Ein Mann liest ein Buch in einer Suhrkamp-Filiale im Berliner Stadtteil Mitte (Quelle:dpa)

Langer Streit um Traditionsverlag - Suhrkamp hofft auf Befreiungsschlag durch Insolvenz

Der seit Monaten hart geführte Streit um den Suhrkamp Verlag hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat das Unternehmen Insolvenz angemeldet. Doch dieser Schritt soll den Verlag retten. Hintergrund ist die Dauerfehde der beiden Gesellschafter.

Für den traditionsreichen Suhrkamp-Verlag ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die zuständige Richterin vom Amtsgericht Berlin Charlottenburg bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Die Welt". Demnach läuft das Verfahren bereits seit Dienstag. Als Insolvenzgründe wurden Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung genannt.

Ein neues Gesetz ermöglicht allerdings, dass die Geschäftsführung im Amt bleibt. Der Sprecher des Amtgerichts sagte dem rbb: "Der Unterschied zum bisherigen Insolvenzverfahren besteht darin, dass jetzt kein Insolvenzverwalter von Außen hineinkommt, sondern dass die Geschäftsführung von einem Sachwalter begleitet und überwacht wird."

Als Sachwalter wurde Rolf Rattunde bestellt, der zudem bereits einen Insolvenzplan vorgelegt hat. Mit ihm soll die Zukunft des Unternehmens gesichert werden.

Der Plan sieht die Umwandlung von einer Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft vor. Damit würde der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach seine zahlreichen Sonderrechte verlieren. Nach Angaben von Suhrkamp würde die Rechtsform der Aktiengesellschaft Existenz und Handlungsfähigkeit des Verlags sichern. Der Gesellschafterstreit, der die Insolvenz ausgelöst habe, würde das operative Geschäft dann nicht länger beeinträchtigen können.

Machtkampf zwischen den Gesellschaftern

In dem renommierten Verlag, der Anfang 2010 von Frankfurt nach Berlin umzog, tobt seit Jahren ein Machtkampf zwischen den beiden Gesellschaftern. Suhrkamp-Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz hält über die Familienstiftung 61 Prozent des Verlags, Hans Barlach über seine Medienholding AG 39 Prozent.

Erst im Juli hatte das Landgericht Frankfurt am Main entschieden, dass die Familienstiftung von  Unseld-Berkéwicz ihre eigenen Gewinnforderungen für 2010 und 2011 nicht fällig stellen darf - das heißt zu einem bestimmten Termin offiziell einfordern.

Suhrkamp hatte aufgrund eines Streits unter den Eigentümern Ende Mai ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg beantragt. Danach haben die Beteiligten bis zu drei Monate Zeit, Sanierungsvorschläge zu unterbreiten.

Hintergrund dieses Schrittes war ein Gerichtsurteil, wonach der Verlag 2,2 Millionen Euro als Gewinnausschüttung an den Minderheitsgesellschafter Hans Barlach auszahlen sollte. Mit dem Schutzschirm war diese Auszahlungspflicht zunächst ausgesetzt worden. Barlach hatte zwar vorübergehend auf eine Ausschüttung verzichtet, allerdings nur für eine begrenzte Zeit.

Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwitz (Quelle: dpa)
Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz

Bei Insel nun eine "echte" Insolvenz

Im Streit um den Suhrkamp Verlag hatte im Vormonat bereits der zum Traditionshaus gehörende Insel Verlag Insolvenz angemeldet. Der Schritt sei eine rechtlich zwingende Folge des Antrags, den Suhrkamp Ende Mai gestellt hatte, sagte Verlagssprecherin Tanja Postpischil damals.

Suhrkamp und Insel seien eng verflochten, so dass der Insolvenzantrag in Eigenverwaltung für den Insel Verlag unausweichlich gewesen sei. Das Geschäft des Insel Verlags, in dem die Werke vieler Klassiker sowie von Suhrkamp-Autoren veröffentlicht werden, laufe allerdings normal weiter. Und der Verlag versicherte damals, für Insel sei durch das Verfahren keine Geschäftsgefahr entstanden.

Auch die Mitarbeiter von Suhrkamp reagierten am Mittwoch gelassen. Ebenso hofft der Publizist Michael Naumann, der immer wieder als Vermittler aufgetreten war, auf ein gutes Ende für den Verlag. "Das ist der hoffentlich letzte Schritt, um den ewig langen Konflikt endlich zu bereinigen", so Naumann im rbb.

Chronologie: Der Kampf um den Suhrkamp-Verlag

  • Die Kontrahenten

  • Der Verlag

  • 2002

  • 2003

  • 2006

  • 2009

  • 2010

  • 2011

  • 2012

  • 2013

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