
Bürgerbegehren gegen Potsdamer Garnisonkirche - Luxuskirche ohne Gemeinde?
"Potsdam ohne Garnisonkirche" - so heißt die neue Initiative, die die Potsdamer Bürger gegen den Wiederaufbau mobilisieren will. Ab 20. März sollen Unterschriften für das Bürgerbegehren gesammelt werden. Um Erfolg zu haben, müssten im Laufe eines Jahres 13.500 Unterschriften zusammenkommen. Auf die Potsdamer könnte in den kommenden Monaten also eine regelrechte Argumentationsschlacht zukommen - von Befürwortern wie Gegnern des Baus. Von Astrid Flügge
"Wir sehen keinen Sinn in diesem Bau im Vergleich zu den hohen Kosten, die er verursachen würde", sagt Simon Wohlfahrt. Der Geoökologie-Student ist Sprecher der Initiative "Potsdam ohne Garnisonkirche". Aus Sicht der Baugegner solle da eine Luxuskirche entstehen, für die noch nicht einmal eine Gemeinde existiere. Das Bürgerbegehren sei der richtige Weg, so Wohlfahrt, da der Ort ohnehin schon sehr Teil der öffentlichen Wahrnehmung ist. Genau deshalb müsse die Öffentlichkeit auch an der Entscheidung über einen Wiederaufbau beteiligt werden.
Die Bürgerinitiative sieht sich getragen von einem großen Sympathisantenkreis aus allen Altersgruppen. Die Gegner stoßen sich vor allem an den hohen Kosten des Projektes und daran, dass die wieder errichtete Kirche gar keine eigene Gemeinde bekommen soll. Von besonderem Gewicht ist für Simon Wohlfahrt die militärische Geschichte der Garnisonkirche. "Die Fassade beispielsweise ist durch und durch von militaristischer Symbolik geprägt", erklärt Wohlfahrt. Darüber hinaus beantworte ein wiederaufgebautes Gebäude nicht die Frage, warum das Original einmal zerstört worden ist. "Wir denken, dass es wichtig ist, einen anderen Ort zu gestalten, der kreativ und zukunftsfähig ist und sich den Menschen, die dann einmal davor stehen, auch vermittelt", sagt Wolhfahrt. "Wenn eine Kopie dort steht, denken alle, dass nichts passiert ist – das wäre also eine riesige Geschichtsverfälschung." Es ist einer der Hauptgründe, warum sich die Bürgerinitiave gegen den Bau wehrt.

Umstrittene Geschichte
Das Bürgerbegehren - so der Wille der Bürgerinitiative "Potsdam ohne Garnisonkirche" soll am 20. März 2014 starten - einen Tag vor dem in die Geschichte eingegangenen "Tag von Potsdam". 1933 hatte Adolf Hitler die Reichstagseröffnung genutzt, um sich als Nachfolger Preußens zu legitimieren. Dafür inszenierte Goebbels den historischen Handschlag zwischen Hitler und dem greisen Reichspräsidenten Hindenburg auf den Stufen der Garnisonkirche als Zeichen der Vereinigung zwischen dem national-konservativen, evangelischen Lager und der Partei des neuen Reichskanzlers. Ein Medienereignis, das die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft über alle deutschen Sender übertrug.
Diese Geschichte der Garnisonkirche war letztlich auch der Grund zur Sprengung der Kirchenruine im Jahr 1968. Die Befürworter des Wiederaufbaus hatten deswegen auch in der Vergangenheit immer wieder Kritik einstecken müssen, von den Linken oder der Stadtverordnetenfraktion "Die Andere". Doch mit Gründung der Stiftung zum Wiederaufbau der Kirche, einer rührigen Fördergesellschaft und einer aktiven Gemeindearbeit in der temporären Kapelle neben den Fundamenten des Gotteshauses, waren die Gegner still geworden. Deshalb ist Stiftungssprecher Peter Leinemann vom Bürgerbegehren zunächst überrascht. "Wir warten jetzt erst einmal ganz gelassen, was tatsächlich die Fragestellung des Bürgerbegehrens sein wird und ob es zulässig ist", so Leinemann. An der Überzeugung der Stiftung ändere sich dadurch nichts – es wird weiterhin Veranstaltungen in der temporären Kapelle und öffentliche Auftritte geben, die für das Projekt werben.
Sichtbare Zeichen für den Baufortgang
Die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau kündigt auch sichtbare Symbole des Fortgangs des Bauprojektes an: Im Mai wird beispielsweise eine Wetterfahne für die Garnisonkirche aufgestellt. "Wenn die dann öffentlich zu betrachten ist, kann man ja auch wunderbar Gespräche führen", begründet Leinemann diesen Schritt und ergänzt mit Blick auf die Bedenken der Baugegner, man könne so sehr gut debattieren, wie bestimmte Zeichen einmal gemeint waren und wie man sie heute deuten könne.
13.500 Unterschriften muss die Bürgerinitiative im Verlauf eines Jahres vom 20. März an sammeln, um Erfolg zu haben. Das Bürgerbegehren "Potsdam ohne Garnisonkirche" wendet sich direkt an die Einwohner und fordert, dass die Stadt Potsdam aus dem Kuratorium der Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche austritt. Für die konkrete Fragestellung stimmt sich die Bürgerinitiative jetzt mit der Stadt ab.
Und die Potsdamer? Soweit sie vom jüngsten Bürgerbegehren überhaupt gehört haben, scheinen ihre Sympathien eher einem Wiederaufbau zu gehören – gerade vor dem Hintergrund des neuen, ebenfalls wieder errichteten Landtags.




