
Des einen Freud ... - Yaam bezieht Magdalena-Gelände
Der Reggae- und Jugendclub Yaam hat ein neues Grundstück: Der Vermögensausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus machte am Mittwoch den Weg frei. Problem ist nur: Das neue Gelände ist der heutige Standort des Technoclubs Magdalena. Dessen Betreiber sind besorgt. Sie verhandeln gerade mit der BEHALA über ein neues Grundstück im Bezirk. Marco Archidiacono von der Magdalena sagte rbb online, er fürchte, dass der Club eine Zeit lang schließen müsse. Von Bettina Rehmann
Das Yaam kann weiter planen: Der Vermögensausschuss im Abgeordnetenhaus hat am Mittwoch der Rückübertragung des Grundstücks an der Schillingbrücke an den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zugestimmt.
Die Rückübertragung vom Liegenschaftsfonds an den Bezirk war Bedingung dafür, dass das Gelände vom Yaam bezogen werden kann. Der Reggae-Club musste seinen alten Standort am Stralauer Platz verlassen, da der Eigentümer, ein spanischer Investor das Gelände weiterverkaufen will – ohne das Yaam.
"Damit kann das Yaam den Umzug an seinen zukünftigen Standort vorbereiten", teilte der Chef der Senatskanzlei, Staatssekretär Björn Böhning in einer Pressemeldung mit: "Das Yaam kann bleiben – das ist eine sehr gute Nachricht für Berlin", so Böhning weiter. Ein wichtiges Element der Berliner Clubkultur hat nun Planungssicherheit."
Das Magdalena-Grundstück sollte ursprünglich von der landeseigenen Liegenschaftsfonds-Gesellschaft verkauft werden, das Vorhaben war aber verschoben worden. Diese Lösung für das Yaam auf der einen Seite bedeutet auf der anderen das Aus für den Technoclub Magdalena an seinem jetzigen Standort.

"Das Yaam hat eine Zukunft!"
Die Betreiber des "Young African Art Market" zeigten sich in einer Pressemitteilung erfreut über die Entscheidung: "Das Yaam hat eine Zukunft". Mit der Magdalena sei man im Gespräch und hoffe auch für den Club auf eine Lösung.
Yaam-Vorstand Ortwin Rau sagte: „Wir freuen uns sehr, dass in einem gemeinsamen Kraftakt die Zukunft des Yaam gesichert werden konnte." Das Yaam sehe die Unterstützung aus der Politik als Vertrauensbeweis und "Verpflichtung für die Zukunft". Jan Lerch, Vorstand des Yaam, betonte: „Es ist ein ermutigendes Signal der Politik in dieser Stadt, dass gerade auch im Spreeraum Grundstücke nicht nur an millionenschwere Investoren vergeben werden. Wir werden versuchen, durch eine noch bessere Arbeit dies Vertrauen zu rechtfertigen."

Magdalena-Betreiber: "Wir können uns keinen Stillstand leisten"
Laut Jan Lerch wünsche man sich jetzt auch für die Magdalena eine Lösung, "dann wäre das Yaam nicht nur ein Einzelfall, sondern dann würde das Schlagwort 'neue Liegenschaftspolitik' tatsächlich mit Leben gefüllt und erkennbar, dass es dem Land Berlin ernst ist, mit dem Erhalt der Clubkultur."
Auch Marco Archidiacono von der Magdalena hofft, dass diese Entscheidung der Berliner Politik "keine Eintagsfliege" ist. rbb online sagte Archidiacono, er hoffe, Berlin entscheide sich, die Kultur in der Stadt zu erhalten.
Die Magdalena steht mit der Berliner Hafen- und Lagerhaus GmbH, BEHALA, in Verhandlungen über ein Objekt in Friedrichshain-Kreuzberg. Welches das sei, darüber könne er keine Auskunft geben, so Archidiacono. "Die Verhandlungen sehen gut aus, beide Seiten wollen". Doch das Problem sei die Zeit: "Wir können uns keinen ewigen Stillstand leisten. Wir stehen auch in der Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern." Etwa 60 Mitarbeiter seien direkt betroffen, darunter die Resident-DJs, Barkräfte, Putzleute und Manager - ganz zu schweigen von vielen indirekt Beschäftigten. Archidiacono rechnet damit, dass der Club einige Wochen schließen muss, bevor es am neuen Standort weitergehen kann.
Club Commission vermittelt
Yaam und Magdalena wollen den Übergang gemeinsam angehen: Beim Yaam sei man bereit, dem Clubbetrieb der Magdalena noch einige Monate Verlängerung zu gewähren, sagte Archidiacono. Das Yaam wolle am 1.Mai 2014 am neuen Standort eröffnen. Das würde den Betreibern der Magdalena Zeit für den Rückbau an der Schillingbrücke und Neuaufbau des Clubs am neuen Standort geben.
Doch so einfach ist das nicht: der Eigentümer des Yaam-Grundstücks müsste für eine Verlängerung auch mitspielen. Und das Yaam müsste der Magdalena für die Übergangszeit einen Untermietvertrag ausstellen. Die Club Commission ist daher als neutraler Vermittler zwischen Eigentümern und Betreibern eingeschaltet.
Die Maria am Ostbahnhof gab es bereits seit 2002. Kurzzeitig wurde der Club auch als ADS (An der Schillingbrücke) betrieben, seit zwei Jahren wird in der Magdalena gefeiert. Der Club ist eine feste Größe im Berliner Clubbetrieb. Die Betreiber befürchten, dass die Berliner Clubs mehr und mehr aus den Innenstadtbereichen verdrängt werden.

