Masterplan vorgestellt - Braunfels will Kulturforum als großen runden Platz gestalten
Seit Jahrzehnten streiten sich in Berlin Stadtplaner, Architekten und Politiker um das Kulturforum - das Gelände, das unter anderem die Philharmonie und die Staatsbibliothek umfasst. Jetzt hat der Architekt Stephan Braunfels seine Vision von der Umgestaltung des zugigen Platzes vorgestellt: Ein großer Kreisverkehr mit neugeführten Straßen und vielen Neubauten soll es werden - und ungefähr eine halbe Milliarde Euro kosten.
Der Architekt Stephan Braunfels hat am Dienstag seine Pläne für eine Neugestaltung des Berliner Kulturforums vorgestellt. Das Gelände von Philharmonie, Kammermusiksaal, Staatsbibliothek, Gemäldegalerie, Kunstgewerbemuseum und Kupferstichkabinett soll demnach nicht nur durch einen Museumsneubau erweitert werden, wie es eine Machbarkeitsstudie der Stiftung Preußischer Kulturbesitzt empfiehlt. Vielmehr will Braunfels einen rondellförmigen Platz mit einer großen Fontäne in der Mitte bauen - zwischen der Philharmonie auf der einen Seite und dem Potsdamer Platz und der Staatsbibliothek auf der anderen. Der neue Platz ist als großer Kreisverkehr konzipiert, der rundum mit Bäumen bepflanzt werden soll.
Braunfels will eine repräsentative Vorfahrt für die Philharmonie und den Kammermusiksaal bauen lassen. Dafür müssen die jeweiligen Eingänge auf der dem Potsdamer Platz zugewandten Seite gebaut werden - auf der anderen Seite der jetzigen Eingänge.
An der Zufahrt von der Bundessstraße 1 aus Richtung Leipziger Straße soll der Platz links und rechts von turmartigen Torbauten eingefasst werden. In einem dieser Gebäude könnte Braunfels zufolge der lang erträumte zusätzliche kleine Kammermusiksaal Platz haben.
Neben der Nationalgalerie soll ein Terrassenbau entstehen, der den Neubau hinter der Nationalgalerie ersetzen soll. Er soll ein zu 80 Prozent unterirdisches Museum beherbergen.

"Mit Mut ist eine Lösung möglich"
Braunfels, der unter anderem die Münchner Pinakothek der Moderne und das zum Bundestag gehörende Paul-Löbe-Haus in Berlin gebaut hat, will mit seinem neuen Entwurf die Diskussion um das Kulturforum neu entfachen. "Mit Mut ist eine Lösung möglich", sagte er bei der Vorstellung seiner Pläne. Die jüngst präsentierte Studie für ein Museum der Moderne neben der Neuen Nationalgalerie sei enttäuschend, weil sie nur ein weiteres Gebäude neben Mies van der Rohes Glasbau vorgeschlagen habe. Nötig seien aber Visionen für die Gesamtgestaltung des Platzes.
Für das gesamte Projekt rechnet Braunfels mit Kosten von etwa einer halben Milliarde Euro. Zur Finanzierung empfiehlt er, Filetgrundstücke an der Tiergartenstraße an Privatinvestoren zu verkaufen.
Braunfels' jetziges Vorhaben beruht auf einem ähnlichen Plan ohne Erweiterungsgebäude. Dieser war vor zehn Jahren beim damaligen Senatsbaudirektor Hans Stimmann auf Zustimmung gestoßen, aber nicht realisiert worden. Die derzeitige Senatsbaudirektorin Regula Lüscher kennt Braunfels' Entwurf, hält aber an ihrem bisherigen Masterplan für das Kulturforum fest. Dieser sieht vor, die schräge Ebene vor dem Kulturforum nutzerfreundlicher zu gestalten: mit Begrünung der Freifläche vor der Gemäldegalerie und Gastronomie.
Mit Informationen von Maria Ossowski




