
Wiedereröffnung nach zwei Jahren Umbau - Schauhaus des Westens
Der Zoo-Palast hat eine große Vergangenheit: Seit seiner Eröffnung in den fünfziger Jahren fanden hier große Premieren statt, er war das Herz der Berlinale und für viele Berliner das Kino ihrer Kindheit. Ende 2010 aber liefen hier die letzten Filme - mehr als zwei Jahre lang wurde das Haus danach umgebaut. Am Mittwoch wird der Zoo-Palast mit einer Gala wiedereröffnet. Von Anna Pataczek
Noch riecht es hier nicht nach Popcorn. Sondern nach trockenem Staub, geschnittenem Holz und frischer Wandfarbe. Im Foyer herrscht ein Kommen und Gehen von Malern, Elektrikern, Tischlern, Tontechnikern. Vier Männer hieven schwere Kühlschränke in die zukünftige Bar des Kinos. Ein anderer schneidet den goldenen Samt für die Wandbespannung eines Kino-Saals zurecht.
"Also das Schlimmste, was hier noch ist, ist der Dreck", sagt Hans-Joachim Flebbe. Er ist der neue Betreiber des Kinos. Vor seinem geistigen Auge sieht er es unter dem Dreck aber schon richtig funkeln. Das traditionsreiche Filmtheater, erbaut 1957 nach Plänen des Architekten Gerhard Fritsche, wurde nach Denkmalschutzrichtlinien saniert.
"Alles wurde in Stücken rausgeholt und eingelagert, wie beim Museum. Hier im Foyer, der Fußboden, das kann man so ein bisschen erahnen, das ist Linoleum - das ist genau, wie es früher gewesen ist. Und auch hier diese Spiegelwand und der Kassenraum, man sieht ja die Gold-Geschichten da vorne, das Wellblech, ist alles wie früher", sagt Flebbe.
Denkmalschutz mit 80 Boxen
Viele historische Details wurden nicht nur erhalten sondern auch wiederbelebt. Die Bar bekommt die original rote Wandfarbe wieder, Nischen sollen wieder mit Blumenbouquets bestückt werden. Hinter aller Nostalgie steckt jedoch modernste Technik. Das komplette Untergeschoss wurde für eine Lüftungsanlage ausgehoben. Im Herzstück des Filmpalasts, dem großen Saal, stehen drei Tontechniker, vor sich haben sie Mikrofone und Laptops aufgebaut. Sie richten die fast 80 Lautsprecher im Saal ein. "Ziel ist es, dass es der bestklingende Saal in Berlin wird", sagt einer der Techniker.
"Dolby Atmos" heißt das Sound-System, es soll an jedem Sitzplatz den gleichen, plastischen Klang erzeugen, so als würde der Wassertropfen, der im Film vom Himmel tropft, genau auf dem Kopf des Zuschauers landen. Quasi 3-D für die Ohren.
"Es gibt in Berlin Säle, die die gleiche Technik benutzen. Es gibt aber keinen Saal, wo die Lautsprecher extra für den Raum hergestellt wurden", sagt ein Tontechniker. Der Raum habe denkmalgerecht saniert werden müssen. "Es musste also in der Geometrie alles bestehen bleiben. Und Akustiker haben genau berechnet, wie die Wandpaneele bestimmt sein muss, wo die Lautsprecher hin müssen. Insofern ist der Raum sicher nicht einfach, aber extrem gut optimiert, für das, was wir hier vorhaben."

Zoo-Palast soll wieder Spielstätte der Berlinale werden
Und für das, was Kinobetreiber Hans-Joachim Flebbe vorhat: Der Zoo-Palast soll wieder eine Spielstätte der Berlinale werden. Früher war er der Hauptaustragungsort, schon im ersten Jahr fanden hier die Internationalen Filmfestspiele statt. Auch große Premieren sollen hier wieder gefeiert werden. Mit rotem Teppich und Star-Aufgebot. Die große Bühne vor der Leinwand wurde deshalb beibehalten.
