
Zum Tod von Schauspieler Otto Sander - Trauer um eine "Berliner Institution"
Eine Berliner Schauspiellegende ist tot: Otto Sander starb am Donnerstag im Alter von 72 Jahren. Sander arbeitete unter anderem mit Theaterregisseuren wie Peter Stein und Robert Wilson zusammen - und war in Wim Wenders' "Der Himmel über Berlin" als Engel zu sehen.
Der 1941 in Hannover geborene Sander galt als einer der großen Darsteller des deutschsprachigen Theaters. Mit seiner sonoren Stimme schuf er sich auch einen Ruf als Sprecher. Er arbeitete mit bekannten Regisseuren wie Peter Stein, Robert Wilson und Klaus Michael Grüber zusammen. Sander war seit Langem an Krebs erkrankt.
Für seine Leistungen wurde er unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Darstellerpreis geehrt. Im Jahr 2008 wurde er für sein Lebenswerk mit der Berlinale Kamera ausgezeichnet.
Wowereit: "Einer der ganz großen Schauspieler auf den Bühnen unserer Stadt"
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte Sander als "Berliner Institution". Die Hauptstadt sei für ihn persönlich und künstlerisch zum Lebensmittelpunkt geworden, erklärte Wowereit am Donnerstag in Berlin."Otto Sander ist einer der ganz großen Schauspieler auf den Bühnen unserer Stadt gewesen", fügte der Regierende Bürgermeister hinzu. Große Regisseure hätten mit ihm gearbeitet, sagte Wowereit. Die Theaterstadt Berlin habe "einen großen Mimen, eine große künstlerische Persönlichkeit und eine unvergessliche Sprechstimme" verloren.
Bundespräsident Joachim Gauck schrieb in einem Beileidstelegramm an die Witwe Monika Hansen: "Ich erinnere mich an Otto Sander als einen der glaubwürdigsten und populärsten Schauspieler unserer Zeit. In vielen Rollen im Film, Fernsehen und im Theater hat er uns in seiner wundervollen Art Schwächen und Stärken des Menschen vor Augen geführt - mit großer Intensität und in unverwechselbarer Art und Weise."
Kulturstaatsminister Bernd Neumann betonte, Sander habe vor allem durch sein Engagement an der Berliner Schaubühne "eine herausragende Zeit des Theaters in Deutschland wesentlich mitgeprägt".
"Otto Sander war ein leidenschaftlicher Schauspieler und ein wunderbarer Mensch", erklärte die Schaubühne am Lehniner Platz. "Jeder, der ihn als Alexander Ignatjewitsch Werschinin in "Drei Schwestern", als Fotograf in "Schlusschor" oder als Amphitryon erlebt hat, wird wissen, was er den Zuschauern und uns gegeben hat: wundervolles, großes Theater."
Grünen-Chefin Claudia Roth nannte Sander "einen der größten Schauspieler unseres Landes". Er habe "ein beeindruckendes, Film und Theater in Deutschland prägendes Werk" geschaffen. "Wer ihn erleben und sein Spiel sehen und seine unverwechselbare Stimme hören durfte, wird ihn nie vergessen", sagte die Grünen-Chefin.
rbb-Intendantin Dagmar Reim würdigte den Verstorbenen mit den Worten: "Otto Sander schenkte uns mit seiner unverwechselbaren Stimme und seiner großen Schauspielkunst unvergessene Hör- und Sehmomente. Ob Filme, Hörspiel oder Radiofeature - Otto Sander erreichte und berührte die Menschen wie wenige andere."
Von Hannover nach Peine, von München nach Heidelberg
Sander kam am 30. Juni 1941 in Hannover als Sohn eines Flottilleningenieurs auf die Welt. Mit zwei Brüdern und einer Schwester wuchs er in Peine auf. In München studierte er Theaterwissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte. Gleichzeitig nahm er Schauspielunterricht an der Otto-Falckenberg- Schule. 1966 debütierte Sander an den Kammerspielen Düsseldorf, wo er sein erstes Engagement hatte. 1967 wechselte er ans Theater der Stadt Heidelberg.
1968 holte ihn der Regisseur Claus Peymann an die Freie Volksbühne Berlin. Von 1970 bis 1979 gehörte er dem Ensemble der Berliner Schaubühne an, wo er unter Stein und Peymann zum Bühnen-Star avancierte.
Als Filmschauspieler wurde er vor allem in Wim Wenders' "Der Himmel über Berlin" (1987) auch einem internationalen Publikum bekannt. Sander und Bruno Ganz spielten darin zwei Engel, die als Beobachter und Trostspender der Menschen auf die Erde kommen. 1993 gab es unter dem Titel "In weiter Ferne, so nah!" eine Fortsetzung des Films.
Ben und Meret Becker verlieren ihren Stiefvater
Zuvor hatte er schon in Wolfgang Petersens "Das Boot" (1981) auf sich aufmerksam gemacht.
Im Fernsehen trat Sander unter anderem als Streckenwärter Lansky in der ARD-Krimireihe "Polizeiruf 110" auf - zusammen mit seiner Frau Monika Hansen und seinem Ziehson Ben Becker.
Mit Monika Hansen war Sander seit 1973 zusammen und seit 1985 verheiratet. Sie brachte neben ihrem Sohn Ben auch die Tochter Meret Becker, ebenfalls Schauspielerin mit in die Ehe.



