Erstes Musiker-Landesmuseum in Bad Saarow - Scharwenka von der Rolle
Bad Saarow ist um eine Attraktion reicher: das erste Musikermuseum des Landes. Das Haus würdigt das Schaffen des Pianisten, Komponisten und Musikpädagogen Xaver Scharwenka und seines Bruders Philipp. Aktivisten und Musikliebhaber haben das Gartenhaus und den Nachlass der Brüder der Vergessenheit entrissen. Von Gudrun Ruthenberg
Das hübsche Holzhaus aus amerikanischer Pitchpinie findet der Besucher in der Moorstraße unweit vom Kurpark Bad Saarow. Es steht auf einem etwa eintausend Quadratmeter großen Grundstück unter ausgewachsenen knorrigen Bäumen. Hier konnte Xaver Schwarwenka in den Sommermonaten der Jahre 1910 bis 1924 in Ruhe komponieren und musizieren.
Xaver Scharwenka, 1850 in einem kleinen Ort bei Posen geboren, aufgewachsen in Berlin, wurde zu seiner Zeit in ganz Deutschland vor allem als brillanter Chopin-Interpret gefeiert. Er war mit Franz Liszt und Johannes Brahms befreundet, komponierte, unterrichtete und gründete in Berlin gemeinsam mit seinem Bruder Philipp ein Konservatorium.

Scharwenka-Originaltöne auf der Piano-Rolle
Sieben Jahre lang lebte Scharwenka in den USA, gab dort Konzerte und gründete auch dort ein Konservatorium. All dies ist im Museumsteil im Erdgeschoss des neuen Kulturforums dargestellt. Dabei ist die Biografie der beiden Scharwenka-Brüder faktenreich in eine Schau über die Musikgeschichte an der Schwelle zum 20. Jahrhundert eingebettet.
Briefe, Noten, aber auch Raritäten sind zu sehen. Besonders stolz ist der Vorstandsvorsitzende der Scharwenka-Stiftung, Peter Wachalski, auf das sogenannte Reproduktionsklavier: "Es ist ein Steinway, gebaut in Hamburg, dann nach Freiburg im Breisgau im Schwarzwald gegangen. Dort hat dann die Firma Welter diesen Apparat hier eingebaut mit den Pianorollen." Das erste Mal überhaupt in der Menschheitsgeschichte sei es damals möglich gewesen, das Spiel eines Pianisten im Original aufzuzeichnen und wiederzugeben.
Eine faktenreiche Schau über das Schaffen der Brüder
Das Scharwenka-Kulturforum besitzt fast alle auf Rollen gestanzten Werke des Künstlers, die auf diesem Klavier abgespielt werden können. Das schon jetzt weltweit größte Scharwenka-Notenarchiv befindet sich im Keller des Hauses und wird weiter aufgebaut.
Etwa 70 Prozent der Kompositionen haben Stiftungs- und Fördervereinsmitglieder aus aller Welt zusammengetragen. Ein wichtiges Anliegen von Verein und Stiftung ist es, die Musik Xaver Scharwenkas wieder bekannter zu machen, betont Peter Wachalski: "Wir haben diese Noten, da sie gemein frei sind, auch kostenlos zum Herunterladen ins Internet gestellt, damit sie sich überhaupt wieder verbreiten." Weltweit dankten das bereits Musikliebhaber und schickten E-Mails mit Grüßen.
Der Saal ganz zentral
Der zentrale Raum im Haus aber ist ein Saal mit 70 Plätzen. Hier sollen Kammerkonzerte und Lesungen stattfinden. Nach dem Willen der Fördervereinsmitglieder soll das neue Kulturforum nicht nur ein Haus für Musikliebhaber und Scharwenka-Verehrer werden. Im Gegenteil. Es soll ein - in Bad Saarow lange überfälliges - Veranstaltungshaus für alle sein. So steht das Obergeschoss für Ausstellungen zur Verfügung. In der ersten Etage werden 50 Porträts berühmter Musiker und Schauspieler gezeigt, die in Bad Saarow gewohnt und gewirkt haben.

Stiftungsvorstand Wachalski betonte, dass es ganz unterschiedliche Veranstaltungen geben solle: "Es werden hier die Chöre von Bad Saarow üben. Es wird ein Englischkurs mit Musik abgehalten werden. Und es soll natürlich auch dem ganzen Ort und der Wirtschaft des Ortes Vorteile bringen, wenn mehr Touristen kommen und sich hier wohlfühlen."
Mehr als zehn Jahre hatten die Scharwenka-Stiftung und der Förderverein des Kurortes Bad Saarow, unterstützt von der Scharwenka Gesellschaft Lübeck alles daran gesetzt, das Haus zu rekonstruieren. Ab Sonntag steht es für Besucher offen.



