Dokumentarfilm "Land in Sicht" -
Wenn Welten aufeinander treffen
Wie soll man als Flüchtling ohne gesicherten Aufenthalt ein neues Leben in Deutschland beginnen? Welche Hindernisse und Zweifel lauern auf dem Weg? Antje Kruska und Judith Keil gehen diesen Fragen in ihrem Dokumentarfilm "Land in Sicht" nach, der vom rbb mit produziert wurde. Über Idee und Entstehung sprachen die Filmemacherinnen mit rbb online.
Trailer
Filmstart - "Land in Sicht"
Der Film über die Geschichte der drei Flüchtlige wird ab Donnerstag im Kino in den Hackeschen Höfen in Berlin gezeigt.
Farid Sahimi aus dem Iran, Brian Ngopan aus Kamerun und Abdul Nasser Jarada aus dem Jemen. Gelandet in Brandenburg, genauer: in Bad Belzig im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Alle drei hoffen auf die Chance, in Deutschland ein neues Leben beginnen zu können. Die Aussicht darauf ist ungewiss, denn ihr Aufenthaltsstatus ist nicht gesichert. Trotzdem gehen sie schon mal los und suchen dieses neue Leben - tatkräftig unterstützt von der Sozialarbeiterin Rose Dittfurth.
Begleitet werden sie dabei von der Kamera: Antje Kruska und Judith Keil erzählen die Geschichte der drei Flüchtlinge in ihrem Dokumentarfilm "Land in Sicht“, der vom rbb mit produziert wurde. Die beiden Filmemacherinnen drehten ein Jahr lang in Bad Belzig, Werder und Berlin, filmten ihre Protagonisten auf ihrer Suche nach dem Eingang in die deutsche Gesellschaft.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Film zu machen?
Keil: Wir hatten bereits einen 15-minütigen Film im Rahmen des rbb-Projekts "20x Brandenburg" gemacht, und uns dafür ein Asylbewerberheim ausgesucht. Mit dieser Thematik ist man ja in den Medien viel konfrontiert, die Orte sucht man für gewöhnlich aber nicht auf - zumal die in Brandenburg oft auch sehr abgeschieden sind. Das war dann auch genau so ein Heim, ein alter Plattenbau in Garzau. Entstanden ist eine Momentaufnahme mit einem sehr charismatischen Protagonisten, aber es war klar, dass sich allein in diesem Heim viel mehr Geschichten finden lassen. Und da haben wir – zum Glück mit dem rbb im Rücken – entschieden, das Projekt in einem Langfilm zu vertiefen.
Abdul, ein Scheich aus dem Jemen, Farid aus dem Iran und Brian aus Kamerun, leben als Asylbewerber im brandenburgischen Bad Belzig. Die Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska haben die drei ein Jahr lang durch ihren Alltag begleitet.
Warum sind Sie mit diesem Projekt dann in Bad Belzig gelandet?
Kruska: Wir haben uns - außer in Garzau - in vielen Heimen umgeschaut, waren in Henningsdorf, in Luckenwalde, in verschiedensten Orten in Brandenburg. Und haben teilweise ziemlich triste, beklemmende Orte vorgefunden. Da gab es kein Zentrum, wo man mal hätte anklopfen können. Das war in Bad Belzig anders. Da sind die Büros des Sozialarbeiter-Teams und des Heimleiters in dem Heim, so dass sie auch täglich für die Bewohner ansprechbar sind. Das ist nicht überall so. In dem Flüchtlingsheim in Garzau zum Beispiel war eine Frau, die hatte ein sieben Tage altes Baby, und sie hat dann uns gefragt, wo es einen Arzt gibt, wo sie das Baby vorstellen kann. Da dachte ich: Manche Leute sind schon sehr, sehr alleingelassen.
Warum ist unter den Protagonisten in Ihrem Film keine Frau?
