Ein kleines Mädchen lernt Geige zu spielen (Quelle: dpa)

Lange Wartelisten an den Musikschulen - Berlin will mehr Musiklehrer fest anstellen

Auf einen Platz an einer Berliner Musikschule müssen Eltern derzeit lange warten: Fast 9.000 Interessenten stehen auf der berlinweiten Warteliste. In den kommenden beiden Jahren sollen die zwölf Schulen pro Jahr 2,5 Millionen Euro zusätzlich bekommen. Damit will die Bildungsverwaltung wieder mehr Musiklehrer fest anstellen. Offen ist, ob das reicht, um die Warteliste abzubauen. Von Ute Schuhmacher

Die Musikschulen in Berlin bekommen in diesem und im kommenden Jahr 2,5 Millionen Euro zusätzlich. Einen großen Teil diese Geldes will die Bildungsverwaltung dafür verwenden, um wieder mehr Musikschullehrer festanzustellen, erklärte Berlins Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) gegenüber dem rbb. Berlin sei Spitzenreiter bei der Anzahl der Honorarkräfte an Musikschulen. "Das wollen wir jetzt vorsichtig umsteuern, indem wir den Bezirken anbieten, mehr Musiklehrer fest anzustellen", so Rackles.

Man wolle wieder in Richtung 20 Prozent festangestellte Lehrer pro Schule gehen. Dieser Plan muss allerdings noch mit den Bezirken besprochen werden. Rackles ist aber zuversichtlich, dass diese einverstanden sein werden.

Berlin hat zwölf Musikschulen mit insgesamt 52.000 Schülern. Der Andrang ist aber noch größer: Laut einer Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung sind knapp 8.900 Interessenten auf einer Warteliste für Musikunterricht (Stand: 2012). Die Verteilung auf die Bezirke fällt dabei sehr unterschiedlich aus. Pankow ist mit über 3.000 Wartenden Spitzenreiter. Treptow-Köpenick dagagen ist absolutes Schlusslicht.

Bezirk Anzahl der wartenden Musikschüler (in Prozent)
Pankow 3.123 (35 %)
Friedrichshain-Kreuzberg 1.848 (20,8 %)
Mitte 1.200 (13,5 %)
Charlottenburg-Wilmersdorf 637 (7,2 %)
Spandau 560 (6,3 %)
Lichtenberg 516 (5,8 %)
Neukölln 505 (5,7 %)
Reinickendorf 287 (3,2 %)
Steglitz-Zehlendorf 106 (1,2 %)
Tempelhof-Schöneberg 80 (0,9 %)
Marzahn-Hellersdorf 5 (0,06%)
Treptow-Köpenick 0

Quelle: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft (Stand: 2012)

Ein kleines Kind steht an einem Klavier (Bild: dpa)
Früh übt sich, doch an Berlins Musikschulen ist es eng.

Linke: Geld reicht nicht für die Warteliste

Trotz der zusätzlichen Gelder glaubt die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Regina Kittler, allerdings nicht, dass alle 8.900 Wartenden ab nächstem Jahr unterrichtet werden können. Dafür reichen die 2,5 Millionen mehr ihrer Rechnung nach nicht. In Friedrichshain-Kreuberg koste ein Musikschüler im Durchschnitt 950 Euro im Jahr, so Kittler. "Wenn wir mal von der Warteliste ausgehen, die wir derzeit haben, dann würden wir eine Summe zwischen 9,5 und 10 Millionen Euro brauchen, um diese Warteliste abzubauen." Das wäre also etwa vier Mal so viel Geld, wie vorgesehen.

Staatssekretär Rackles bleibt trotzdem ganz gelassen. So sei gar nicht klar, ob die Wartelisten laufend aktualisiert werden. "Deswegen würde ich die Wartelisten nicht als das entscheidende Kriterium nehmen, sondern die Qualität der Arbeit und das flächendeckende Angebot."

Gerechter soll es nach seinem Willen werden: Alle Bezirke sollen zukünftig möglichst gleich viel Unterricht pro tausend Einwohner anbieten können. Profitieren werden voraussichtlich vor allem Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Spandau, Treptow-Köpenick und Reinickendorf. Das muss im Januar aber noch mit den Bezirken besprochen werden.

Beitrag von Ute Schuhmacher