"Also wirklich alles, was Rang und Namen hatte, war hier auf dieser Bühne. 1957 hat Liselotte Pulver das Kino eröffnet, danach Sophia Loren, Gina Lollobrigida, Claudia Cardinale", sagt Flebbe.
1200 Menschen hatten damals im Großen Saal Platz, jetzt sind es 350 weniger - für mehr Komfort. Hans-Joachim Flebbe lässt sich in einen der schweren Ledersessel fallen, die Armlehnen sind doppelt so breit wie üblich, er streckt die Beine aus, die Rückenlehne biegt sich nach hinten. Etwas Schweiß steht ihm auf der Stirn, noch zwei Wochen sind es bis zur Eröffnung, es sind stressige Zeiten.
Für den Unternehmer Flebbe ist es nicht der erste Umbau eines historischen Filmtheaters. Auch die Astor Filmlounge am Kurfürstendamm hat er zu einem Wohlfühl-Kino umgebaut. Im Zoo-Palast geht es noch ein bisschen weiter. "In einigen Kinos haben wir in den ersten Reihen Sofas. Da liegen Sie wirklich wie zu Hause auf dem Sofa. Da liegt man dann auch voll im Bild drin. Die erste Reihe wird die beliebteste, das hat man sonst nie im Kino", sagt Flebbe.
Eher Filmtheater als Multiplex-Kino
Überhaupt soll man sich im Zoo-Palast nicht wie in einem Multiplex-Kino fühlen, sondern lieber wie in einem Theater. Für zwei bis drei Euro mehr kann man sich ein Ticket für eine Loge kaufen und kommt durch einen VIP-Eingang ins Kino hinein. Es wird ein Begrüßungsdrink gereicht und den Mantel kann man kostenlos an der Garderobe abgeben.
Hans-Joachim Flebbe will in den Vorführraum, er geht ein paar Stufen hinauf im Treppenhaus, kurz führt der Weg auf einen kleinen Balkon, er steht im Freien. "Lieblingsplatz der Vorführer. Hier haben sie früher ihre Liegestühle im Sommer aufgestellt und auf den Zoo gekuckt", sagt Flebbe.
Der Kinobetreiber schaut auf eine Gruppe Flamingos im Zoo gegenüber, sie leuchten im Novembergrau. Dann geht es wieder hinein in die Wundermaschine Filmtheater - und ins Dunkel: Faustdicke Kabelbündel führen in den schwarz gestrichenen Vorführraum, drei Projektoren stehen nebeneinander.
"Besonders ist, dass wir hier 70 Millimeter, 35 Millimeter und digital in einem Raum haben und alle einsatzfähig sind. Das sind auch noch die beiden Projektionen, die früher hier drin standen," sagt Haustechniker Robert Zimmermann. Heute bekommen Kinos neue Filme als digitale Kopie. 35 Millimeter waren früher das gängige Format. 70 Millimeter sind Breitfilme aus längst vergangener Zeit, aber auch sie sollen hier im Zoo-Palast laufen - für Liebhaber.
Fortführen einer Kinotradition
Im Zoo-Palast wird das Kino-Erbe bewahrt. Wie ganz früher: Schon in den Fünfziger Jahren führte das Haus eine Kinotradition fort. An seiner Stelle hatte bereits ein Kino aus den zwanziger Jahren gestanden, im Zweiten Weltkrieg war es zerstört worden. Der Zoo-Palast und der dazugehörige Komplex des Bikini-Hauses wurden zum Symbol des Aufschwungs. Jetzt, fast sechzig Jahre später, könnte das Areal für die Wiederbelebung der City-West stehen. Auch das Bikini-Haus, ein Büro- und Geschäftsgebäude gleich nebenan, wird gerade saniert.
Das Kino eröffnet zuerst. Am 27. November, mit einer Gala und 800 Gästen. Und am nächsten Tag schnurren schon die Projektoren für den ganz normalen Kinobetrieb.