Keil: Es gab viele tolle, charismatische Frauen, die wir gern mit einbezogen hätten. Aber sie wollten ihr Gesicht nicht vor der Kamera zeigen. Sie waren alle aus irgendeiner Unterdrückung geflohen, viele mit Gewalterfahrungen, und hatten extreme Angst, dass sie gefunden werden. Außerdem waren sie alle noch im Asylverfahren, und da war immer die große Sorge, man könnte vielleicht irgendwas Falsches sagen, das sich negativ auf das Verfahren auswirkt. Und dann haben wir nicht weiter insistiert, sondern gesagt: OK, wir haben jetzt drei tolle Protagonisten, und außerdem eine weibliche Kraft in dem Film, das ist die Rose, die macht auch mit und gibt das ihre darein.
Ein jemenitischer Scheich in einer fremden Welt. Abdul Nasser Jarada war zu Hause Hauptmann - in Deutschland ist er nur noch geduldet, seit sein Asylantrag abgelehnt wurde.
Trotzdem gibt er nicht auf und sucht trotz aller Hindernisse weiter beharrlich nach einem Job und einer dauerhaften Zukunft in Deutschland.
Unterstützt wird er dabei von Sozialarbeiterin Rose Dittfurth. Sie ist Ansprechpartnerin für Neuankömmlinge - und engagiert sich tatkräftig dafür, sie in die Gesellschaft einzugliedern.
Zum Beispiel versucht sie, Farid Sahimi (der nebenbei auch Aikido-Meister ist) im örtlichen Fitnessclub unterzubringen.
Mit Erfolg: Farid kriegt den Job und trainiert Hobby-Kampfsportler in Bad Belzig, während er auf den Bescheid von der Ausländerbehörde wartet.
Auch Brian Ngopan aus Kamerun wartet in Bad Belzig auf die Anerkennung als politischer Flüchtling - seine Aussicht auf Erfolg ist allerdings gering.
Auf seinem Weg ergeben sich auch recht spezielle Begegnungen: Hier diskutiert Brian mit zwei Zeugen Jehovas über Glaubensfragen. Weitere Bildergalerien
Man erfährt recht wenig über die Hintergründe Ihrer Protagonisten... ist das Absicht?
Kruska: Uns war es wichtig, dass der Hintergrund nicht so ein Übergewicht bekommt, damit der Zuschauer nicht sagt: Na, also der hat ja eigentlich gar nicht so große Probleme gehabt, der muss ja keinen Aufenthalt bekommen, aber der, meine Güte, was der erfahren hat, der muss natürlich bleiben. Diese Wertung wollten wir vermeiden, wir wollten die Protagonisten nicht in so ein Rennen schicken. Deshalb haben wir versucht, die Hintergründe nur zu umreißen. Wir wollten ja zeigen, wie es ist, wenn sie hier sind: Wie fühlt man sich hier, wie geht man als Fremder in dieses Deutschland, also erst mal in diesen kleinen Ort Bad Belzig, und was hat man da für Begegnungen? Dass wir zum Beispiel solche Szenen bekommen wie die in dem Fitnessstudio oder dieses Stadtfest.
Szene aus dem Film
Wie ist Ihr Eindruck - wie kommen die Flüchtlinge bei der Bevölkerung in Bad Belzig an?
Kruska: Grundsätzlich ganz gut. Klar, nicht alle haben da enge Freundschaften. Aber die meisten Flüchtlinge bewegen sich sehr frei und sind präsent im Stadtbild. Wir haben tatsächlich keine Anfeindungen direkt miterlebt, haben aber Geschichten gehört, gerade von den Sozialarbeitern. Die haben natürlich im Laufe der Jahre einiges erlebt, und es gibt wohl auch eine kleine rechte Szene, der wir aber nicht begegnet sind.
Rose hat aber auch tolle Sachen organisiert, sie hat zum Beispiel die örtliche Polizei mit Flüchtlingen zusammengebracht. Und hat damit einen Austausch geschaffen, wo die Flüchtlinge erzählen konnten warum sie Angst haben, oder was sie erschreckt.
