes für den Aufbau der zerstörten Potsdamer Garnisonkirche ist auf geteiltes Echo gestoßen. Politiker der Linken kritisierten scharf die Ankündigung, der Bund wolle sich mit zwölf Millionen Euro an dem Neubau beteiligen.

Christian Görke, Fraktionschef der Brandenburger Linkspartei, bezeichnete die angekündigte Bereitstellung der Gelder als - so wörtlich - Unverfrorenheit. Kulturstaatsminister Bernd Neumann könne derzeit über gar keine Haushaltsmittel verfügen. Den Etat stelle der neue Bundestag nach dem 22. September auf, so Görke.

Das Land Brandenburg werde im Übrigen keine öffentlichen Mittel für eine Rekonstruktion einsetzen, weil die Geschichte der Garnisonkirche "nicht einfach" sei, so der Linken-Politiker.

Der Stadtfraktionschef der Potsdamer Linken, Hans-Jürgen Scharfenberg, sagte den "Potsdamer Neuesten Nachrichten", ein Wiederaufbau aus öffentlichen Mitteln sei "nicht in Ordnung". Das Geld sei in der Wohnungsbauförderung besser eingesetzt.

Lutz Boede von der Initiative "Potsdam ohne Garnisonkirche" bezeichnete die Bundesspende der Zeitung zufolge als "Missbrauch öffentlicher Mittel". Mit dem Wiederaufbau würden "Traditionslinien aufgegriffen, die aus guten Gründen überwunden sind", zitiert die PNN Boede.

Adolf Hitler auf dem Weg zur Eröffnungssitzung des neuen Parlaments in der Potsdamer Garnisonkirche am 21. März 1933 (Quelle: dpa)
21.3.1933: Adolf Hitler auf dem Weg zur Garnisonkirche

Symbol für die Verbindung von Nazis und Konservativen

Am Dienstag hatte der Bund überraschend zugesagt, den Bau der Garnisonkirche mit zwölf Millionen Euro zu unterstützen. Die Kosten für das Gesamtprojekt werden auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist nicht unumstritten. Am 21. März 1933, dem "Tag von Potsdam", reichten sich Reichspräsident Paul von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler vor der Kirche demonstrativ die Hand. Die Zeremonie vollzog sich über den Gräbern der Hohenzollern und vor den versammelten Abgeordneten des neu gewählten Reichstages. Die Kirche wurde durch diesen Akt zu einem Symbol der Verbindung von Preußentum und Nationalsozialismus.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die barocke Kirche stark beschädigt. 1968 ließ die SED die Ruine schließlich sprengen.

Neubau soll insgesamt 100 Millionen Euro kosten

Der Verwaltungsvorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, Peter Leinemann, zeigte sich erfreut über die angekündigte Finanzspritze: "Durch die in Aussicht stehenden Mittel des Bundes kommen wir enorm voran, sie wirken als Initialzündung für die Spendenbereitschaft", sagte er. "Nun werben wir um weitere private Unterstützung - mehr denn je!".

Die Stifung kämpft seit Jahren für den Wiederaufbau der von 1731 bis 1735 auf Befehl des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. errichteten Kirche. Mit Hilfe des Bundes sei jetzt etwa ein Drittel der Kosten für die Rekonstruktion des Turmes mit seinen Seitenflügeln gedeckt, hieß es.

"Großartiges Signal"

Kulturstaatsminister Neumann (CDU) sagte, die neu aufgebaute Kirche werde eine alte Wunde im Stadtbild schließen. Mit dem Beschluss unterstütze der Bund die jahrzehntelangen Bemühungen vieler engagierter Bürger und der Stiftung Garnisonkirche Potsdam.

Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Altbischof Wolfgang Huber, sprach von einem "großartigen Signal".

Baustart für 2014 geplant

Im Juni diesen Jahres stufte der Haushaltsauschuss des Bundestages die Garnisonkirche als Bauwerk von nationaler Bedeutung ein und nahm sie in das Denkmalschutzprogramm auf. Ende Juli erteilte die Stadt Potsdam die Baugenehmigung für einen Wiederaufbau der Garnisonkirche.

Den Plänen zufolge wird die Kirche nach Kritik in leicht abgewandelter Form wiederaufgebaut: Nach Angaben des Architektenbüros soll die Kapelle im Turm weniger monumental und mit stärkeren preußisch-reformatorischen Akzenten gestaltet werden.

Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2014 beginnen. Im ersten Bauabschnitt wird dann bis zum 500. Reformationsjubiläum 2017 für rund 40 Millionen Euro der Turm der Garnisonkirche errichtet.

Nach der Fertigstellung soll das Gebäude nach Darstellung seiner Unterstützer als offene Stadtkirche, Bildungsstätte und Ort der Erinnerung genutzt werden.