Die Schriftstellerin Herta Müller auf der Bühne beim Literaturfestival "lit:potsdam" (Foto: Nikolaus Becker, www.bilderundfilme.de)

Neues Literaturfestival zu Ende gegangen - Erste Ausgabe von "lit:potsdam" macht Lust auf mehr

In Potsdam ist am Sonntag das erste eigene Literaturfestival der Landeshauptstadt zu Ende gegangen. Drei Tage lang stand die Stadt bei "lit:potsdam - Literarischer Sommer" ganz im Zeichen der Bücher. Bei dem Festival gab es Lesungen und Gespräche mit Schriftstellern wie Herta Müller, Eugen Ruge und Ingo Schulze.

Ein Novum für Potsdam: Die Landeshauptstadt hat ein eigenes Literaturfestival. Dieses ist am Sonntagabend zu  Ende gegangen. Zu den Veranstaltungsorten zählten unter anderem das Schiff "MS Sanssouci", das Hans-Otto-Theater und das rbb-Studiogelände in Babelsberg. rbb-Intendantin Dagmar Reim war Schirmherrin der Veranstaltung.

Die Idee zum eigenen Literaturfestival kam von Brandenburger Bürgern, die nicht immer nach Berlin fahren wollten, um zu Lesungen zu gehen. Sie taten sich zusammen und gründeten 2012 den Verein lit:pots e.V. Vorstand des Vereins ist Richard Gaul, früher Unternehmenssprecher bei BMW und großer Literaturliebhaber. Mit der Organisation des Festivals beauftragten sie die Berliner literarische Konzeptagentur Graf & Frey, die unter anderem auch die Cicero-Foyergespräche betreut.

Der Auftakt wurde am Freitagabend auf der MS Sanssouci gefeiert - mit einer Lesung von Ingo Schulze und Taiye Selasi. Moderiert wurde die Veranstaltung von rbb-Moderator Jörg Thadeusz. Die in London geborene Autorin Selasi mit nigerianisch-ghanaischen Wurzeln gehört zum internationalen Publikumsmagneten des Festivals, das sich auf zwei Programmschwerpunkte konzentrieren möchte: Zum einen soll die internationale Literaturwelt nach Potsdam kommen, zum anderen Potsdams und Brandenburgs eigene Literatur – aus Gegenwart und Vergangenheit – präsentiert werden.

Jörg Thadeusz, Taiye Selasi und Ingo Schulze beim Literaturfestival "lit:potsdam" (Foto: Nikolaus Becker, www.bilderundfilme.de)
Jörg Thadeusz, Taiye Selasi und Ingo Schulze beim Literaturfestival "lit:potsdam".

Einbeziehung der Kulturlandschaft

Etwas ungünstig war der Zeitpunkt der ersten Potsdamer Literaturtage, denn nur wenige Tage später beginnt das Internationale Literaturfestival (ilb) in Berlin – und auch dort wird ausgerechnet Taiye Selasi Gast der Eröffnungsveranstaltung sein. Für das nächste Jahr möchte man lit:potsdam daher etwas früher im Jahr beginnen, um etwas mehr zeitlichen Abstand zum Internationalen Literaturfestival zu gewinnen. Als Konkurrent des renommierten, seit Jahren gut organisierten Berliner Festivals mit seinen etwa 250 Veranstaltungen versteht man sich aber ohnehin nicht. Das Potsdamer Fest hat eine andere Ausrichtung: zum einen den Regionalbezug - und zum anderen die Einbeziehung der Kulturlandschaft selbst.

Das bedeutet, dass die Literatur ihre angestammten, erwartbaren Räume verlässt und hinausgetragen wird. Nicht nur Schiffe wurden zum Ort für Lesungen, sondern auch Plätze unter freiem Himmel wie die Seebühne an den Theaterterrassen des Hans-Otto-Theaters. Ein Höhepunkt waren die Floßfahrten unter dem Motto "Unsere liebsten Brandenburger", bei denen Brandenburger Bürger Texte von Autoren aus der Region vortrugen: Harald Martenstein las Botho Strauß, Antje Rávic Strubel rezitierte Peter Huchel und Knut Elstermann trug die Buckower Elegien von Bertold Brecht vor.

Lesungen auch beim Rundfunk Berlin-Brandenburg

Am Samstag zog das Festival auf das Babelsberger Gelände des Rundfunks Berlin Brandenburg. Vom rbb, dem Medienpartner des Festivals, traten unter anderem die Intendantin Dagmar Reim und Marc Langenbeck von "Quergelesen" im Kinderprogramm auf. Die Literaturagenten Thomas Böhm und Lydia Herms von Radioeins moderierten Lesungen mit Antje Rávic Strubel und Christine Thalmann von "Bücher und Moor" sprach mit Eugen Ruge über seinen Weg vom Dramatiker zum Prosaautor.

Die Schriftstellerin Herta Müller auf der Bühne beim Literaturfestival "lit:potsdam" (Foto: Nikolaus Becker, www.bilderundfilme.de)
Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.

In die Schiffbauergasse zum Hans-Otto-Theater ging es dann am Sonntag. Draußen stellten sich Verlage, Buchhandlungen und Autoren auf dem Büchermarkt vor, im Theater lasen unter anderem Herta Müller, David Wagner, Julia Schoch und Eva Menasse.

Antje Rávic Strubel, die bei lit:potsdam gleich zwei Mal auftrat, freut sich über das neue Festival. Potsdam sei von der Größe genau richtig für ein Literaturfestival, sagte Strubel im rbb. Denn im Gegensatz zu Berlin "verliert man sich dort nicht so". Und sie muss es wissen: Rávic Strubel wurde 1974 in der Landeshauptstadt geboren, lebt seit einigen Jahren wieder dort und hat letztes Jahr die "Gebrauchsanweisung für Potsdam und Brandenburg" veröffentlicht.

Beitrag von Anne-Dore Krohn, Kulturradio

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