Hatten Sie Probleme mit Drehgenehmigungen bei den Behörden?
Keil: Bei der Ausländerbehörde ging absolut nichts. Wir haben während der gesamten Drehzeit, also länger als ein Jahr, immer wieder versucht, da reinzukommen. Weil wir es wichtig fanden, die Ausländerbehörde mit im Film zu haben, die ja eine große Rolle spielt im Leben aller Asylbewerber: als Machtinstanz oder Angstobjekt, und natürlich auch Hoffnungsträger. Aber sie haben bei allen Protagonisten immer Argumente gefunden, warum die jetzt nicht gedreht werden dürfen. Auch die Redakteure vom rbb haben sich nochmal bemüht, aber es ging nicht.
Antje Kruska und Judith Keil machen seit vielen Jahren Filme zusammen - mit einigem Erfolg: Ihre Dokumentarfilme liefen auf Festivals, im Kino und im Fernsehen und wurden mit renommierten Preisen ausgezeichnet.
Beim Arbeitsamt hat es ja offenbar geklappt.
Kruska: Das hatte auch einen irren Vorlauf, aber hat am Ende doch geklappt. Wir mussten eine Sachbearbeiterin oder einen Sachbearbeiter finden, der sich drehen lässt. Und dann hat sich netterweise Frau Hartung bereit erklärt. Als sich dann herausstellte, dass es mit Abdul ein etwas komplizierterer Fall sein würde, wäre sie fast noch ausgestiegen, da mussten wir noch Überzeugungsarbeit leisten. Ich fand es toll, dass sie mitgemacht hat, und dass sie dann auch so hinter dem Film stand, dass sie nach Leipzig (zum Dokumentarfilm-Festival) mitgereist ist, um ihn mit zu präsentieren.
Ihr Film behandelt ein ernstes Thema, hat aber auch eine ganze Reihe komischer Momente. Wie funktioniert diese Gratwanderung?
Keil: Es ist bei unseren Filmen grundsätzlich wichtig, dass sie einen Humor haben. Dass sie emotionale Kurven machen. Dass man auch mal mitleidet mit den Leuten und berührt ist, und dann auch mal lacht. Das sind alles Momente, in denen man eine Verbindung mit dem Protagonisten eingeht. Bei diesem Film war es uns grundsätzlich wichtig, dass wir aus dieser Betroffenheitsfalle rauskommen: Das sind die Opfer, und dann darf man gar nicht mal locker den Menschen betrachten, sondern man muss sie immer durch diese Brille „problematische Situation“ sehen. Das kann einem eine Begegnung auf Augenhöhe verbauen. Gleichzeitig ist es dann im Schnitt ein schwieriges Austarieren, denn es kann ja nicht darum gehen, sich lustig zu machen über die Leute, oder den Ernst der Lage zu verlieren.
Trailer: "Land in Sicht"
Sind Sie Ihren Protagonisten nahegekommen?
Kruska: Ja klar. Bei Farid haben das auf jeden Fall mit durchlitten, dass er depressiv geworden ist durch dieses Warten. Brian hat sich uns dagegen trotz seiner Situation immer als starker und souveräner Mensch präsentiert. Er hat auch einen ganz starken Glauben, das gibt ihm viel Kraft und hält ihn aufrecht. Und bei Abdul haben wir uns manchmal ganz schön verstrickt, für den haben wir viel gemacht, und manchmal haben wir uns auch furchtbar geärgert. Natürlich sind wir da sehr emotional. Aber grundsätzlich ist es bei diesem Film nicht anders als bei denen, die wir davor gemacht haben: Dass wir und unsere Protagonisten eine Zeit lang im Leben des jeweils anderen eine größere Rolle spielen, dass das dann aber auch wieder abklingt. Am Ende bleibt so eine Vertrautheit, wie man sie mit vielleicht einer Tante oder einem Onkel hat.
