Straßenlaternen leuchten im Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin. (Bild: dpa)

"Gaslicht auf lange Sicht sogar billiger" - Berliner Gaslaternen landen auf Liste der bedrohten Kulturgüter

Berlin soll in Zukunft in einem anderen Licht erscheinen - zumindest will es so der Senat, der bis 2016 die meisten Gaslampen auf LED-Lampen umrüsten lässt. Dagegen gab es Protest - 20.000 Unterschriften hatte eine Petition gesammelt. Moralische Unterstützung kommt jetzt aus New York: Die Denkmalschutzinitiative World Monuments Watch hat die Gaslampen auf ihre Liste der bedrohten Kulturgüter gesetzt.

Die Denkmalschutzinitative World Monuments Watch hat die Berliner Gaslampen auf ihre Liste der bedrohten Kulturgüter gesetzt. "Es ist das typische Beispiel, dass nur nach den Kosten entschieden wird, ohne den wirtschaftlichen Wert eines Stückes Kulturerbe zu betrachten", sagte Stiftungschefin Bonnie Burnham am Dienstag in New York.

Die Initiative hat in ihrem alle zwei Jahre erscheinenden Bericht 67 neue Stätten in 41  Ländern auf ihre Liste der bedrohten Denkmäler gesetzt. Berlin hat in jüngster Zeit viele historische Gaslampen auf Strombetrieb umgerüstet, um Energiekosten zu sparen.
  
"Die charmanten Aspekte des Lebens spielen einfach keine Rolle, obwohl das Gaslicht auf lange Sicht sogar billiger wäre", sagte Burnham. Laut Erica Avrami, Forschungsdirektorin der Stiftung, gibt es nirgendwo auf der Welt so viele Gaslampen wie in Berlin. "Das hat einen hohen kulturellen Wert, wird von den Berlinern geliebt und hat einen größeren wirtschaftlichen Einfluss als nur für den Tourismus. Denn die Gaslampe ist auf lange Sicht billiger als die LED." Obwohl zehntausende Unterschriften gesammelt worden seien, halte Berlin an der Umstellung fest. "Wir verstehen nicht, warum man ein Stück kulturelles Erbe einfach so aufgibt."

Auf der Liste, die jetzt zum zehnten Mal vorgestellt wurde, sind mittlerweile fast 750 Orte, Gebäude oder Industrieanlagen in 133 Ländern der Erde. "Diese Liste soll ein Weckruf sein", sagte Burnham. "Denn noch immer werden denkmalgeschützte Werte einfach vernachlässigt oder sogar aufgegeben für den schnellen wirtschaftlichen Gewinn."

Petition für die Gaslaternen

Seit Juni 2012 werden die einst 43.500 gasbetriebenen Gasleuchten in Berlin schrittweise ausgetauscht. Sie werden - Straße für Straße - durch Elektrolampen der Marke "Jessica" ersetzt.

Der Senat führte ins Feld, dass der entsprechende Senatsbeschluss schon seit Jahren auf dem Tisch liege und jetzt "nur" umgesetzt werde. Nach Ansicht des Senats ist die Gasbeleuchtung ineffizient: sie produziere zu viel Kohlendioxid und man könne durch den Austausch mit Elektrolampen schon in wenigen Jahren viel Geld sparen.

Gegen die Umrüstung auf konventionelle Beleuchtung hatte sich eine Initiative formiert - unterstützt von Prominenten wie Ilja Richter. Mit einer Petition sammelte sie mehr als 20.000 Unterschriften. Ihre Forderung: das Ende des Gaslicht-Abbaus und ein neues Konzept für die (Gas-)Beleuchtung der Stadt.

Im Januar 2013 wurden die Unterschriften einem Beauftragten des Regierenden Bürgermeisters überreicht. Inzwischen ist auch ein Gutachten zum "Denkmalwert der Berliner Gasleuchten" erstellt worden, das eine Auswahl der noch exisiterenden Gasleuchten unter Denkmalschutz gestellt wissen möchte.