Grüner Trabi in der Ausstellung "Alltag in der DDR" (Foto: Stiftung Haus der Geschichte)
Video: Abendschau | 15.11.2013 | Beitrag von Jochen Kienbaum

Dauerausstellung in Prenzlauer Berg - Berlin besitzt jetzt ein weiteres DDR-Museum

Zwar gibt es bereits in Berlin-Mitte ein privates DDR-Museum, trotzdem öffnete jetzt im Museum in der Kulturbrauerei eine neue Dauerausstellung zum Alltag im ehemaligen Arbeiter-und-Bauern-Staat. Konzipiert wurde sie von der Stiftung Haus der Geschichte, die mehr zeigen will als himmelblaue Trabis und Plastikgeschirr.

Ein neues Museum zum DDR-Alltag hat in Berlin seine Tore geöffnet. Am Freitag wurde es der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Schau im Museum in der Kulturbrauerei zeigt nach Angaben der Stiftung Haus der Geschichte rund 800 Originalobjekte, Dokumente, Film- und Tonaufnahmen sowie biografische Berichte. Ihr Ziel nach Angaben der Stiftung sei es, zur kritischen Auseinandersetzung mit dem DDR-Erbe anzuregen.

"Die neue Ausstellung zeigt, dass der Alltag in der DDR nicht losgelöst von den politischen Bedingungen betrachtet werden kann. Wahlmöglichkeiten und Entscheidungsspielräume stießen in der SED-Diktatur an enge Grenzen", sagt der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, Hans Walter Hütter.

Anspruch und Wirklichkeit

Diesem Spannungsverhältnis zwischen dem politischen Anspruch des SED-Regimes und der Alltagswirklichkeit der Menschen soll die Ausstellung nachgehen. Dafür haben die Macher vier Themenbereiche angelegt. Einer davon beschäftigt sich mit dem Leben im Kollektiv: In der Schule, im Betrieb, im Gewerkschaftsbund oder Ferienlager - das Gefühl von Gemeinsamkeit und Zusammenhalt spielte in der DDR eine große Rolle und war von den Funktionären durchaus gewollt. Sie schufen deshalb vielfältige Freizeit- und Kulturangebote, die gleichzeitig der sozialen Kontrolle dienten.

Um dieser umfassenden Kontrolle zu entgehen, zogen sich viele Ostdeutsche ins Private zurück. Exponate wie der Trabi mit Dachzelt oder die Gartenlaube - die Datsche - werden als Beispiele für diesen Rückzug präsentiert.

Ein weiterer Themenkomplex beschäftigt sich mit den materiellen Lebensbedingungen. Sinnbildlich für die Mangelwirtschaft und den permanenten Engpässen stehen die Auslagen eines Ladens der Handelsorganisation (HO) oder auch selbst geschneiderte Kleidungsstücke von DDR-Bürgern.

"Wer würde eine Ausstellung gleichen Inhalts nicht für überflüssig halten?"

Der Anspruch ist hoch, der Platz knapp: Auf zwei Etagen steht dem Museum eine Fläche von 600 Quadratmetern zur Verfügung. Das Konzept für die Schau wurde auf Grundlage des Gedenkstättenkonzeptes des Bundes von 2008 erarbeitet. Erst im Sommer 2011, sagte der Berliner Museumsleiter Mike Lukatsch, konnte ein langfristiger Mietvertrag abgeschlossen werden, erst dann begann die Arbeit an der Dauerausstellung.

Die Exponate stammen aus der "Sammlung Industrielle Gestaltung", die über 160.000 Produkte aus der DDR umfasst - und seit 2005 für die Öffentlichkeit unzugänglich in einem Depot aufbewahrt wurde.

Rund eine Million Euro hat die neue Dauerausstellung gekostet. Sie tritt in Konkurrenz zu einem anderen Museum: Denn in der Hauptstadt gibt es bereits ein DDR-Museum gegenüber dem Berliner Dom. Das Museum am Spreeufer ist eine private Einrichtung, die bislang rund 2,9 Millionen Besucher verbuchen konnte.

Warum also noch ein DDR-Museum? "Bei uns werden die Objekte in den Zusammenhang gestellt", verteidigt Hütter das neue Museum. "Bei uns gibt es keinen diktaturfreien Raum", ergänzte der Berliner Leiter der Bundesstiftung, Mike Lukasch, bei der Vorstellung der neuen Schau am Freitag. Der Direktor des DDR-Museums am Spreeufer, Robert Rückel, sieht das anders: "Wer würde eine Ausstellung gleichen Inhalts nicht für überflüssig halten", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Rückels Museum fühle sich aber nicht benachteiligt. "Wir wollen und brauchen keine Steuergelder", so Rückel. Das DDR-Museum in Berlin-Mitte verlangt von seinen Besuchern sechs Euro Eintritt. Im Gegensatz dazu ist der Eintritt für die zukünftigen Besucher der neuen DDR-Schau in Prenzlauer Berg frei.

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