Hat sich Ihr Blick auf die Flüchtlingspolitik verändert?
Keil: Wir haben natürlich viel mehr Einblicke bekommen. Dass im Leben unserer Protagonisten die größte Qual das lange Warten ist und dieses „auf Eis gelegt“ sein. Das macht die Leute total mürbe, und da fühlen die sich dann auch vergessen. Da dachten wir oft, es wäre gut, wenn es eine überschaubare, begrenzte Zeit gäbe. Wenn sie wüssten: Innerhalb eines halben Jahres weiß ich Bescheid. Solange richte ich mich hier ein und weiß, es ist eine Übergangsphase.
Kruska: Diese Leute haben eine unglaubliche Initiativbereitschaft , einen starken Motor oder Grund, ihre Heimat zu verlassen. Und dann werden sie komplett ausgebremst, kriegen knappe Antworten, die sie nicht verstehen, und werden so gar nicht als Mensch oder Gast wahrgenommen oder willkommen geheißen. Auch dieses „nicht Deutsch lernen dürfen“ ... dass es in Bad Belzig ehrenamtliche Lehrer und Lehrerinnen gibt, die Deutschkurse anbieten, sogar im Heim, ist ja die Ausnahme. In Garzau, wo wir den vorigen Film gedreht haben, war so etwas weit entfernt. Das tut weh, wenn man das so hautnah mitbekommt. Ohne dass wir für uns jemals formulieren konnten, was die Lösung der ganzen Geschichte ist. Aber man sollte versuchen, es menschlicher zu gestalten.
Das Gespräch führte Nele Haring
Hintergrund
Wie viele Flüchtlinge leben in Brandenburg?
In Brandenburg lebten laut Ausländerzentralregister Ende des vergangenen Jahres 5.272 Flüchtlinge. 3.205 von ihnen befanden sich noch im Asylverfahren, über ihren Asylantrag war also noch nicht entschieden. 1.795 sind geduldet. Das bedeutet, dass ihr Antrag auf politisches Asyl abgelehnt wurde, sie aber nicht in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden können. Dabei kann sowohl die politische Situation in diesen Ländern eine Rolle spielen als auch die Tatsache, dass die Flüchtlinge keine Papiere haben. 16 Flüchtlinge sind nach dem deutschen Grundgesetz als politische Verfolgte anerkannt, 239 weitere nach den Kriterien der Genfer Flüchtlingskonvention. Außerdem lebten Ende 2013 in Brandenburg 17 „syrische Kontingentflüchtlinge“, die auf die Bundesländer verteilt werden.
Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge in Brandenburg sind nach Angaben des Innenministeriums die russische Föderation, Afghanistan, Kenia, Somalia und Tschad.
Wie wird die Unterbringung der Flüchtlinge organisiert?
Alle Asylbewerber landen zuerst in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt - sie wird vom Land betrieben. Nach spätestens drei Monaten müssen die Asylbewerber auf die Gemeinschaftsunterkünfte oder Wohnungen in Brandenburg verteilt werden.
Dafür die Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Acht von ihnen kamen ihrer Verantwortung im vergangenen Jahr nur schleppend nach. Mittlerweile hat die Landesregierung Druck gemacht, und viele Landkreise richten zusätzliche Unterkünfte ein.
Wo sind die Flüchtlinge untergebracht?
In Brandenburg gibt es derzeit 35 Gemeinschaftsunterkünfte. Vier davon sind so genannte Wohnverbände. Gemeint sind mehrere zusammenhängende Wohnungen.
