Ein Schild an der Verlagszentrale von Suhrkamp in Berlin (Bild: DPA)

Auch Wella-Erben sollen interessiert sein - Deutscher Taschenbuch Verlag hat Interesse an Suhrkamp

Zuletzt hatte der jahrelange erbitterte Gesellschafter-Streit bei Suhrkamp einen neuen Höhepunkt erreicht: Der Traditionsverlag meldete Insolvenz an. Nun hat der Deutsche Taschenbuch Verlag Interesse an einer Beteiligung bekundet. Auch eine Darmstädter Unternehmerfamilie soll interessiert sein. Der juristische Streit bei Suhrkamp könnte aber weiter gehen.

Der Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) hat Interesse an einer Beteiligung am insolventen Suhrkamp-Verlag. "Die Gesellschafter des Deutschen Taschenbuch Verlags haben zusammen mit dem dtv den Gesellschaftern von Suhrkamp Interesse an der Übernahme einer Beteiligung signalisiert", heißt es in einer Mitteilung vom Freitag.

"Mit einer Beteiligung der familiengeführten, unabhängigen Verlage ist intendiert, Suhrkamp operativ zu stärken, die Unabhängigkeit langfristig zu sichern und in den sich rapide verändernden Marktbedingungen gemeinsame Synergien zu verwirklichen."

Eine Suhrkamp-Sprecherin bestätigte, dass vor einigen Wochen ein Gespräch mit dem Suhrkamp-Generalbevollmächtigten Frank Kebekus stattgefunden habe. "Weiterführende Gespräche gab es bisher nicht", sagte sie. "Selbstverständlich nimmt der Verlag solche Vorschläge zur Kenntnis und bezieht sie in seine Überlegungen ein."

Weiteres Interesse an Suhrkamp

Laut Suhrkamp gibt es noch einen weiteren Interessenten. Verlagssprecherin Tanja Postpischil sagte, die Darmstädter Unternehmerfamilie Ströher sei an einem Einstieg bei dem Traditionsverlag interessiert. Damit bestätigte sie Informationen, die die Zeitung "Die Welt" veröffentlicht hatte. "Es gibt ein Interesse der Familie Ströher, sich an dem Verlag zu beteiligen", so Postpischil. Nähere Angaben machte sie nicht. Von dem Darmstädter Ströher Family Office, das der Wella-Erbin Sylvia Ströher und ihrem Mann Ulrich gehört, gab es zunächst keine Stellungnahme.

Machtkampf ging auch nach Insolvenzanmeldung weiter

Im Suhrkamp Verlag, der Anfang 2010 von Frankfurt nach Berlin umzog, tobt seit Jahren ein Machtkampf zwischen den beiden Gesellschaftern. Suhrkamp-Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz hält über die Familienstiftung 61 Prozent des Verlags, Hans Barlach über seine Medienholding AG 39 Prozent.

Am Mittwoch gipfelte er darin, dass das Unternehmen Insolvenz anmeldete. Als Insolvenzgründe wurden Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung genannt. Doch dieser Schritt soll den Verlag retten. Denn neues Gesetz ermöglicht es, dass die Geschäftsführung im Amt bleibt. Nach deren Willen soll die Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

Damit würde der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach seine zahlreichen Sonderrechte verlieren. Nach Angaben von Suhrkamp würde die Rechtsform der Aktiengesellschaft Existenz und Handlungsfähigkeit des Verlags sichern. Der Gesellschafterstreit, der die Insolvenz ausgelöst habe, würde das operative Geschäft dann nicht länger beeinträchtigen können.

Barlach wollte Unseld-Berkéwicz Geschäftsführung entziehen - vergeblich

Der juristische Streit zwischen den beiden Eigentümern ging jedoch auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens weiter. Minderheitsgesellschafter Hans Barlach versuchte, Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz die Geschäftsführung zu entziehen. Einen entsprechenden Antrag wies das Landgericht Berlin allerdings am Donnerstag in einem Eilverfahren zurück. Somit kann die Verlegerwitwe die Leitung des Hauses auch während des laufenden Insolvenzverfahrens behalten.

Der Richter sei Barlachs Antrag auf eine Einstweilige Verfügung gegen Unseld-Berkéwicz und ihre beiden Mitgeschäftsführer nicht gefolgt, sagte Gerichtssprecher Ulrich Wimmer. Eine Begründung für die Entscheidung lag zunächst nicht vor.