
Streit über Verlegung auf Museumsinsel - Studie zum Umzug der Gemäldegalerie kommt im Sommer
Es sind die umstrittensten drei Kilometer der Berliner Kunstszene: Die Bilder aus der Berliner Gemäldegalerie sollen zur Museumsinsel umziehen, damit ein neues Museum der Moderne entstehen kann. Doch das sorgt für Ärger - der nun durch eine Studie beigelegt werden soll.
Die mit Spannung erwartete Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Berliner Gemäldegalerie soll noch im Sommer der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das bestätigte am Montag eine Sprecherin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Die Studie soll Auskunft geben, ob die wertvolle Sammlung Alter Meister von der Berliner Gemäldegalerie zur Museumsinsel umziehen soll, um Platz für ein geplantes neues Museum der Moderne zu machen. Um diese Pläne hatte es massiven Streit gegeben. Die verantwortliche Preußenstiftung hatte deshalb die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.
Sie sollte zunächst bis zum Frühjahr vorliegen, später wurde sie zur Sitzung des Stiftungsrats im Juni erwartet. Beide Termine wurden verschoben. Deshalb gab es Befürchtungen, der Bericht werde erst zur nächsten turnusmäßigen Sitzung des Stiftungsrats im Winter veröffentlicht.
Die Verantwortlichen sind unter Zeitdruck, weil der Mäzen Heiner Pietzsch die zugesagte Schenkung seiner wertvollen Kunstsammlung von der möglichst raschen Gründung eines Museums der Moderne abhängig macht.
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Herrin der Staatlichen Museen, wirbt seit Monaten für die von ihr geplante Museumsrochade. Stiftungspräsident Hermann Parzinger und seine Mitstreiter wollen die Alten Meister von der Gemäldegalerie am Potsdamer Platz auf die Museumsinsel verlagern, um sie dort gemeinsam mit den Skulpturen im Bode-Museum zu zeigen. In der Gemäldegalerie soll stattdessen ein Museum der Moderne entstehen, das die Kunst des 20. Jahrhunderts aus der Neuen Nationalgalerie mit der als Geschenk angebotenen Sammlung Pietzsch vereint.

Die geplante Rochade sorgt deshalb für besonderes Aufsehen, weil die Gemäldegalerie eine der bedeutendsten Sammlungen der europäischen Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert beherbergt. Meisterwerke aus allen kunsthistorischen Epochen sind hier zu sehen, darunter Gemälde von Dürer, Raffael, Tizian, Caravaggio, Rubens, Rembrandt und Vermeer.
Die Umzugslösung sei die einmalige Chance, den "historischen Sündenfall" der Trennung von Malerei und Skulptur zu revidieren, warb Museen-Generaldirektor Michael Eissenhauer bei einer Tagung. Julien Chapuis, Chef der Skulpturensammlung, verwies darauf, dass der legendäre Museumsgründer Wilhelm von Bode 1904 mit der gemeinsamen Präsentation beider Gattungen weltweit Schule gemacht habe.
Allerdings bzweifeln einige Beobachter daran, dass der dann notwendige Erweiterungsbau für das Bode-Museum in absehbarer Zeit fertig wird.