So genannte Übergansgheime gibt es in: Brandenburg/Havel (ein Heim), Frankfurt (Oder) (ein Heim), Potsdam (drei Heime),
Barnim: Althüttendorf, Wandlitz, Eberswalde, Oderberg und Panketal,
Dahme-Spreewald: Waßmannsdorf
Elbe-Elster: Hohenleipisch und Elsterwerda
Havelland: Rathenow
Märkisch-Oderland: Garzau-Garzin, Letschin/Voßberg und Neuhardenberg
Oberhavel: Stolpe-Süd
Oberspreewald-Lausitz: Sedlitz
Oder-Spree: Fürstenwalde, Eisenhüttenstadt
Ostprignitz-Ruppin: Neuruppin-Treskow
Bad Belzig, Beelitz-Heilstätten, Teltow (zwei Heime)
Spree-Neiße: Forst
Teltow-Fläming: Luckenwalde (drei Heime)
Uckermark: Prenzlau
Wohnverbände gibt es in Cottbus, Henningsdorf (Oberhavel), Fürstenwalde (Oder-Spree) und Forst (Spree-Neiße)
Außerdem sind Flüchtlinge auch in Wohnungen untergebracht, deren Standorte aber nicht zentral erfasst werden.
Die Anzahl der Flüchtlinge, die in Wohnungen untergebracht sind, sinkt allerdings. Nach Angaben des Sozialministeriums waren es Ende September 2012 noch 1.032, ein Jahr später noch 891.
Welche weiteren Heime sind geplant?
Insgesamt liegen sechs Anträge auf die Einruichtung neuer Heime vor. Eine Gemeinschaftsunterkunft wird in Ludwigsfelde eröffnet werden, im April 2014 eine in Jüterbog, sowie im Juli eine in Forst.
Außerdem sollen Wohnmöglichkeiten in Bad Belzig, Friesack, Gransee, Oderberg, Pätz / Bestensee und Zepernick saniert und ausgebaut werden.
Die Landesregierung will insgesamt 12,7 Millionen Euro zusätzlich für Flüchtlingsunterkünfte bereitstellen, um mögliche soziale Spannungen zu entschärfen – der Großteil fließt in das überfüllte Erstaufnahme-Heim in Eisenhüttenstadt, fünf Millionen sollen Landkreise und kreisfreie Städte erhalten, vor allem um neben der Sanierung von Heimen mehr Wohnungen für Asylbewerber bereitzustellen.
Für welchen Personenkreis gilt die Residenzpflicht?
Die so genannte Residenzpflicht verbietet es Flüchtlingen, den jeweiligen Geltungsbereich der Ausländerbehörde des Ortes zu verlassen, der ihnen zugewiesen wurde. In Brandenburg bezieht sich das auf den jeweiligen Landkreis.
Die Residenzpflicht gilt grundsätzlich für die Flüchtlinge, deren Antrag auf politisches Asyl noch läuft und für diejenigen, die geduldet sind. Anerkannte politische Flüchtlinge dürfen sich frei bewegen.
In Brandenburg wurde die Residenzpflicht 2010 gelockert: Seitdem dürfen sich „Geduldete“ und Flüchtlinge im laufenden Asylverfahren frei innerhalb Brandenburgs – und auch in Berlin – bewegen. Ein Wechsel des Wohnsitzes ist allerdings nicht gestattet.
Dürfen die Flüchtlinge arbeiten?
Anerkannte politische Flüchtlinge erhalten eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis. Flüchtlingen, die sich seit mindestens neun Monaten im Asylverfahren befinden, kann ebenfalls die Aufnahme einer Tätigkeit genehmigt werden. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, beispielsweise müssen deutsche Bewerber bei der Vergabe von Tätigkeiten bevorzugt werden. Manchmal muss in konkreten Fällen auch die Bundeagentur für Arbeit zustimmen. All das muss der Bewerber über Bescheinigungen nachweisen.
Das gleiche gilt für „Geduldete“, allerdings erst ein Jahr nachdem die Duldung ausgesprochen wurde.
Wer trägt die Kosten für die Flüchtlinge?
