Interview mit Zoo-Palast-Chef Hans-Joachim Flebbe - "Ein neuer Kinotyp ist geboren"
Der Zoo-Palast kehrt zurück. Ab dem 28. November hat Berlin sein schönes Traditionskino zurück. Nach zweijähriger Umbau- und Renovierungszeit erstrahlt das Haus in neuem Glanz. Allerneueste Technik wurde eingebaut. Inhaber und Bauherr des neuen, alten Zoo-Palastes ist der Kinounternehmer Hans Joachim Flebbe. Mit ihm sprach Reiner Veit über Popcornkino, Filmkunst und eine neue Kinokultur.
War es Liebe auf den ersten Blick, ihr Engagement für den Zoo-Palast? Oder brauchten Sie eine Weile, bis sie für das Juwel Feuer fingen?
Joachim Flebbe: Ich hatte ja schon Anfang der 1980er Jahre das Vergnügen, den Zoo-Palast zwei Jahre lang zu führen, bevor der Kinobetreiber UCI Kinowelt es übernahm und ein Mietangebot gemacht hatte, bei dem ich nicht mithalten konnte. Aber 2010 ging es ja wieder los, und da habe ich mich in den Zoo-Palast wieder verliebt - und das war in der Tat Liebe auf den ersten Blick.
Hat dieses Wahrzeichen Berlins, weltberühmt geworden auch durch die Berlinale, die im kommenden Jahr dort wieder stattfindet, noch viel mit dem alten Zoo-Palast gemein?
Ja, sogar sehr viel. Das Kino steht ja unter Denkmalschutz und wir haben ja beim Umbau mit der Berliner Architektin Anna Maske darauf geachtet, dass so viel wie möglich vom alten Filmpalast übrig bleibt, denn es gibt viele wunderschöne Details, die man einfach erhalten muss – das ist Zeitgeschichte. Wir haben versucht, den "alten" Zoo-Palast mit modernster Technik auszurüsten und wir haben die Bequemlichkeit, die man heute von Kinos erwartet, integriert. Ich bin jedes Mal begeistert, wenn ich hier herkomme und würde sogar sagen, es ist mit dem neuen Zoo-Palast ein neuer Kinotyp geboren.
Der Zoo-Palast besteht jetzt aus zwei Teilen: Es gibt den alten Teil mit dem Atelier und den Kammerlichtspielen, die wir zu kleinen Bibliotheks-Kinos umgebaut haben, und es gibt einen Neubau-Teil, der durch den Abriss der früheren Schachtel-Kinos entstanden ist. Dort haben wir drei Kinos gebaut, die technisch und von den Sichtverhältnissen her ein Optimum darstellen. Insgesamt verfügt das neue Kino über sieben Leinwände: Die Bibliotheks-Kinos haben 50 Plätze, und der große Saal hat bis zu 850 Plätze.
Sie haben die Kinokultur in diesem Land maßgeblich mitbestimmt, brachten uns aber auch die Multiplex-Kinos, die wiederum brachten Deutschland ein Kino-Sterben. Bereuen Sie das manchmal in stillen Stunden?
Ich bin überhaupt nicht der Ansicht, dass die Multiplex-Kinos die ganzen kleinen Kinos kaputt gemacht haben. Um ein Beispiel zu nennen: Die Kudamm-Kinos Gloria, Gloriette und das alte Astor sind nicht wegen der Multiplex-Kinos gestorben, sondern weil die Mieten im Innenstadtbereich für den Einzelhandel dermaßen in die Höhe getrieben wurden, dass kein Kino das mehr bezahlen kann. Ich finde eher, dass die Multiplexe dazu geführt haben, dass es überhaupt noch Kinos gibt, denn die Besucherzahlen befanden sich vor der Eröffnung des ersten Cinemaxx 1991 im Sturzflug. Wir hatten nur noch knapp 100 Millionen Besucher, zwischendurch hatten wir mal 180, jetzt wieder nur 130 Millionen Besucher.

Was macht Sie so sicher, dass das mit dem Zoo-Palast funktionieren wird, der ja auch in einer ziemlich teuren Gegend liegt und auch sein Geld machen muss?
Ich bin fest davon überzeugt, dass es ein Publikum jenseits der Multiplexe gibt. Wir wollen sozusagen den Kinobesuch entschleunigen, der in Multiplexen immer mit Enge und Drängeleien verbunden ist. Wir haben hier über 100 Mitarbeiter mit Taschenlampe, einen Doorman, eine Garderobe – alles Dinge, wo man beim Astor gemerkt hat, dass es ein Publikum gibt, das wieder ins Kino zurückkehrt, wenn die Begleitumstände stimmen. Und da die Gegend um die Gedächtniskirche im Kommen ist, kann das neue Zoo-Palast-Kino ein sehr attraktiver Anziehungspunkt werden. Der Zoo-Palast ist ja so weit in der Seele der Berliner verwurzelt - es gibt selten ein Kino, wo so viel emotionale Bindung da ist.
Wie zeitgemäß ist Kino eigentlich noch? Die Leute schauen ja mittlerweile Filme auf Smartphones, Tablets oder zuhause auf ihren Monster-Fernsehern.
Seitdem ich Kino mache, gab es immer eine Bedrohung: das Privatfernsehen, das Video, die DVDs und jetzt das Internet. Aber trotzdem ist das Kino ein tolles Gemeinschaftserlebnis ist, und ich finde, dass man auch auf der großen Leinwand mit gutem Ton und der Bequemlichkeit, die wir bieten wollen, den Besuchern zeigen kann, dass es auch etwas anderes gibt, als zuhause auf dem Sofa zu liegen und sich einen Film "reinzuziehen". Ins Kino geht man – wie ins Theater – bewusst, man ist intensiver dabei, und da kann kein Fernseher konkurrieren, sei er auch noch so groß.
Kino heißt heutzutage auch: Popcorn und Cola in Drei-Liter-Eimern. Wird das im Zoo-Palast auch so sein? Es heißt ja, mit den Filmen verdiene man nicht das Geld, sondern mit Popcorn, Cola und Süßkram.
Popcorn wird es geben, aber in maximal anderthalb Liter-Gebinden. Das müssen wir tun, weil Popcorn immer sehr gefragt ist. Aber wir werden keine Nachos verkaufen, weil diese stinkende Käse- oder Ketchup-Soße auf den Sitzen kleben bleibt.

Der Zoo-Palast hatte er wegen des Programms nicht den allerbesten Ruf: Es gab Action-Filme und ziemlich billigen Schrott. Was tun Sie gegen dieses Image?
Wir wollen ein Publikum haben, das schon erwachsen ist. Wir gehen in allem, was wir tun, davon aus, dass wir die 30- bis 40-Jährigen wieder zurückbekommen. Unser Programm-Angebot wird sich zwischen gehobener Filmkunst und Mainstream bewegen.
Der Zoo-Palast will ja Kino und ein bisschen mehr bieten: Was wird dieses Mehr sein?
Für den Zoo-Palast kann schon von zuhause aus im Internet die Karten reservieren und auch kaufen. Es gibt eine Garderobe und einen VIP-Eingang, wenn man in der Loge sitzen will. Auch in den anderen Sälen ist der Reihenabstand mit 1,35 Metern größer als in jedem anderen Multiplex.



