
Musikpreis Echo beruft Beirat ein - Wieder Ärger um Frei.Wild
Eigentlich müsste die Band Frei.Wild auch dieses Jahr für den Musikpreis Echo nominiert werden, denn ihre CD-Verkäufe sind immens. Gegen ihre Texte gab es aber wiederholt Protest - im letzten Jahr wurde die Nominierung deswegen zurückgezogen. Jetzt soll ein neu geschaffener Beirat bereits im Vorfeld sein Votum abgeben. Die Frei.Wild-Fans sind empört.
Am 27. März wird in der Berliner Messe wieder der rote Teppich für die kommerziell erfolgreichsten deutschen Musiker ausgerollt. Denn einziges Nominierungskriterium für den Musikpreis Echo sind die Verkaufszahlen der Alben.
So war es jedenfalls bislang. Doch jetzt hat der Bundesverband Musikindustrie eine Regeländerung angekündigt: ab sofort gibt es einen unabhängigen Beirat, der in Zweifelsfällen eine Nominierung verhindern kann. Erster Auftrag: Der Beirat soll sich mit dem aktuellen Album "Still" der Südtiroler Band Frei.Wild beschäftigen - das teilten die Echo-Veranstalter am Freitag in Berlin mit.

Der Musikverband reagiert damit auf den Eklat, der im vergangenen Jahr auf die Nominierung von Frei.Wild in der Kategorie Rock/Alternative folgte. Die Bands MIA, Kraftklub und Die Ärzte, allesamt selbst nominiert, drohten mit einem Boykott der Veranstaltung und verwiesen auf die aus ihrer Sicht deutschtümelnden und gewaltverherrlichenden Songtexte von Frei.Wild. Die Echo-Veranstalter zogen die Nominierung daraufhin zurück.
Frei.wild-Fans toben auf der facebook-Seite
Frei.wild reagierte mit Kritik auf die Entscheidung der Echo-Veranstalter, nun einen Beirat zu gründen. "Diese erneute Regeländerung bewirkt, dass die demokratische Ausrichtung des Musikpreises schlichtweg nicht mehr existent ist und auch schon letztes Jahr nicht war." Gleichzeitig erklärt die Band selbstbewusst, "dass unsere Texte, sowie alles an dieser Band die Prüfung dieses Beirats mit lockerer Leichtigkeit bestehen dürften."
Die Fans von Freiwild finden auf der facebook-Seite noch viel deutlichere Worte. "Dümmer geht’s nimmer", "Witzveranstaltung", und "Ihr Gutmenschen könnt uns alle mal" lauten einige vergleichsweise harmlosen Kommentare.
"Das Blut auf meinen Fäusten, ich find, es steht mir gut"
Hintergrund für die Entscheidung der Musikindustrie ist, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjM) sich kürzlich auf Antrag Thüringens mit der Freiwild-CD "Eines Tages" beschäftigte. Das ganze Album wurde zwar nicht als jugendgefährdend eingestuft. Den Song "Rache muss sein" stufte das Gremium aber als "sehr, sehr kritisch" ein. Darin heißt es unter anderem: "Jetzt liegst du am Boden, liegst in deinem Blut. Das Blut auf meinen Fäusten, ich find, es steht mir gut." Trotzdem ging der Song durch - eine auf einem Songtext-Portal im Internet verbreitete noch schärfere Version des Textes wurde dagegen indiziert.

Von diesem Song hat sich die Band inzwischen distanziert, ebenso wie Sänger Philipp Burger von seiner Vergangenheit als Skinhead.
Der neue Beirat des Echo hat nun die Aufgabe, unter Abwägung der künstlerischen Freiheit zu beurteilen, ob die aktuelle FreiWild-CD "Still" mit grundlegenden gesellschaftlichen Normen vereinbar ist. Dem Beirat gehören zwei Vertreter des öffentlichen Lebens, zwei Kirchenvertreter, ein Lehrer und je ein Mitglied des Deutschen Kultur- und des Deutschen Musikrates an. Er soll nach Vorlage der CD innerhalb einer Woche eine bindende Entscheidung fällen, ob die Band nominiert werden darf oder nicht.

