
91.000 Unterschriften gegen Luxusbebauung - Bündnis fordert erneut Schutz der East Side Gallery
Das Bündnis "East Side Gallery retten" hat sich erneut für das verbliebene Teilstück der Berliner Mauer im Stadtteil Friedrichshain stark gemacht. Die geplante Errichtung zweier Neubauten am Spreeufer müsse sofort gestoppt werden, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung.
Das Bündnis "East Side Gallery retten" hat am Tag der Deutschen Einheit erneut den Schutz des weltbekannten bemalten Stücks der Berliner Mauer gefordert. Der Bau der beiden entlang der Galerie entstehenden Neubauten müsse sofort gestoppt werden, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag.
Anfang September hatte das Bündnis den Bezirks- und Senatsbehörden Verstöße gegen das Berliner Denkmalschutzgesetz sowie entlang der Galerie dokumentierte Risse und Bodensetzungen angezeigt. Eine Antwort beziehungsweise eine Stellungnahme der Behörden stehe bislang aus, hieß es nun.
Die Investoren der beiden Neubauten - einem Wohnhochhaus und einem Hotel - wollen eine vom Bezirk bereits genehmigte dauerhafte Lücke von 23 Metern in die Mauer reißen, um die Zufahrt zu den Gebäuden zu gewährleisten. Dagegen hatte es wiederholt Proteste gegeben, denen sich auch der Schauspieler David Hasselhoff und der Pink Floyd-Mitbegründer Roger Waters anschlossen.
Demnächst will das Bündnis dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) über 91.000 Unterschriften übergeben, die es im Internet zum Schutz der East Side Gallery gesammelt hat.
Künstler verhüllten East Side Gallery
Die letzte öffentlichkeitswirksame Protestaktion an der East Side Gallery gab es Anfang September: Künstler hatten die berühmte Mauergalerie aus Protest verhüllt. Mehrere Hundert Meter des Bauwerks wurden mit weißem Papier überklebt. Weltberühmte Graffitibilder wie der Trabant oder der Sozialistische Bruderkuss zwischen Erich Honecker und Leonid Breschnew waren mehrere Stunden lang nicht mehr zu sehen.
Die Aktion sei ein Protest gegen den drohenden Teilabriss von Mauersteilen für eine Zufahrt für umstrittene Neubauten, sagte damals der Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery, Kani Alavi. Man müsse "bis zur letzten Minute kämpfen."
Nach den Protesten gegen die vom Bezirk bereits genehmigte dauerhafte Mauer-Lücke von 23 Metern schlug Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vor, das Areal für den 63 Meter hohen Wohnturm über das Nachbargrundstück des zweiten Bauherren zu erschließen. Dafür müsste eine bereits vorhandene Lücke auf etwa elf Meter erweitert werden. Die beiden Investoren müssten ihre Bauten dann aber umplanen.
Anfang September wies das Bündnis "East Side Gallery retten" in einem Schreiben an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung darauf hin, dass die beiden geplanten Bauten auf dem Gelände zwischen Mauer und Spree nach dem Berliner Denkmalschutzgesetz nie hätten
genehmigt werden dürfen. Die zwei Gebäude - ein Wohnhochhaus und ein Hotel - versperrten die Sichtachsen entlang der Mauer.



