Demonstration von Studenten der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin (Quelle: dpa)

Bund und Stadt unterschreiben Finanzierungsvertrag - Bau für Ernst-Busch-Campus kann beginnen

"Jetzt ist es soweit!", "Alles in Sack und Tüten!", " Endlich durch!" – Mehrfach bereits hatte es seit Herbst solche Schlagzeilen in Verbindung mit dem Bau der neuen Schauspielschule "Ernst Busch" gegeben. Nun die Nachricht: Berlin und der Bund haben den Vertrag für die Finanzierung des Baus unterschrieben. 35 Millionen Euro fließen, die Bauvorbereitungen laufen.

Das Land Berlin und der Bund sind sich einig im Streit um den Bau der Schauspielschule "Ernst Busch" in Berlin-Mitte. Und: Beide haben auch schon die entsprechenden Finanzierungsverträge unterschrieben. Demnach zahlt Berlin knapp 34 Millionen Euro für das Projekt, der Bund gibt 850.000 Euro dazu.

"Mit dem neuen Komplex in dem ehemaligen Werkstattgebäude der Staatsoper Unter den Linden entsteht für die Schauspielschule ein offener Campus in bester Lage", erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann am Mittwoch. Lange hatte das Projekt auf Eis gelegen. Die Gründe dafür waren – natürlich – finanzieller Natur.

Studenten der Hochschule für Schauspielkunst (HfS) "Ernst Busch" halten am Mitwoch (02.05.2012) Workshops auf dem Baustellengelände des geplanten Neubaus ihrer Hochschule in Berlin ab. (Quelle: dpa)
Hochschulstudenten besetzten im vergangenen Jahr das Baugelände und hielten ihre Workshops dort ab.

Debatten um Kosten und Studentenproteste

Die Schauspielschule"Ernst Busch" in Berlin-Schöneweide hatte in den vergangenen Jahren, vor allem aber 2012 für Schlagzeilen gesorgt. Einen neuen zentralen Campus
im Herzen der Stadt sollte die Hochschule bekommen. Mehrere Projekte wurden diskutiert, der Um- und Ausbau der ehemaligen Bühnenwerkstätten an der Chausseestraße in Mitte zu einer Hochschule mit Campus war dann aber sehr schnell das Projekt, von dem alle sehr begeistert waren.

Doch dann mussten die Kosten dafür immer wieder nach oben korrigiert werden. Der Senat wurde schwach und wollte die Hochschule vertrösten, eine Sanierung der alten und zum Teil asbestbelasteten Gebäude wurde diskutiert, andere Standorte kamen ins Gespräch.

Doch die Studenten wollten sich das nicht gefallen lassen und besetzten das Baugrundstück in Mitte. Unterstützung bekamen sie von Theaterintendanten sowie von Schauspielern wie Ulrich Matthes und Nina Hoss. Die Deutsche Filmakademie machte sich ebenfalls für den Neubau stark. Eine Aktion sorgte für besonders viel Aufmerksamkeit: Vor laufender Kamera zur besten Sendezeit in der Talkrunde „Günther Jauch“ verhalf ein Student mit seinen Zwischenrufen dem Thema bundesweit zu Prominenz. Und dann kam Bewegung in die Sache.

Studenten der Hochschule für Schauspielkunst (HfS) "Ernst Busch" halten Workshops auf dem Baustellengelände des geplanten Neubaus ihrer Hochschule in Berlin ab. (Quelle: dpa)
Mit Zelten campierten Studenten auf dem Baugelände.

Der Termin für die Fertigstellung: 2017

Im Dezember des vergangenen Jahres dann beschloss der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses, dass die Vorarbeiten für den neuen Standort der Schule an der Chausseestraße wieder aufgenommen werden können, weil die Stadt die knapp 34 Mio. übernehmen und außerdem vom Bund Gelder fließen. Der Termin für die Fertigstellung: 2017. Der Termin für den Baubeginn: 2014. Der Termin für die Bauvorbereitungen: sofort.

Das heißt natürlich, dass die kämpferischen Aktivisten vorerst weiter in den ausgesprochen maroden DDR-Bauten in Schöneweide ihr Handwerk erlernen müssten und dass erst die jetzt noch nicht immatrikulierten Schauspielschüler von dem Neubau profitieren. Aber jetzt kommt er.

Hochschule für Schauspielkunst, Standort Schnellerstraße in Berlin Schöneweide. (Quelle: dpa)
Abschied vom alten Standort: Die Hochschule für Schauspielkunst in Berlin-Schöneweide

Vermittlungsquote: 100 Prozent

Die Schule hat einen sehr guten Ruf im deutschsprachigen Raum. Von 1000 Kandidaten werden hier alljährlich 24 Nachwuchstheaterstars ausgewählt. Ihre Vermittlungsquote nach dem Abschluss liegt nach Angaben der Hochschule selbst bei 100 Prozent.

Die Geschichte der Einrichtung geht bis ins Jahr 1905 zurück. Damals gründete Max Reinhardt, Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, die erste deutsche Schauspielschule in der Stadt. 1981 wurde dann aus der Staatlichen Schauspielschule der DDR die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.

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