Künstler verhüllen East Side Gallery - Kommt eine Mauer vor die Mauer?
Mit zwei Problemen haben die Unterstützer der East Side Gallery zu kämpfen: Zunächst droht dem Denkmal ein Teilabriss, gegen den Künstler am Sonntag mit reichlich Papier demonstrierten. Gegen diese Zerstörung müsse man "bis zur letzten Minute kämpfen", hieß es. Ein andere Gefahr sind Touristen mit ihren Schmierereien. Die Warnung: "Nicht jeder Idiot kann hier seinen Namen verewigen", so Kulturpolitiker Michael Braun.
Künstler haben die berühmte East Side Gallery in Berlin am Sonntag aus Protest verhüllt. Mehrere Hundert Meter des Bauwerks wurden mit weißem Papier überklebt. Weltberühmte Graffitibilder wie der Trabant oder der Sozialistische Bruderkuss zwischen Erich Honecker und Leonid Breschnew waren mehrere Stunden lang nicht mehr zu sehen.
Die Aktion sei ein Protest gegen den drohenden Teilabriss von Mauersteilen für eine Zufahrt für umstrittene Neubauten, sagte der Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery, Kani Alavi. Man müsse "bis zur letzten Minute kämpfen."
"Wir verhüllen die East Side Gallery, weil die Menschen sehen sollen, wie es ist ohne die Mauer, ohne die Bilder, ohne die Erinnerung", erläuterte Alavi. Die Verhüllungsaktion fand nach dem Willen der Künstler am bundesweiten "Tag des offenen Denkmals" statt, bei dem in diesem Jahr "unbequeme" Bauwerke im Fokus standen.
"Menschen sollen sehen, wie es ist ohne die Bilder"
Investoren wollen eine vom Bezirk bereits genehmigte dauerhafte Lücke von 23 Metern in die Mauer reißen, um die Zufahrt zu zwei Gebäuden zu gewährleisten. Nach Protesten schlug Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vor, das Areal für den 63 Meter hohen Wohnturm über das Nachbargrundstück des zweiten Bauherren zu erschließen. Dafür müsste eine bereits vorhandene Lücke auf etwa elf Meter erweitert werden. Die beiden Investoren müssten ihre Bauten dann aber umplanen.
Anfang September wies das Bündnis "East Side Gallery retten" in einem Schreiben an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung darauf hin, dass die beiden geplanten Bauten auf dem Gelände zwischen Mauer und Spree nach dem Berliner Denkmalschutzgesetz nie hätten
genehmigt werden dürfen. Die zwei Gebäude - ein Wohnhochhaus und ein Hotel - versperrten die Sichtachsen entlang der Mauer.
"Nicht jeder Idiot kann hier seinen Namen verewigen"
Unterdessen wird auch weiter darüber nachgedacht, wie die Mauer vor Schmierereien geschützt werden kann. Kulturpolitiker Michael Braun (CDU), hat mehrere Vorschläge für den Senat: "Man könnte Halteverbote aufstellen, damit die Leute nicht im Schutz der Autos ihre Schmierereien begehen. Oder eine kleine Mauer davor einrichten, damit ein gewisser Abstand gewahrt wird."
Mittlerweile sehe es hier einfach "verhunzt". "Nicht jeder Idiot, der hierher kommt, kann auch seinen Namen hier verewigen." Zudem sei die East Side Gallery nicht der Gartenzaun für die Hochhäuser an der Spree.
Erst 2009 musste die East Side Gallery restauriert werden. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls malten daher viele Künstler ihre Bilder einfach noch einmal. Aber auch das hält viele Besucher nicht davon ab, das Denkmal wieder zu beschmieren oder sich sogar Teile rauszubrechen.
"Pink Floyd"-Sänger protestiert an der Mauer
Seit dem Frühjahr gibt es Kritik an dem Teilabriss der East Side Gallery. Es ist das längste erhaltene Stück Mauer, 1990 wurde es mit riesigen Wandbildern bemalt.
Auch Prominente äußerten sich entsetzt über die Abrisspläne. Zuletzt hatte sich "Pink Floyd"-Sänger Roger Waters für den Erhalt des denkmalgeschützten ehemaligen Mauerstücks ausgesprochen.
Im März hatte auch "Baywatch"-Star David Hasselhoff in Berlin gegen die mögliche Zerstörung der Mauersegmente protestiert. Vor Tausenden Fans stimmte er mehrere Male seinen Song "Looking for Freedom" an, den er 1989 an der Mauer gesungen hatte.





