
"Unbestechlicher Chronist der Gegenwart - Hans Joachim Schädlich mit Berliner Literaturpreis geehrt
Für die Kunst, "etwas zu sagen, ohne es direkt zu sagen" ist der Schriftsteller Hans Joachim Schädlich mit dem Berliner Literaturpreis 2014 geehrt worden. Der Preis ist verbunden mit einer Gastprofessur an der Freien Universität Berlin. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit würdigte Schädlich als "unbestechlichen Chronisten der Gegenwart".
Der Schriftsteller und langjährige DDR-Regimekritiker Hans Joachim Schädlich ist neuer Träger des Berliner Literaturpreises. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte den 78-Jährigen im Vorfeld der Preisverleihung am Mittwochabend als "herausragenden Beobachter und unbestechlichen Chronisten der Gegenwart".
Der mit 30.000 Euro dotierte Preis wird von der Stiftung Preußische Seehandlung vergeben. Verbunden damit ist die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin.
"Der Erzähler Hans Joachim Schädlich ist ein Meister in der Kunst, etwas zu sagen, ohne es direkt zu sagen", hatte die Jury im vergangenen September ihre Entscheidung begründet. Er gelte als ein Spezialist der Reduktion: "In wenigen knappen Sätzen vergegenwärtigt er tatsächliches und fiktives Geschehen mit einer Intensität und Anschaulichkeit, die in der deutschen Gegenwartsliteratur konkurrenzlos ist", so die Jury weiter.
Autor regimekritischer Text in der damaligen DDR
Hans Joachim Schädlich wurde 1935 im Vogtland (Sachsen) geboren, zog aber in jungen Jahren mit seiner Familie nach Brandenburg. Ende der 60er Jahre begann er mit dem Schreiben, seine unverholen regimekritischen Werke wurden in der DDR aber nicht veröffentlicht. 1977 siedelte Schädlich nach Westdeutschland über. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die regimekritischen Texte "Versuchte Nähe", die Spitzelgeschichte "Tallhover" und der Roman "Kokoschkins Reise". In seinem Buch "Sire, ich eile!" widmete er sich Friedrich dem Großen und Voltaire.
Angesprochen auf seine Motivation, zu schreiben, sagte er: "Ich hatte immer schon als Jugendlicher das Bedürfnis, Dinge, die mich beschäftigen, oder die mich umgeben, zu benennen, aufzuschreiben." Ganz besonders fest sieht sich Schädlich mit Berlin verbunden: "Ich lebe ja seit über 50 Jahren in Berlin, und alle meine Arbeiten sind in Berlin geschrieben, so dass ich glaube, von mir sagen zu können, ich sei ein Berliner Autor."
Für Schädlich ist der Berliner Literaturpreis nicht die erste wichtige Auszeichnung. Er erhielt im Laufe seiner Schriftstellerkarriere unter anderem bereits die Johannes Bobrowski-Medaille, den Heinrich-Böll-Preis und den Kleist-Preis.
Der Berliner Literaturpreis wird seit 2005 jedes Jahr verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen Herta Müller, Durs Grünbein, Dea Loher, Sibylle Lewitscharoff und Rainald Goetz.




