Der britische Sänger Roger Waters, Pink-Floyd-Gründungsmitglied, tritt am 04.09.2013 im Rahmen seiner "The Wall"-Tour im Olympiastadion in Berlin auf (Quelle: dpa)

"The Wall" im Olympiastadion - Pink-Floyd-Gründer Waters reißt unter Getöse die Mauer ein

Zu Donnergrollen und wildem Lichtgeflacker hat Pink-Floyd-Gründer Roger Waters im Olympiastadion am Mittwochabend die Mauer nieder gerissen. 33.000 Zuschauer schauten sich das Rockspektakel des britischen Rocksängers an. Wie in seinen Shows zuvor, ließ Waters wieder sein Schwein mit Davidstern fliegen, das im Vorfeld für viel Aufregung sorgte.

Für einen Abend wurde die Berliner Mauer aufgebaut und zum Schluß unter großem Spektakel wieder nieder gerissen: Vor 33.000 Zuschauern hat der Mitbegründer der britischen Rockband Pink Floyd, Roger Waters, am Mittwochabend mit seiner "The Wall"-Tour im Berliner Olympiastadion Station gemacht.

Zu Donnergrollen und wildem Lichtgeflacker ließ er das Bauwerk auf der Bühne einstürzen und bei den Fans mit "Another Brick In The Wall" bis "Run Like Hell" keine Wünsche offen. Unter großem Jubel wiederholte Waters außerdem seine Unterstützung für die East Side Gallery, gegen deren geplanten Teilabriss er schon am Vortag protestiert hatte.

Explodierende Feuerbälle und Helikopterlärm

Roger Waters setzt für seine "The-Wall"-Tour gut 30 Jahre nach der Entstehung weiter auf theatralische Elemente. Er lässt Feuerbälle explodieren, Helikopterlärm einspielen, Flugzeug- und Sirenenklang. Eine gewaltige Mauer erstreckt sich 150 Meter über die ganze Stadionbreite bis hoch in die Ränge. Die Produktion der Show hatte Millionen gekostet, fährt aber seit nunmehr drei Jahren auch hohe Erträge wieder ein.

Unter den Zuschauern waren auffallend viele, die noch nicht auf der Welt waren, als Waters sein Opus Magnum schrieb.

Kritik von der Jüdischen Gemeinde

In einem Video ließ der Musiker Symbole von Ideologie und Kapital wie Bomben aus Flugzeugschächten fallen. Dazu gehörten Hammer und Sichel, das Dollarzeichen oder der Mercedes-Stern. Auch der David-Stern, das Symbol des Judentums, tauchte auf. Auf keinen Fall, so hieß es zunächst, sollte das fliegende Schwein mit dem Davidstern gezeigt werden. Doch es flog am Mittwochabend doch über die Zuschauer, obwohl es im Vorfeld Proteste und den Vorwurf antisemitischer Tendenzen gab.

Die jüdische Gemeinde von Berlin protestierte gegen die Verwendung des Schweins in der Show. Pressesprecher Ilan Kiesling betonte im rbb online am Mittwoch, Waters' Auftritt und seine Verwendung dieser Symbolik ausgerechnet am Abend des jüdischen Neujahrsfestes Rosh Hashana, habe für Irritationen gesorgt. Rabbiner Daniel Alter, Antisemitismusbeauftragter der Gemeinde, rief sogar zu einem Show-Boykott auf. Das Schwein, das im Judentum nicht koscher ist, wurde bereits im Mittelalter für antijüdische Hetzbilder benutzt.

Die Konzertbesucher allerdings ließ das Schwein "kalt": Es gab keine Protestaktionen oder Buhrufe.

Hintergrund

"The Wall" von Pink Floyd

Es ist ein Drama um Krieg, Angst und Verlassenheit - und vielleicht zieht es deshalb bis heute so viele Menschen in seinen Bann: Die zentralen Themen der Pink-Floyd-Komposition "The Wall" sind noch immer aktuell.

Im Februar 1980 machten sich die britischen Rockmusiker zum ersten Mal auf, um ihr kurz zuvor veröffentlichtes Konzeptalbum live zu spielen.

Kritik vom American Jewish Committee

"Die Benutzung antisemitischer Bilder, noch dazu an einem historisch hoch sensiblen Ort wie dem Olympiastadion, sprengt die künstlerische Freiheit", erklärte die Vorsitzende des Forums, die frühere Berliner Gemeindevorsitzende Lala Süsskind. Dem müsse eine klare Absage erteilt werden.

Kritik kam vor dem Konzert auch vom American Jewish Committee (AJC). Die Organisation forderte den Berliner Senat als Eigentümer des Stadions zu einer Intervention auf. Die Direktorin, Deidre Berger, sagte rbb online, in der Hausordnung des Stadions seien explizit politische Propaganda, rassistische und fremdenfeindliche Parolen verboten. "Wir fordern den Berliner Senat auf, dass er sich zu dieser antisemitischen und israelfeindlichen Stimmungsmache positioniert und die Anwendung der Hausordnung konsequent durchsetzt." Auch der Veranstalter Semmel Concerts stehe in der Pflicht zur Anwendung der Hausordnung, erklärte Berger.

Senat nicht weisungsbefugt

Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport hatte die Aufforderung gegenüber rbb online jedoch zurückgewiesen. Demnach sei nach dem Pacht- und Betreibervertrag zwischen dem Land Berlin und der Olympiastadion Berlin GmbH ausschließlich letztere für die Einhaltung der Hausordnung im Olympiastadion verantwortlich. Der Senat von Berlin sei gegenüber der OStaBG nicht weisungsbefugt.

Der Sprecher teilte weiter mit, die Olympiastadion Berlin GmbH habe der Senatsverwaltung auf Anfrage schriftlich mitgeteilt, dass sie selbstverständlich auf die Einhaltung ihrer Hausordnung achte und die veranstaltende Agentur des heutigen Konzertes auch auf die Einhaltung hingewiesen habe. Die Olympiastadion Berlin GmbH habe jedoch keine Anhaltspunkte dafür gehabt, dass der Veranstalter gegen die Hausordnung im Zusammenhang mit dem heutigen Konzert verstoßen würde.

Proteste auch in Düsseldorf

In Düsseldorf hat die jüdische Gemeinde bereits zum Boykott des Konzertes aufgerufen. Dort wird Waters am Freitag mit seiner Bühnenshow auftreten. Der Verwaltungsdirektor der dortigen jüdischen Gemeinde, Michael Szentei-Heise, nannte Waters einen geistigen Brandstifter, für den es in Düsseldorf kein Forum geben dürfe.

Waters verteidigte auf seiner Facebook-Seite die Abbildung des Davidsterns auf dem Schwein und betonte, dass er auch andere Symbole in dieser Form präsentiere. Er beschrieb seine Show als "antikolonial, pro freiheitlich, pro Dialog, pro Frieden, anti-autoritär und antifaschistisch".

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