Die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann (r) spricht am 05.11.2013 in Augsburg (Bayern) während einer Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Augsburg zum spektakulären Kunstfund in München (Quelle: dpa)

Spektakulärer Raubkunstfund wird untersucht - Berliner Kunstexpertin identifiziert unbekannte Meisterwerke

In einer Münchner Wohnung sind hunderte als verschollen geltende Werke "entarteter Kunst" aufgetaucht. Die Berliner Kunstexpertin Meike Hoffmann ist mit der Identifizierung der Werke beaufttragt. Sie erklärte, die Bilder seien von  "ganz außerordentlicher Qualität". Vor ihr und ihren Kollegen liegen nun Monate oder gar Jahre, in denen sie klären müssen: Von wem sind die Werke und wem gehören sie.

Die Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann hat unter den jüngst in einer Münchner Wohnung gefundenen und in der Nazizeit verschwundenen Kunstwerken "herausragende Werke der klassischen Moderne" sowie Bilder des 19. Jahrhunderts identifiziert.

Das teilte die Wissenschaftlerin am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Ermittlern und Behörden nach dem spektakulären und erst am Wochenende bekannt gewordenen Kunstfund mit.

Hoffmann gilt als internationale Expertin für die Erforschung von Herkunft und Verbleib der so genannten "entarteten Kunst". Nachdem Ermittler im Jahr 2012 in einer Münchner Wohnung Werke von Künstlern wie Picasso, Klee und Beckmann entdeckt hatten, war Hoffmann mit der Herkunftsforschung beauftragt worden. Die Werke stammen aus Museen und Privatsammlungen und waren zu einem Großteil von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden für eine Propaganda-Schau im Jahr 1937, auf der "entartete Kunst" gezeigt werden sollte.

Die Gouache-Arbeit "Löwenbändiger" von Max Beckmann aus dem Nachlass des legendären jüdischen Kunstsammlers Alfred Flechtheim (Bild: DPA)
Max Beckmanns "Löwenbändiger" war vom Sohn des Kunstsammlers Hildebrand Gurlitt an das das Auktionshaus Lempertz gegeben worden und stammt nach Expertenangaben aus dem Nachlass des jüdischen Kunstsammlers Alfred Flechtheim.

1285 ungerahmte und 121 gerahmte Kunstwerke

Die Wohnung des 79-jährigen Cornelius Gurlitt war nach Angaben der Behörden im vergangenen Jahr durchsucht worden. Der Leiter des Zollfahndungsamts München, Siegfried Klöble, widersprach damit am Dienstag Meldungen, wonach der Fund bereits 2011 stattgefunden habe.

Nach Angaben des Augsburger Oberstaatsanwalts Reinhard Nemetz beschlagnahmten die Behörden dabei 1285 ungerahmte und 121 gerahmte Bilder. Die Kunstwerke seien in sehr gutem Zustand gewesen und fachgerecht gelagert gewesen, sagte Klöble. Die Bilder seien zwar zum Teil verschmutzt gewesen, aber nicht beschädigt.

Nach Darstellung der Forschungsstelle "Entartete Kunst" an der Freien Universität Berlin hatte Hildebrand Gurlitt zusammen mit Ferdinand Möller, Karl Buchholz und Berhanrd A. Böhmer zu den zentralen Figuren des NS-Kunsthandels gehört. Hildebrand Gurlitt verkaufte im Auftrag des Reichspropagandaministeriums die Werke "entarteter Kunst". Der Kunsthändler war nach dem Krieg "entnazifiziert" und rehabilitiert worden und stand offenbar nicht im Verdacht, sich die Werke privat angeeignet zu haben.

Bilder aneinandergestapelt

Kein zweites Lager

Zu den beschlagnahmten Bildern gehören unter anderem Werke von Picasso, Chagall, Marc, Nolde, Spitzweg, Renoir, Macke, Courbet, Beckmann, Matisse, Liebermann und Dix. Einige Bilder seien bisher unbekannt gewesen, sagte die Kunsthistorikerin Hoffmann.

Anders als spekuliert worden war, gehen die Ermittler nicht davon aus, dass Gurlitt noch ein zweites Lager hatte. Das Gemälde "Löwenbändiger" von Max Beckmann sei vor der Durchsuchung versteigert worden. Die Gemälde seien derzeit nicht in einem Depot in Garching bei München gelagert, sondern an einem geheimen Ort untergebracht.

Berliner Museen beurteilen Kunstfund zurückhaltend

Die Berliner Museen halten sich bei der Beurteilung des spektakulären Münchner Kunstfunds betont zurück. Dass es auch um Werke aus ihrem Bestand gehe, sei "theoretisch möglich, wir schließen das nicht aus", sagte eine Sprecherin der auch für die Museen verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Mittwoch.

Über eine Kontaktaufnahme zur Staatsanwaltschaft Augsburg werde die Stiftung "zu gegebener Zeit" entscheiden, hieß es. Grund für Kritik an den bayerischen Behörden wegen der Geheimhaltung der Werkliste sehen die Verantwortlichen in Berlin nicht. "Die Handhabung
liegt in der Verantwortung der ermittelnden Staatsanwaltschaft", so die Sprecherin.