Die Schrifstellrin Sibylle Lewitscharoff wird mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet (Bild: imago-stock)

Lewitscharoff kritisiert Barlach - Suhrkamp-Autoren rebellieren

Sie sind das Kapital des Suhrkamp-Verlags und melden sich nun zu Wort: Fast 200 renommierte Suhrkamp-Autoren haben dem Miteigentümer Hans Barlach mit ihrem Ausstieg gedroht, sollte er weiterhin "maßgeblichen Einfluss" auf das Haus ausüben. Die Autorin Sybille Lewitscharoff wirft Barlach konkret mangelndes Interesse am Verlag vor und fürchtet um das Haus.

Fast 200 renommierte Suhrkamp-Autoren haben dem Miteigentümer Hans Barlach mit einem Ausstieg aus dem Verlag gedroht, sollte er weiter "maßgeblichen Einfluss" auf das Haus ausüben.

Zu den Unterzeichnern gehört die Autorin Sybille Lewitscharoff.  Sie hält dem Suhrkamp-Miteigentümer Hans Barlach mangelndes Interesse am Verlag vor. Barlach wolle nur alte Bestände vermarkten, sagte sie am Freitag dem rbb: "Herr Barlach hat überhaupt kein Interesse, Bücher zu verlegen." Er interessiere sich nicht für lebende Autoren. "Das ist der Tod des besten Verlages, den Deutschland je hatte."

Lewitscharoff selbst hat kürzlich bei neuen Verträgen mit Suhrkamp darauf bestanden, eine Rücktrittsklausel zu bekommen, wenn sich an dem Verlagsbesitz etwas ändern sollte. Zu Barlach hat sie eine ganz konkrete Meinung: "Ich kenne keinen einzigen Suhrkamp-Autor, der sich den Barlach je gewünscht hätte. Da muss man als Autor schon sehr verrückt sein, um dieses Prozedere zu mögen."

Autoren hoffen auf Lösung durch Insolvenzplan

In ihrem Appell rufen die Schriftsteller die Suhrkamp-Gläubiger auf, den vorliegenden Insolvenzplan zu unterstützen. "Wie betrachten die Intention des nun vorliegenden Insolvenzplans als Chance für den Verlag, sich aus der Drangsal zu befreien und sich endlich wieder ganz der eigentlichen Arbeit zuzuwenden", heißt es in dem Autorenaufruf.

Seit Jahren bekämpfen sich im renommierten Suhrkamp-Verlag Minderheitsgesellschafter Hans Barlach und die Familienstiftung von Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz erbittert. Wegen Verletzung der Treuepflicht wollen sie sich vor Gericht gegenseitig als Gesellschafter ausschließen lassen.

Eine Entscheidung um den wechselseitig beantragten Ausschluss will das Landgericht Frankfurt (Main) am 13. November verkünden. "Das Ergebnis ist für mich völlig offen", sagte der Vorsitzende Richter der 3. Handelskammer, Norbert Höhne, am Mittwoch nach zweistündiger Verhandlung.

Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwitz (Quelle: dpa)
Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwitz (Quelle: dpa)

Keine Annährung in Sicht

Die Handelskammer hatte bei einem ersten Termin im Februar beiden Seiten Zeit gelassen, sich bis zum 25. September außergerichtlich zu einigen. "Es gibt keine Anzeichen, dass die Protagonisten anfangen, Geschmack aneinander zu finden", stellte Höhne am Mittwoch fest.

Die Familienstiftung hält 61 Prozent, Barlachs Medienholding 39 Prozent. Die Verlagschefin hat in Berlin unterdessen in Insolvenzverfahren in die Wege geleitet, um den Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.

Chronologie: Der Kampf um den Suhrkamp-Verlag

  • Die Kontrahenten

  • Der Verlag

  • 2002

  • 2003

  • 2006

  • 2009

  • 2010

  • 2011

  • 2012

  • 2013

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