Museumsbesucher betrachten Caravaggios "Johannes der Täufer als Knabe" (Quelle: dpa)

Stiftungspräsident unterstützt Grütters Vorschlag - Kehrtwende im Streit um Umzug der Alten Meister

Zu teuer, hieß es im vergangenen Jahr zum geplanten Umzug der Alten Meister vom Kulturforum auf die Museumsinsel - die Pläne wurden ad acta gelegt. Doch nun hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters wieder Bewegung in die Sache gebracht. Und auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz steht der Idee aufgeschlossen gegenüber - wenn gleichzeitig die Kunst des 20. Jahrhunderts angemessen berücksichtigt wird.

Bei der Umgestaltung der Berliner Museumslandschaft zeichnet sich eine Kehrtwende ab. Der Präsident der verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, begrüßte am Montag den Vorstoß der neuen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die wertvolle Sammlung Alter Meister wie früher geplant doch noch vom Potsdamer Platz auf die Museumsinsel zu verlagern.

Eingang Kulturforum (Quelle: imago)
Das Kulturforum am Potsdamer Platz

Das sei die "ideale Lösung", wenn gleichzeitig eine angemessene Präsentationsmöglichkeit für die Kunst des 20. Jahrhunderts geschaffen werde, sagte Parzinger. Der fehlende Raum für die Moderne sei "zu einem unhaltbaren Zustand geworden". Eine endgültige Entscheidung könne jedoch erst getroffen werden, wenn auch die dafür notwendigen Finanzmittel zur Verfügung stünden.

Der Umzugsplan war im vergangenen Jahr aus Kostengründen ad acta gelegt worden. "Wichtig ist, dass wir in den nächsten Monaten eine realistische Perspektive bekommen", so Parzinger weiter, "damit wir möglichst noch in diesem Jahr die ersten konkreten Schritte einleiten können, sei es für die eine oder die andere Variante." Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hat im vergangenen Jahr die Kosten für die verschiedenen Varianten errechnet:

Drei mögliche Umzugsszenarien

  • 1. Umzug der Alten Meister von der Gemäldegalerie zur Museumsinsel

  • 2. Umzug der Alten Meister mit Zwischenunterbringung

  • 3. Neubau für ein Museum der Moderne am Potsdamer Platz

Grütters hatte in der "Berliner Morgenpost" (Sonntag) für einen Umzug der Alten Meister aus der Gemäldegalerie am Potsdamer Platz auf die weltberühmte Museumsinsel plädiert. Das wäre eine kulturhistorische Leistung, weil die Sammlungsbestände dort derzeit ohne die Königsdisziplin Malerei auskommen, wie die Politikerin sagte.

Nach heftigen Protesten war dieser Plan im August 2013 zu den Akten gelegt worden. Laut Stiftung Preußischer Kulturbesitz hieß es damals, der Umzug mit einem notwendigen Neubau auf der Insel sei mit 375 Millionen Euro nicht finanzierbar. Stattdessen sollte an der Gemäldegalerie ein neues Museum der Moderne für geschätzte 130 Millionen Euro entstehen. Kritiker hatten befürchtet, die Werke von Dürer, Raffael und Rembrandt könnten dann auf Jahre im Depot verschwinden.

Prof. Monika Grütters (CDU), Vorsitzende des Kulturauschusses im Bundestag und Vize-Landesvorsitzende der CDU in Berlin (Berlin: DPA)
Monika Grütters (CDU)

"Bundestag hat sich noch nicht festgelegt"

Bauherr ist aber der Bund. Ihr sei nicht bekannt, dass sich der Bundestag auf eine Position festgelegt habe. Niemand wolle, dass die Meisterwerke ins Depot kämen. "Es war stets eine eher polemische Unterstellung", so Grütters. Sie sei schon für einen Umzug der Sammlung Alter Meister gewesen, bevor sie im Herbst 2013 Kulturstaatsministerin wurde, betonte Grütters weiter. "Ich war immer eine Anhängerin des Masterplans. Daran hat sich nichts geändert."

Auch Parzinger betonte, bei dem geplanten Umzug müsse eine Zwischenunterbringung der Alten Meister auf reduzierter Fläche ausgeschlossen werden.

Die Vorschläge vom August 2013 waren durch eine Schenkung des Sammlerpaares Pietzsch angestoßen worden. Es hatte Berlin seine wertvolle Surrealistensammlung zugesagt - vorausgesetzt, sie werde angemessen präsentiert. Das sollte zusammen mit den bereits bestehenden Beständen der Neuen Nationalgalerie in dem neuen Museum geschehen. Grütters sagte, der Neubau werde auf jeden Fall gebraucht.

Die Stiftung war ursprünglich für den Umzug der Gemäldesammlung auf die Museumsinsel. Wegen der Proteste hatte sie eine Studie in Auftrag gegeben, um mehrere Möglichkeiten auszuloten. Auf Basis der Berechnungen gab es dann damals den Kurswechsel.

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