Entwurf des Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin (Quelle: dpa)

Bau des Berliner Einheitsdenkmals - Verzögerung wegen Fledermäusen?

Bei der Dresdner Waldschlösschenbrücke war es die Kleine Hufeisennase, die den Bauherren zu schaffen machte. Beim Einheitsdenkmal in Berlin sind es nun Wasserfledermäuse, die zu einer weiteren Verzögerung führen könnten. Zudem wurden auf dem Sockel alte Mosaike aus der Kaiserzeit entdeckt, was die Denkmalschützer auf den Plan ruft.

Der Bau des geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin könnte sich länger hinziehen als bisher bekannt. Im Sockelgewölbe des früheren Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I., auf dem das Einheitsdenkmal entstehen soll, wurde ein Völkchen von seltenen Wasserfledermäusen entdeckt. Nun soll ein mit verschiedenen Behörden abgestimmtes Programm helfen, den angestammten Lebensraum der Tiere zu retten. "Ziel der Planung ist es, die Population der Wasserfledermäuse innerhalb des historischen Sockelgewölbes zu erhalten", sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR) auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Die Wasserfledermaus jagt vor allem über Gewässern nach Nahrung.

Die Beobachtung der Tiere mit GPS-Sendern hatte gezeigt, dass sie von ihrem Domizil am Berliner Schlossplatz immer wieder Ausflüge in den nahen Plänterwald im Bezirk Treptow-Köpenick unternehmen. Deshalb werden dort "Ausgleichsquartiere" geschaffen. Wenn die Bauarbeiten auf dem Schlossplatz abgeschlossen sind, sollen die Fledermäuse wieder in die dortigen Kellergewölbe zurückkehren.

Sprecher: Kostenrahmen nicht verändert

Auch Mosaiken aus der Kaiserzeit, die auf dem Sockel entdeckt wurden und sichtbar bleiben sollen, könnten unter Umständen zu Verzögerungen der Genehmigung des Denkmals führen. Der Entwurf müsse angepasst und von der Landesdenkmalschutzbehörde genehmigt werden, sagte der Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Damit bestätigte er einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel".

"Der Kostenrahmen liegt weiterhin bei zehn Millionen Euro", betonte der Sprecher. Laut seinen Angaben ist die erste Phase der Sockelsanierung abgeschlossen, derzeit läuft die zweite Phase. Grütters werde sich in Kürze mit dem Stuttgarter Designer Johannes Milla, nach dessen gemeinsamem Entwurf mit der Choreographin Sasha Waltz das Denkmal gebaut wird, zu den weiteren Schritten des Bauvorhabens austauschen.

Immer wieder Verzögerungen

Bei dem seit 2007 geplanten Denkmal zu Ehren der friedlichen Revolution von 1989 in der DDR und der Deutschen Einheit kam es immer wieder zu Verzögerungen. Nach bisherigen Planungen soll es eigentlich bis 2015 fertig sein. Ursprünglich sollte es bereits 2013 oder 2014 eröffnet werden. Einen konkreten Termin für die Grundsteinlegung gab es allerdings bislang noch nicht.

Gründe für die bisherigen Verzögerungen waren unzählige Debatten, ein gescheiterter Wettbewerb und ein Streit zwischen den Machern. Im zweiten Wettbewerbs-Anlauf 2010 konnte sich die Stuttgarter Agentur Milla zusammen mit der Choreographin Sasha Waltz durchsetzen. Sie entwarfen eine 50 Meter lange sich bewegende und begehbare Schale ("Bürger in Bewegung"), die auf den Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals gewuchtet werden soll. Inzwischen ist Sasha Waltz jedoch aus dem Projekt ausgestiegen. Mit der Agentur Milla hatte es Streit gegeben um ästhetische Fragen und die Bauausführung. In der Schale wird die Inschrift "Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk" zu lesen sein.

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