Wie viel DDR will sich Guben leisten? - Guben streitet über Sanierung seines Wilhelm-Pieck-Denkmals
Den Beinamen als "Wilhelm-Pieck-Stadt" ist Guben seit der Wende los, auch die Wilhelm-Pieck-Straße heißt seit ein paar Jahren wieder Berliner Straße. Jetzt debattieren Gubens Stadtverordnete wieder - diesmal über das sanierungsbedürftige Denkmal für den ersten und einzigen DDR-Präsidenten und Gubens prominentesten Sohn.
Schön ist es nicht, das zehn Meter hohe und zerfallende Wilhelm-Pieck-Denkmal in Guben (Spree-Neiße). Das Fundament bröckelt, der Beton hat Risse, verziert von Graffitis, davor zerbrochene Gehwegplatten. Sanieren oder abreißen? Seit Jahren streitet die Stadt über das 1976 errichtete Monument. Für viele Gubener ist es schlicht ein Schandfleck und gehört weg.
Doch noch steht das Pieck-Denkmal. Und da es ein Denkmal ist, muss es saniert werden, so die Denkmalschutzbehörde. Ein erstes Gutachten 2012 ergab Sanierungskosten von rund 100.000 Euro. Viel zu hoch, finden Kritiker. Sie würden das Denkmal am liebsten abreißen, doch dafür müsste es erst einmal aus der Denkmalliste gestrichen werden. Und das ist nicht so einfach.
Das Pieck-Denkmal ist künstlerisch, historisch und architektonisch wertvoll, findet Dieter Hübener von der Landesdenkmalpflege. Hübener hat vorgeschlagen, einen Verein zu gründen, um Fördermittel beim Land zu beantragen oder Geld in der Bevölkerung zu sammeln.

Klar ist, das etwas passieren muss. Deshalb beschäftigen sich jetzt Gubens Stadtverordnete wieder mit dem Thema. Am Mittwoch diskutierte der Finanzausschuss den Grundsatzbeschluss "Instandsetzung Wilhelm-Pieck-Monument" - und gab die Sache zurück an die Verwaltung. Offizieller Grund: Es gibt keine Fördermittel.
Wie in dem Grundsatzbeschluss zu lesen ist, wurde die Verwaltung nach dem ersten Gutachten aufgefordert, die Kosten für eine mögliche Sanierung zu reduzieren. Das Pieck-Monument wurde daraufhin noch mal begutachtet - mit einer Hebebühne, dank derer Experten die einzelnen Stelen besser besichtigen konnten. Sie stellten fest, dass die im ersten Gutachten angenommenen Schäden anscheinend weniger gravierend sind. Somit werden die Sanierungskosten jetzt mit knapp 60.000 Euro veranschlagt, plus 5.000 Euro geschätzter Baunebenkosten.
Pieck, Thälmann, Lenin - wie umgehen mit der Vergangenheit?
Doch in Guben geht es um mehr als ein baufälliges, teures Denkmal. Es geht um den Umgang mit historischen Relikten der DDR-Vergangenheit. Wilhelm Pieck war SED-Parteivorsitzender zusammen mit Otto Grotewohl und bestieg im Oktober 1949 den Präsidentenstuhl. Er war das erste Staatsoberhaupt der DDR, auch wenn seine Funktionen rein repräsentativ waren.
Geboren wurde Wilhelm Pieck 1876 in Guben. Er ist wohl der wichtigste und bekannteste Sohn der Stadt. Ab 1961, kurz nach seinem Tod, erhielt Guben den Beinamen "Wilhelm-Pieck-Stadt". Das ist seit der Wiedervereinigung jedoch Geschichte. Falls das ungeliebte Monument nun ebenfalls verschwindet, geht für die Befürworter auch ein Stück DDR-Gedenkkultur verloren.
Guben ist eine von vielen ostdeutschen Städten, die den Umgang mit der DDR-Geschichte im Stadtbild diskutieren. Berlin hatte sich vor Jahren für Pieck entschieden: Seitdem das Schloss Schönhausen im Stadtteil Pankow nach fast fünfjähriger Sanierung 2009 wieder für Besucher öffnete, ist im ersten Stock das Arbeitszimmer des früheren DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck zu besichtigen. Pieck hatte hier von 1949 bis 1960 seinen Amtssitz.
Anders erging es dem Lenin-Denkmal in den 1990er Jahren in Berlin-Friedrichshain. Es wurde abmontiert und im märkischen Sand vergraben. Das Thälmann-Denkmal im Stadtteil Prenzlauer Berg blieb hingegen stehen, nur die propagandistischen Schrifttafeln wurden abgenommen. Und dass sozialistische Denkmäler auch zum Markenzeichen werden können, zeigt ein Blick nach Sachsen. In Chemnitz steht die sanierte Karl-Marx-Büste nach wie vor mitten im Zentrum und ist unter Touristen ein beliebtes Fotomotiv.