Die Kommunen tragen 15 bis 30 Prozent der Kosten für Asylbewerber. Den Großteil bekommen sie durch eine Pauschale vom Land erstattet. Für 2013 plante die Brandenburger Regierung 9.011 Euro pro Person ein. Nach vier Jahren müssen die Landkreise und kreisfreien Städte die Kosten komplett übernehmen. Deshalb zögerten bisher viele, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
Was sagen Anwohner zu den geplanten Heimen?
An mehreren Standorten kritisierten Teilnehmer von Bürgerversammlungen, dass sie von Landkreisen und Städten zu wenig und zu kurzfristig informiert worden seien. In Friesack etwa soll ein Lehrlingsheim vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden, die Auszubildenden müssen ausziehen. Das erfuhren die Anwohner erst zehn Tage vor der erwarteten Ankunft der ersten Flüchtlinge davon.
Immer wieder versuchen zudem Rechtsextreme an mehreren Orten Bedenken und Ängste von Anwohnern gegen Flüchtlingsheime für sich zu instrumentalisieren. Sie tarnen sich in Bürgerinitiativen, unter dem Namen „Nein zum Heim“ auf Facebook und hielten bereits zahlreiche Kundgebungen gegen Asylbewerberunterkünfte ab. In Gransee (Oberhavel), Pätz (Dahme-Spreewald), Friesack (Havelland) und Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) sind solche vermeintlichen Bürgerinitiativen tätig, außerdem in Zepernick und Oderberg (beides Barnim). Dahinter stecken meist Funktionäre der NPD, der Partei „Die Rechte“ und dem Netzwerk "Nationaler Widerstand". Bereits bei den Protesten gegen ein neues Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf waren Neonazis unter dem Slogan "Nein zum Heim" bei einer Kundgebung marschiert. Anfang 2013 war das Asylbewerberheim in Beelitz-Heilstätten angezündet worden, die Polizei vermutete einen fremdenfeindlichen Hintergrund.
Beim Großteil der Bevölkerung hatten sie mit diesen Versuchen bisher wenig Erfolg. In vielen Orten heißen Anwohner die Flüchtlinge willkommen und treten ihnen offen gegenüber. In einer Flüchtlingsunterkunft in Wandlitz (Barnim) organisieren ehrenamtliche Helfer Sprachkurse, eine Kinderbetreuung, Möbel- und Kleiderspenden. Auch in Bad Belzig geben Ehrenamtliche Deutschkurse für Flüchtlinge.
Wie viele Asylbewerber kommen 2014 zusätzlich nach Brandenburg?
Nach einer groben Schätzung des Brandenburger Innenministeriums könnten es zwischen 3.700 und 4.400 Asylbewerber sein, die 2014 zusätzlich in Brandenburg untergebracht werden müssen.
Diese Zahl wird wie folgt hergeleitet: 2013 wurden in Deutschland insgesamt 127.023 Asylanträge gestellt; das entspricht einer Steigerung von 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Rückgang wird für 2014 nicht erwartet. In seiner Prognose vom 16.1.2014 rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit monatlich bis zu 12.000 Erstanträgen.
Wie werden die Flüchtlinge auf die Bundesländer verteilt?
Die Aufnahmequote der Bundesländer regelt der sogenannte "Königsteiner Schlüssel". Er wird jährlich neu festgelegt und berücksichtigt in Brandenburg neben der Bevölkerungszahl unter anderem die wirtschaftliche Situation der Kommunen - beispielsweise fließt der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in einem Landkreis an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten des Bundeslandes mit in die Berechnung ein.
Mit dem gleichen Schlüssel verteilt das Bundesland die Asylbewerber in einer zweiten Stufe des Verfahrens dann auf die Landkreise. 2013 musste der Landkreis Potsdam-Mittelmark die meisten Flüchtlinge aufnehmen, es folgen Teltow-Fläming, Barnim und die Stadt Potsdam. Nach Frankfurt / Oder kommen die wenigsten Asylbewerber.
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