Roberto Yanez, Enkel des einstigen DDR-Staatschefs Erich Honecker, posiert am Rande einer Pressekonferenz in Berlin (Quelle: dpa)

Roberto Yañez nach 23 Jahren wieder in seiner früheren Heimatstadt - Honeckers Enkel zeigt erstmals Ausstellung in Berlin

Er ist der Enkel des früheren DDR-Staatratsvorsitzenden Erich Honecker: Roberto Yañez. Der 1974 in der DDR geborene Künstler hat seit dem Mauerfall keinen Fuß mehr auf deutschen Boden gesetzt, sondern in Chile gelebt. Am 11. November eröffnete Yañez seine erste Ausstellung in Berlin: Er zeigt Gemälde, liest aber auch aus seinen Gedichten vor. 

Honeckers Enkel Roberto Yañez hat am Dienstag seine erste Deutschland-Ausstellung in Berlin eröffnet. Der deutsch-chilenische Maler, Lyriker und Musiker ist dafür das erste Mal seit 1990 wieder in seine frühere Heimatstadt zurückgekehrt. Yañez las bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie Kornfeld auch aus seinem Gedichtband "Frühlingsregen" lesen. Das Buch erscheint im November in Deutschland.

Die Ausstellung ist bis zum 15. Februar 2014 zu sehen. Yañez großformatige Ölgemälde zeigen surreale Bildwelten, die er mit kubistischen Elementen verknüpft. Darunter sind auch alptraumhafte Motive. In seinen Gedichten beschreibt er ein Erwachen, aber ebenso ein Gespenst, einen Engel und Satan, die ihn in ihren Bann ziehen. Das Buch enthält überdies zahlreiche Bilder des Autors. In Chile sind bereits mehrere Gedichtbände von ihm erschienen.

Die Kunst hat ihn gerettet

Yañez, Jahrgang 1974, ist der Sohn von Erich Honeckers Tochter Sonja. Sie hatte in der DDR den Exil-Chilenen Leo Yañez Betancourt geheiratet. Wenige Monate nach dem Mauerfall zog die Familie 1990 in dessen Heimat. Die Ehe wurde später geschieden. 1992 kam Sonjas Mutter Margot Honecker nach. 1993 reiste auch Erich Honecker nach Chile aus. Das deutsche Gerichtsverfahren gegen ihn war wegen seiner schweren Krebserkrankung nicht fortgesetzt worden. 1994 starb er.

In einem langen Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" hat Yañez 2011 beschrieben, wie er als Jugendlicher die Umbrüche erlebte. Er berichtet offen von Alpträumen, Zusammenbrüchen, Depressionen und jahrelangen Therapien. Erst die Kunst und insbesondere der Surrealismus hätten ihn gerettet.

"Die Politik blenden wir aus"

Heute möchte er darüber nicht mehr gern sprechen: Das sei vorbei, sagte er im Gespräch mit dem rbb knapp. Aber es sei sehr schön, die alten Orte wieder zu besuchen: Die Wohnung im zwölften Stock in der Leipziger Straße, wo er mit seiner Familie gelebt habe, das Haus seiner Großeltern in Wandlitz oder das Jagdschloss Hubertusstock am Werbellinsee, das der DDR-Führung als Gästehaus diente.

Mit dem Großvater ging er tauchen und fischen, sammelte Pilze und spielte Schach. Politisch ist er nicht einverstanden mit ihm – genauso wenig wie mit seiner Großmutter, die heute noch in Santiago lebt. Dennoch hat er mit ihr ein sehr enges Verhältnis: "Wir blenden die Politik aus, und dann haben wir ein ganz normales Familienleben."

Yañez' Gemälde zeigen oft Landschaften. Diese faszinierten ihn besonders, erklärt er. Außerdem liest Yañez aus seinen Gedichten - drei Bände hat er in Chile bereits veröffentlicht.

Die Ausstellung in der Galerie Kornfeld an der Fasanenstraße 26 ist dienstags bis samstags von 8 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.