Trauer um Claudio Abbado - "Seine Liebe zur Musik war uns Inspiration"

Er war einer der bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit, zwölf Jahre lang stand er auch den Berliner Philharmonikern vor. Im Alter von 80 Jahren ist Claudio Abbado nun in Bologna gestorben. Er bleibt für seine musikalischen Leistungen unvergessen -  Kollegen und Freunden werden auch seine menschlichen Qualitäten sehr fehlen.

Claudio Abbado ist tot. Der italienische Dirigent starb am Montag im Alter von 80 Jahren in Bologna. Er sei am Morgen "unbeschwert" und im Kreis seiner Familie gestorben, ließen die Familienangehörigen über das Sekretariat des Künstlers mitteilen. Abbado war seit Längerem krank: 2000 wurde Krebs diagnostiziert.

Die Berliner Philharmoniker würdigten ihren langjährigen Chefdirigenten als außerordentlichen Musiker und Menschen. Der Tod Abbados sei ein "unendlich schwerer Verlust", erklärte das Orchester auf seiner Homepage. "Seine Liebe zur Musik und seine unstillbare Neugier waren uns Inspiration und haben unser musikalisches Schaffen seit seinen ersten Konzerten mit uns im Jahr 1966 geprägt. Wir sind stolz, ihn zu unseren Chefdirigenten zählen zu können und Teil seines musikalischen Erbes zu sein."

Weitere Reaktionen auf den Tod von Claudio Abbado

  • Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper

  • Klaus Wowereit (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin

  • Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker

  • Olaf Manninger, Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker

  • Christian Thielemann, Dirigent

  • Riccardo Muti, Dirigent

  • Riccardo Chailly, künftiger musikalischer Direktor der Mailänder Scala

Durchbruch in den USA, Aufstieg in Mailand

Abbado kam 1933 als Sohn eines Violinisten und einer Klavierlehrerin in Mailand zur Welt. Er lernte zunächst Klavier und Orgel und besuchte danach einen Dirigierkurs in Siena. Dort lernte er seine späteren Kollegen Daniel Barenboim und Zubin Mehta kennen. Seinen Durchbruch erlebte Abbado 1958 in Tanglewood (USA), als er den renommierten Kussewitzky-Preis für Dirigenten gewann.
1960 debütierte er dann schließlich dort, wo er sein musikalisches Initialerlebnis hatte: an der Mailänder Scala. Acht Jahre später wurde er dort leitender Dirigent, dann Musikdirektor und schließlich künstlerischer Leiter.

Abschied auf Raten von der Mailänder Scala

An der Scala leistete er Pionierarbeit: Erfolgreich stemmte er sich, so berichten die Quellen übereinstimmend, gegen die dort herrschende Routine und öffnete auch das Repertoire in Richtung Moderne.

1979 trat er von seinem Amt als künstlerischer Leiter der Scala zurück, drei Jahre später stellte er auch seinen Posten als Chefdirigent zur Verfügung. Von 1984 bis 1986 übernahm er dann noch einmal die Musikdirektion, aber dann kehrte er der Scala endgültig den Rücken.

Auch in ganz Italien machte er sich nun rar. Bereits zu dieser Zeit hatte Abbado dort jedoch eine große Fangemeinde, die es nicht einfach so hinnehmen wollte, den Maestro nicht mehr erleben zu können. So gründete sich der "Club Abbadiani Itineranti" ("Klub der fahrenden Abbadianer") - Musikenthusiasten, die Abbado nachreisten, um seine Konzerte und Opernauftritte weiterhin genießen zu können.

Nach seinem endgültigen Abschied von Mailand ging Abbado fest nach Wien. Dort war er bereits seit 1971 ständiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker. Im Herbst 1986 trat er den neugeschaffenen Posten des Musikdirektors der Wiener Staatsoper und der Wiener Philharmoniker an. Ein Jahr später wurde er Generalmusikdirektor der Bundeshauptstadt Wien.

Von Wien nach London - und nach Berlin

Auch dort setzte er sich für die Moderne und für die vernachlässigten Werke des Repertoires ein. Seine Aufführung von Schuberts Oper "Fierabras" beispielsweise erregte kontroverse Diskussionen. Aber auch Wagner, Beethoven oder Verdi standen auf seinem Programm.

Von 1979 bis 1988 war Abbado Chefdirigent und Musikdirektor des London Symphony Orchestra. Wie in Wien kam es auch in London zu Kontroversen, vor allem in der Zusammenarbeit mit der Operndirektion.

Im Oktober 1989 wurde Abbado zum neuen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker gewählt, mit denen er schon 1966 erstmals zusammengearbeitet hatte. 1990 trat er sein Amt in Berlin an und wurde damit Nachfolger von Herbert von Karajan. In Berlin begannen erfolgreiche Jahre für Abbado. Dennoch gab er 1998 bekannt, seinen Vertrag nicht über das Jahr 2002 hinaus verlängern zu wollen. Er kehrte nach Italien zurück.

In Berlin hinterließ Abbado tiefe Spuren. Von seinem Krebsleiden gezeichnet, kehrte er jedes Jahr für ein Konzert mit den Philharmonikern in die Stadt zurück und wurde dabei vom Publikum stürmisch empfangen.

2003 erfüllte er sich einen langgehegten Traum und gründete das Lucerne Festival Orchestra, zusammengestellt aus befreundeten Musikern verschiedenster Orchester und Ensembles. Das Luzerner Festival wurde der Schwerpunkt seiner späten Jahre, was ihm auch 2005 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Luzern eintrug.

(Mit Informationen von Andreas Göbel und Maria Ossowski)