
Zoo Palast feiert Wiedereröffnung - Schauhaus des Westens
Berlins Traditionskino präsentiert sich nach langer Bauzeit in neuem Glanz: Der Zoo Palast wurde am Mittwochabend wiedereröffnet, auf dem roten Teppich drängten sich jede Menge Stars. Die eigentliche Attraktion aber ist das legendäre Haus - und die ganz neue Kino-Technik.Von Anna Pataczek
Berlin bekommt nach fast drei Jahren Sanierung seinen legendären Kinopalast zurück. Bis zuletzt roch es mehr nach Farbe als nach Popcorn: Maler, Elektriker, Tischler und Tontechniker mussten noch Hand anlegen, bevor am Mittwochabend vor dem Traditionshaus unter den Berliner Kinos der rote Teppich für 800 geladene Gäste ausgerollt werden konnte.
Auf dem Teppich zeigten sich dann Stars wie die Schauspielerinnen Liselotte Pulver, Maria Schrader, Alexandra Neldel und Jenny Elvers, Berlinale-Chef Dieter Kosslick sowie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).
Der große Saal sollte sich prächtig anfühlen, ganz behutsam wurde renoviert und wieder hergestellt. "Alles wurde in Stücken rausgeholt und eingelagert, wie beim Museum. Hier im Foyer, der Fußboden, das kann man so ein bisschen erahnen, das ist Linoleum - das ist genau, wie es früher gewesen ist. Und auch hier diese Spiegelwand und der Kassenraum, man sieht ja die Gold-Geschichten da vorne, das Wellblech, ist alles wie früher", sagt Hans-Joachim Flebbe, der neue Betreiber.
Denkmalschutz mit 80 Boxen
Viele historische Details wurden nicht nur erhalten, sondern auch wiederbelebt. Die Bar bekam die original rote Wandfarbe wieder, Nischen wurden wieder mit Blumenbouquets bestückt. Hinter aller Nostalgie steckt jedoch modernste Technik. Das komplette Untergeschoss wurde für eine Lüftungsanlage ausgehoben. Im Herzstück des Filmpalasts, dem großen Saal, habenTontechniker die fast 80 Lautsprecher im Saal eingerichtet. "Ziel ist es, dass es der bestklingende Saal in Berlin wird", sagt einer von ihnen.
"Dolby Atmos" heißt das Sound-System, es soll an jedem Sitzplatz den gleichen, plastischen Klang erzeugen, so als würde der Wassertropfen, der im Film vom Himmel tropft, genau auf dem Kopf des Zuschauers landen. Quasi 3-D für die Ohren.
Von der "Klappstulle" zu Europas größtem Filmtheater
Nur das Beste für das, was Kinobetreiber Hans-Joachim Flebbe vorhat: Der Zoo Palast soll wieder eine Spielstätte der Berlinale werden. Früher war er der Hauptaustragungsort, schon im ersten Jahr fanden hier die Internationalen Filmfestspiele statt. Auch große Premieren sollen hier wieder gefeiert werden. Mit rotem Teppich und Star-Aufgebot. Die große Bühne vor der Leinwand wurde deshalb beibehalten. "Also wirklich alles, was Rang und Namen hatte, war hier auf dieser Bühne. 1957 hat Liselotte Pulver das Kino eröffnet, danach Sophia Loren, Gina Lollobrigida, Claudia Cardinale", so Flebbe. Der Besuch im Zoo Palast wurde regelrecht zelebriert. Für den Kinobesuch hat man sich chic gemacht, erzählen die Berliner. Ab den 1970er Jahren wurde das Haus erweitert. Aus der einstigen "Klappstulle" wurde das größte Filmtheater Europas.
1.200 Menschen hatten damals im Großen Saal Platz, jetzt sind es 350 weniger - für mehr Komfort. Auch die Astor Filmlounge am Kurfürstendamm hat er zu einem Wohlfühl-Kino umgebaut. Im Zoo Palast geht es noch ein bisschen weiter. "In einigen Kinos haben wir in den ersten Reihen Sofas. Da liegen Sie wirklich wie zu Hause auf dem Sofa. Da liegt man dann auch voll im Bild drin. Die erste Reihe wird die beliebteste, das hat man sonst nie im Kino", sagt Flebbe.
Eher Filmtheater als Multiplex-Kino
Überhaupt soll man sich im Zoo Palast nicht wie in einem Multiplex-Kino fühlen, sondern lieber wie in einem Theater. Für zwei bis drei Euro mehr kann man sich ein Ticket für eine Loge kaufen und kommt durch einen VIP-Eingang ins Kino hinein. Es wird ein Begrüßungsdrink gereicht und den Mantel kann man kostenlos an der Garderobe abgeben.
Eine Gruppe Flamingos im Zoo gegenüber leuchtet im Novembergrau. Dann geht es wieder hinein in die Wundermaschine Filmtheater - und ins Dunkel: Faustdicke Kabelbündel führen in den schwarz gestrichenen Vorführraum, drei Projektoren stehen nebeneinander.
"Besonders ist, dass wir hier 70 Millimeter, 35 Millimeter und digital in einem Raum haben und alle einsatzfähig sind. Das sind auch noch die beiden Projektionen, die früher hier drin standen," meint Haustechniker Robert Zimmermann. Heute bekommen Kinos neue Filme als digitale Kopie. 35 Millimeter waren früher das gängige Format. 70 Millimeter sind Breitfilme aus längst vergangener Zeit, aber auch sie sollen hier im Zoo Palast laufen - für Liebhaber.
Fortführen einer Kinotradition
Im Zoo Palast wird das Kino-Erbe bewahrt. Wie ganz früher: Schon in den Fünfziger Jahren führte das Haus eine Kinotradition fort. An seiner Stelle hatte bereits ein Kino aus den zwanziger Jahren gestanden, im Zweiten Weltkrieg war es zerstört worden. Der Zoo Palast und der dazugehörige Komplex des Bikini-Hauses wurden zum Symbol des Aufschwungs. Jetzt, fast sechzig Jahre später, könnte das Areal für die Wiederbelebung der City-West stehen. Auch das Bikini-Haus, ein Büro- und Geschäftsgebäude gleich nebenan, wird gerade saniert.
Das Kino eröffnet zuerst, wenn die Gala mit 800 Gästen am MIttwochabend über die Bühne geht. Und am nächsten Tag schnurren schon die Projektoren für den ganz normalen Kinobetrieb.



