
Wiederaufbau umstritten - Gegner der Potsdamer Garnisonkirche planen Bürgerbegehren
Seit mehr als 20 Jahren wird um die Potsdamer Garnisonkirche gestritten. Die Befürworter sammeln Spenden - die Gegner nun Unterschriften. Ein Bürgerbegehren soll den geplanten Wiederaufbau der im Krieg schwer beschädigten und in der DDR abgerissenen Kirche verhindern.
Die Bürgerinitiative "Potsdam ohne Garnisonkirche" will den geplanten Wiederaufbau der Kirche mit einem Bürgerbegehren verhindern. Die Unterschriftensammlung soll noch vor den Kommunalwahlen am 25. Mai starten, sagte Simon Wohlfahrt von der Bürgerinitiative am Freitag in Potsdam. Ziel sei es, die Stadt zu bewegen, "die Notbremse zu ziehen und das Projekt zu stoppen".
Für einen Erfolg des Bürgerbegehrens "Demokratie wagen, Potsdam fragen" müssten innerhalb eines Jahres rund 13.000 Unterschriften gesammelt werden, hieß es. Sollte die Stadt die Forderungen dann nicht übernehmen, wäre ein Bürgerentscheid möglich, für dessen Erfolg deutlich mehr Unterschriften nötig wären.
Bühne für die Nationalsozialisten oder Bauwerk mit städtebaulicher Bedeutung?
Statt Spenden für eine rund 100 Millionen Euro teure "Luxuskirche" mit umstrittener Vergangenheit zu sammeln, sollte die evangelische Kirche Menschen aufrufen, für dringend benötigte soziale Projekte zu spenden, argumentiert Wohlfahrt. Sollte sich jedoch herausstellen, dass die Unterstützer in der Mehrheit seien, will die Initiative das akzeptieren.
Über den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche wird seit mehr als 20 Jahren kontrovers diskutiert. Das Projekt ist unter anderem umstritten, weil die Barockkirche 1933 von den Nationalsozialisten zur Inszenierung der Reichstagseröffnung genutzt wurde. Die Befürworter argumentieren unter anderem mit der städtebaulichen Bedeutung der Kirche.

Bund knüpft Finanzspitze an Bedingungen
Der Barockbau war vor knapp 300 Jahren auf Beschluss des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I., des Soldatenkönigs, für den Hofstaat und die Militärgarnison in Potsdam errichtet worden. Die Garnisonkirche war im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und die Ruine 1968 gesprengt worden. Nach bisheriger Planung soll bis 2017 für rund 40 Millionen Euro zunächst der Kirchturm errichtet werden. Der Zeitplan scheint aber in Verzug zu geraten.
Der Bund hat die Zahlung seiner Hilfen an neue Bedingungen geknüpft. Die zwölf Millionen Euro - vom ehemaligen Bundeskulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) für 2014 und 2015 zugesagt - würden nur freigegeben, wenn auch die Finanzierung der rund 40 Millionen Euro Gesamtkosten gesichert sei.
Die bislang von der Stiftung gesammelten 6,5 Millionen Euro Spenden sind nach eigenen Angaben zum überwiegenden Teil bereits für bauvorbereitende Maßnahmen, die Bauplanung und die Errichtung der provisorischen Kapelle ausgegeben worden. Die Kosten für das Gesamtprojekt werden auf insgesamt rund 100 Millionen Euro geschätzt.