Geld lieber für Schulen als für ein DDR-Denkmal
In Guben hingegen sind die Meinungen geteilt: Die Linksfraktion ist für den Erhalt und die einhergehende Sanierung. Die Linke stellt zwar die größte Fraktion, hat aber gegenüber CDU und SPD keine Mehrheit. Und die würde Wilhelm Pieck wohl lieber in der Versenkung verschwinden lassen. Die Gegner der Sanierung haben ihre Ablehnung bisher damit begründet, dass die Stadt wichtigere Baustellen hätte und das Geld in Schulen und Horte stecken müsse. Außerdem stand Wilhelm Pieck einer Diktatur vor und brauche keine Hochglanz-Politur.
Doch dass das Pieck-Denkmal in Guben verschwindet, ist unwahrscheinlich. Für die Instandsetzung sind im Haushalt für 2014 - noch gemäß der ersten Kalkulation - 110.000 Euro eingeplant. Die Stadt ist Eigentümer des Monuments und damit für die so genannte "Verkehrssicherungspflicht" verantwortlich. Auch wenn die Sanierung abgelehnt wird, muss sich Guben also um das Denkmal kümmern. Wenn der Beschluss alle Ausschüsse passiert, könnten die Gubener Stadtverordneten Ende Januar endgültig grünes Licht geben.



8 Kommentare
Pieck hatte streng in seinem historischen Kontext betrachtet die Wahl zwischen Diktatur oder Demokratie, Freiheit oder Unterdrückung, Toleranz oder Gewalt gegen Andersdenkende, dem Recht auf Privateigentum oder Enteignung von Bauern und Unternehmern - er hat sich immer für das letztere entschieden, indem er überzeugter Vollstrecker des Stalinismus war. Damit hat er geholfen ein weiteres dunkles Kapitel zur deutschen Geschichte hinzuzufügen. Er ist einer der deutschen Politiker, derer man sich schämen muss. Seine Gubener Herkunft macht das nicht besser. Sollte das Denkmal saniert werden, dann bitte mit einer Tafel, die der Opfer der SED-Diktatur gedenkt, eindeutig Piecks umstrittene Rolle herausstellt und damit ausdrückt, dass es in Guben Menschen gibt, die für Freiheit und Demokratie einstehen und nicht wie die Linken vor der Geschichtsaufarbeitung kneifen.
Ich bin dagegen, alles abzureißen, was an die DDR erinnert. Auch wenn wir damals sehr viel falsch gemacht haben, war es der 1. Versuch, ein besseres System zu errichten als die Ausbeutersysteme früherer Jahrtausende. Schief gegangen ist es zum großen Teil wegen menschlicher Schwächen, politischer und ökonomischer Fehler und falscher Anwendung der marxistisch-leninistischen Wissenschaft. Wir sollten uns lieber Überlegen, wie die Gesellschaft besser gemacht werden kann und danach handeln. Dabei sollen uns diese Denkmäler unterstützen. Sie heißen Denkmal, weil wir mal denken sollen. Auch über die guten und schlechten Dinge der DDR, wier die Fehler verursacht wurden. In der BananenRepublik Deutschland ist auch vieles im Argen. Besser als die DDR ist die BRD nicht.
Ich finde der Alte oben im Video hat recht. Sollen die Linken doch ne Stiftung gründen und das Denkmal wieder hübsch machen. Aber nicht mit unseren Steuergeldern!!!!
Mal im Ernst, zahlen wir dafür seit fast 25 Jahren Aufbau Ost, dass dieser häßliche Sch... auch noch renoviert wird? Stehen im Westen noch irgendwo Nazi-Denkmäler rum, als "Zeitdokument"? Willkommen im 21. Jahrhundert, liebe Gubener.
Vor der Sanierung muss die Auseinandersetzung darüber stattfinden, warum diese Denkmale - in diesem Fall aus Ost-Zeiten - da sind und ob der Umstand, dass Wilhelm Pieck heute nicht mehr verehrt wird wie vor 50 Jahren, ausreicht, um das Denkmal abzureißen.
Der Umstand, dass Pieck damals verehrt wurde, gehört zur Geschichte und darum sollte auch das Denkmal bleiben – als Zeitdokument. Ein Erhalt heißt – natürlich - nicht, dass wir noch immer Pieck huldigen.
Das Denkmal ist heute keine Kultstätte der SED mehr, an der der einzige Ostzonenpräsident geehrt wird. Es ist keine Brutstätte böser, umstürzlerischer Gedanken mehr; es war nie und ist kein Hort der Gewalt und kein Aufruf zur Störung der Ordnung. Keine Gefahr, also!
Das Denkmal ist für uns heute - zum Beispiel - Beleg und Beweis für die Wege der Personenverehrung zu DDR-Zeiten. Und einer dieser Wege, eben Denkmale für Amtsträger und Aktivisten, unterschied sich offenbar nur wenig von der Personenverehrung zu anderen Zeiten.
Wenn wir tatsächlich alles abreißen, was in unserer Geschichte aus heutiger Sicht belastet ist, sollten wir uns schleunigst für das Mars-Besiedlungsprogramm der Holländer bewerben!
Wilhelm Pick war als Staatspräsident besonders beliebt,dass vertrauen hatte er, die Menschen die in der DDR-lebten
schätzten ihm.
Es ging Bergauf in der Versorgung,mit der Machtübername Ulbrichts ging Bergab.
Die Freiheit der Bürger war anders eingestellt,als danach.
geschichte hin oder her. ich bin für abreissen. das pieckdenkmal ist einfach nur hässlich. das für 65000 euro sanieren lassen? das geld könnte man in viel wichtigere sachen stecken.