Noch nicht verbaute Stolpersteine in einer Reihe. Quelle: rbb

Gedenken an Nazi-Opfer - Erste "Stolpersteine" für Brandenburg an der Havel

In ganz Europa erinnern die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an das Schicksal von Nazi-Opfern. Nun sind auch in Brandenburg an der Havel die beiden ersten Gedenksteine verlegt worden - zur Erinnerung an den katholischen Pfarrer Bruno Schubert und an den Stadtverordneten Gustav Schernikau.

In Brandenburg an der Havel sind am Donnerstag die ersten "Stolpersteine" zur Erinnerung an Nazi-Opfer verlegt worden. Sie wurden dem katholischen Pfarrer Bruno Schubert und dem Stadtverordneten und Kaufmann Gustav Schernikau gewidmet. Der Kölner Künstler Gunter Demnig, der das bundesweite Projekt Stolpersteine 2007 ins Leben gerufen hatte, verlegte nach Angaben der Stadt die Steine auf den Gehwegen vor den früheren Wohnsitzen von Schubert und Schernikau. Zuvor war mit der Jüdischen Gemeinde, die Gedenktafeln an Gebäuden bevorzugt hatte, ein Konsens erzielt worden.

Der Stolpersteine-Initiator Gunter Demnig (dpa, 25.11.2012)
Der Bildhauer und Künstler Gunter Demnig hat schon über 42.000 Stolpersteine verlegt.

Schubert war während des Hitler-Regimes als Seelsorger im Zuchthaus Brandenburg-Görden tätig. Weil er den Gefangenen angeblich mehr Beistand, Lesestoff und Lebensmittel als erlaubt verschaffte, verhaftete ihn die Gestapo im April 1937. Wenig später wurde er erhängt in seiner Zelle im Polizeigefängnis am Alexanderplatz gefunden. Schernikau, der auch SPD-Politiker war, kam mehrfach in Haft. 1944 soll er im Konzentrationslager Groß-Rosen gestorben sein.

Zwei neue "Stolpersteine" auch in Berlin

Auch in Berlin sollen am Freitag zwei neue Gedenksteine verlegt werden. In der Genthiner Straße im Bezirk Mitte sollen sie an die Widerstandskämpfer Arvid und Mildred Harnack erinnern. Wie die Senatskanzlei am Dienstag mitteilte, wollen dazu auch Angehörige des Ehepaares nach Berlin reisen.

In einer anschließenden Gedenkfeier wollen auch der Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten, André Schmitz, und der US-Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, John B. Emerson, an das Leben der Harnacks erinnern. Die Amerikanerin und ihr Mann waren Mitglieder des kommunistischen Spionagerings "Rote Kapelle". Arvid wurde 1942, Mildred 1943 von den Nazis hingerichtet.

Stolpersteine in Berlin werden gereinigt (Bild:dpa)
Immer wieder kommt es vor, dass Stolpersteine auch beschmiert werden.

Auch in Potsdam, Cottbus, Oranienburg und Eberswalde liegen Gedenksteine

Demnig erstellt die Erinnerungssteine auf Initiative von Institutionen oder Privatpersonen, die auf das Schicksal von Nazi-Opfern aufmerksam machen wollen.

In der Regel werden die Steine vor dem letzten freiwilligen Wohnsitz verlegt. Dabei wird aller Nazi-Opfer gedacht: Ermordeter Juden, Sinti und Roma genauso wie politisch oder religiös verfolgter Menschen, Homosexueller und Euthanasieopfer.

Bisher wurden in mehr als 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas Stolpersteine verlegt. Im Land Brandenburg liegen Steine unter anderem in Potsdam, Cottbus, Eberswalde und Oranienburg. Die Brandenburger Stadtverordneten hatten 2012 beschlossen, das Projekt zu unterstützen.

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