Frontseite der Karl-Marx-Allee (KMA) 38 - 44 (Foto: rbb/Tim von Klitzing)

Die Platte als Denkmal-Star - Jenseits des Guten und Schönen

Ein Wochenende im Jahr gehört den historischen Bauten und Stätten in Deutschland, dann ist wieder Tag des offenen Denkmals. Dieses Mal gibt es breiten Raum für Interpretation: 2013 stehen nämlich die "unbequemen" Denkmale in der ersten Reihe Mittelpunkt. In Berlin gehört dazu die Platte am "zweiten Bauabschnitt Karl-Marx-Allee". Von Tim von Klitzing

Eine Platte, das ist ein geschosshohes, raumbreites und oberflächenfertiges Beton-Element. Das klingt schön hässlich und die meisten Menschen denken bei der Platte an ein scheußliches, unästhetisches Gebäude.

Doch wenn man auf dem breiten Bürgersteig der Karl-Marx-Allee entlang läuft, merkt man bald, dass diese Gebäude anders sind, als die Bilder eines Plattenbaus, die man im Kopf hat. Irma Leinauer hat ihre Doktorarbeit über das Ensemble am zweiten Bauabschnitt zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz geschrieben. Sie erzählt, dass die Bauarbeiten hier 1959 gestartet wurden. "Es war sozusagen in der DDR das erste Gebiet dieser Bauweise, ein Pilotprojekt, denn bis dahin wurden noch nie bis zu zehn Geschosse in der Großplatte gebaut."

Der Teil des Ensembles, der direkt an der Straße liegt, zu dem auch die bekannteren Gebäude wie das Kino International, das Kaffee Moskau oder der Kosmetiksalon Babette gehören, steht bereits seit kurz nach der Wiedervereinigung unter Denkmalschutz. Was aber in diesem Fall nicht bedeutet, dass sie unveränderlich so bleiben müssen, erklärt Leinauer. "Es geht darum, dass es die Möglichkeit gibt, bestimmte bauliche Veränderungen, auch was die Gestaltung anbelangt, im Sinne des kollektiven, geschichtlichen Gedächtnisses weiterzutragen."

Das Wohngebiet erstreckt sich sowohl nördlich, als auch südlich der Karl-Marx-Allee und wurde für 15.000 Leute gebaut.  Bemerkenswert ist beispielsweise die penibel eingehalten Symmetrie der Gebäude links und rechts der Allee. Auf mögliche Südbalkone wurde auf der einen Seite der Straße verzichtet, weil die Gebäude ansonsten nicht symmetrisch zur nördlichen Seite der Allee gewesen wären.

Das Ensemble passt genau zum Thema des diesjährigen Tags des offenen Denkmals, findet Irma Leinauer. Es ist einfach jenseits des Guten und Schönen, wenn ein Plattenbau zum Denkmalbereich gehört. "Ich denke schon, dass es provokativ ist, aber ich denke auch, dass diese subjektiven Kriterien wie Schönheit oder Hässlichkeit nicht ausschlaggebend sind."

Bei der Planung des Wohnungskomplexes wurde nicht nur auf die Symmetrie geachtet. Öffentliche Einrichtungen von stadtteilübergreifender Bedeutung, wie ein Kino, eine Eisbar und Ähnliches fand man auf der Karl-Marx-Allee. Kindergärten, Supermärkte, Arztpraxen, Läden für die Anwohner sind nach hinten versetzt in den Querstraßen angesiedelt.

Beispielhaft für die Veränderung im Ensemble ist unter anderem ein kleiner ehemaliger Kindergarten, der zu einem Meditationszentrum mit idyllischem Garten umgebaut wurde. Und das nicht einmal einen Kilometer vom Alexanderplatz entfernt.

Beitrag von Tim von Klitzing, Inforadio

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