Umzug "derzeit finanziell nicht leistbar" - Die "Alten Meister" bleiben am Potsdamer Platz
Der umstrittene Umzug der Berliner Gemäldegalerie vom Potsdamer Platz an die Museumsinsel ist vom Tisch. Zu teuer, lautet die Begründung der verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Stattdessen ist ein Neubau für ein Museum der Moderne geplant.
Die Berliner Gemäldegalerie zieht nicht vom Potsdamer Platz an die Museumsinsel. Die verantwortliche Stiftung Preußischer Kulturbesitz stellte am Mittwoch das mit Spannung erwartete Gutachten zur Neuordnung der Kunstsammlungen vor. Danach würde die Umzugsvariante mindestens 375 Millionen Euro kosten. Das sei "derzeit finanziell nicht leistbar", so die Stiftung in ihrer Stellungnahme. Stattdessen soll für etwa ein Drittel der Summe ein Neubau am Potsdamer Platz für ein Museum der Moderne entstehen. Die Kosten werden auf 130 Millionen veranschlagt.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) begrüßte das Konzept. Der Vorschlag sei eine wichtige Weichenstellung für die Berliner Museumslandschaft und vor allem für die Nationalgalerie, die ihre Werke des 20. Jahrhunderts bisher nicht in angemessener Weise präsentieren könne, so Neumann.
Neue Museum eine "wunderbare Bereicherung"
Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, bezeichnete das geplante neue Museum als "wunderbare Bereicherung" der vorhandenen Häuser. Ein Gebäude für die Kunst des 20. Jahrhunderts sei angemessen, sagte er dem rbb.
Parzinger räumte ein, dass es eine ideale Lösung wäre, die Alten Meister komplett auf der Museumsinsel zu zeigen, aber das wäre fast dreimal so teuer. Ein neues Museum für 130 Millionen Euro sei aber keine "kleine Lösung". Das Grundstück hinter der Nationalgalerie sei außerdem perfekt dafür geeignet.
Ziel ist nun, hinter der Neuen Nationalgalerie an der Sigismundstraße ein zusätzliches Museum zu bauen. Der Stiftungsrat und die parlamentarischen Gremien müssen dem neuen Konzept noch zustimmen.
Heftiger Streit zwischen "Alten Meistern" und der "Moderne"
Hintergrund war eine Diskussion über die Gemäldegalerie im Kulturforum am Potsdamer Platz. Dort sind seit 1998 die "Alten Meister" untergebracht: Werke des 13. Bis 18. Jahrhunderts, unter anderem von Dürer, Caravaggio, Rubens und Rembrandt.
Ursprünglich hatte die Stiftung geplant, die Gemäldegalerie mit ihrer wertvollen Sammlung Alter Meister zu räumen, um dort die Kunst der Moderne unterzubringen. Der Bund hatte bereits im vergangenen Jahr zehn Millionen Euro Zuschuss bereitgestellt. Diese Pläne hatten international einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Eine entsprechende Petition fand innerhalb kurzer Zeit 15.000 Unterstützer. Die Kritiker fürchteten, dass die "Alten Meister" zu lange im Depot verschwinden könnten. In dem neuen Museum sollen auch 150 Bilder vor allem aus der Zeit des Surrealismus untergebracht werden, die die Berliner Kunstliebhaber Ulla und Heiner Pietzsch den Staatlichen Museen geschenkt hatten. Bedingung für die Schenkung war, dass die Werke in einem "Museum der Moderne" gezeigt werden.
Die Stiftung hatte daraufhin eine Studie in Auftrag gegeben, die mehrere Varianten prüfen sollten.



