
Grimme-Institut gibt Nominierungen bekannt - rbb für vier Grimme-Preise nominiert
Unter den Nominierungen für den renommierten Grimme-Preis sind vier Fernseh-Produktionen, an denen der Rundfunk Berlin Brandenburg beteiligt war. Für preiswürdig hält das Grimme-Institut den Film "Betongold" über die Immobilienspekulation in Berlin und "Rauswurf" und eine Dokumentation über die DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley. Für den Sonderpreis Kultur wurden die Spielfilme "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" und "Wintertochter" nominiert.
Das Grimme-Institut hat am Mittwoch in Düsseldorf seine Nominierungen für die Grimme-Preise 2014 bekannt gegeben. Vier Produktionen des Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) sind dabei: Nominierungen gab es für die Dokumentationen "Betongold" (rbb/ARTE) und "Der Rauswurf. Bärbel Bohley - Tagebuch einer Unbequemen" (rbb) sowie für die Spielfilme "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" (rbb/SR) und "Wintertochter" (rbb/BR/MDR/NDR/SWR).
"Der Rauswurf"- Porträt der Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley
"Der Rauswurf - Tagebuch einer Unbequemen" ist ein Film über die 2010 verstorbene Bürgerrechtlerin und Malerin Bärbel Bohley. In den Film von Gabriele Denecke kommen Freunde und Weggefährten, wie Werner Fischer, Birgit Voigt und Roland Jahn zu Wort.
Der Dokumentarfilm folgt den Ereignissen des Jahres 1988, Bohleys Verhaftung nach der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration, ihrer Abschiebung und der Odyssee durch die Bundesrepublik, England und Italien.
Es sind ihre Aufzeichnungen, die durch den Film führen, es ist ihr Blick, der sich auf Freunde, Politiker, gesellschaftliche Gegebenheiten und fremde Landschaften richtet.
Erzählt wird die Geschichte einer Frau, die die Machtlosigkeit gegenüber einem autoritären Staat nicht akzeptiert, die jeden und alles instrumentalisiert für ihr Ziel, in ihr Land zurückkehren zu dürfen. Am Ende siegt sie. Nach sechs Monaten "Westen" kehrt sie zurück in den "Osten". Die DDR kapitulierte vor dem Widerstand dieser Frau.
Wenn Wohnungen zur Spekulationsobjekten werden
"Betongold - Wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam" von Katrin Rothe ist ein Film über den Wandel in den Großstädten. Der Markt sortiert effektiv: Wer die steigenden Mieten nicht zahlen kann, muss sich eine neue Wohnung suchen. Mieter stehen gegen Vermieter, Alteingesessene gegen neue Investoren. Noch wohnen in den Innenbezirken Berlins auch Familien, Rentner und Studenten. Doch bezahlbarer Wohnraum wird knapp.
Rothe dokumentiert die Sorgen und Ängste der Mieter. Was sie in diesen zwei Jahren nicht filmen darf, zeichnet sie auf: In Trickfilmsequenzen erzählt sie, was passiert, wenn Investor, Makler, Kaufinteressierte und Mieter aufeinandertreffen. Am Ende wird der Filmemacherin eine Abfindung angeboten. Dafür soll sie aus ihrer Wohnung raus. Ist das ein Sieg? Oder doch eine Niederlage? Was soll sie mit dem Geld anfangen? Gut anlegen, um damit fünf, sechs Jahre lang eine teurere Mietwohnung bezahlen zu können? Oder auch in Immobilien investieren?
"Betongold" wurde im Oktober 2013 bei der Verleihung des Journalisten-Preises "Der lange Atem" vom Journalisten-Verband Berlin-Brandenburg mit einem dritten Preis ausgezeichnet.
Zwei Spielfilme in Sondersparte nominiert
Zwei weitere Nominierungen erhielt der rbb in der Sparte „Sonderpreis Kultur 2014“. Zum einen darf sich Uwe Jansons Märchenfilm "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" (rbb/SR) Hoffnung auf einen Preis machen. Darin zwingt die herzlose Leiterin eines Waisenheims die Kinder, selbst am Morgen des Heiligabends Schwefelhölzer zu verkaufen.
Zum anderen wurde der Spielfilm "Wintertochter" (rbb/BR/MDR/NDR/SWR) von Johannes Schmid nominiert. Darin machen sich eine 11-Jährige, die durch einen Zufall erfährt, dass ihr leiblicher Vater in Wirklichkeit ein russischer Matrose ist. Gemeinsam mit ihrer 70-jährigen Nachbarin, einer gebürtigen Masurin, macht sich das Mädchen auf die Suche nach dem Vater.
Insgesamt wurden 62 Produktionen nominiert. Davon stammen 52 von den öffentlich-rechtlichen Sendern.
Der Grimme-Preis ist einer der wichtigsten deutschen Fernsehpreise. Das Grimme-Institut zeichnet Produktionen aus, die "die spezifischen Möglichkeiten des Mediums Fernsehen auf hervorragende Weise nutzen und nach Inhalt und Methode Vorbild für die Fernsehpraxis sein können". In diesem Jahr wird der Preis zum 50. Mal vergeben. Die Verleihung findet am 4. April im Theater der Stadt Marl statt.
Benannt ist die Auszeichnung nach Adolf Grimme, der von 1948 bis 1956 Generaldirektor des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks war.



