Bildausschnitt des rbb online-Projekts berliner-mauer.de (Quelle: rbb online)

In eigener Sache - "The Berlin Wall" - Online-Doku zur Mauer jetzt auch auf Englisch

Am 9. November ist es 25 Jahre her, dass die Berliner Mauer fiel. Eine Website des rbb blickt mit 250 Videos zurück: vom Bau der Mauer im Sommer 1961 bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Zum Durchstöbern zu Hause - und mobil zum Nachforschen vor Ort. Ab sofort steht die Multimedia-Dokumentation auch in englischer Sprache zur Verfügung.

Der rbb präsentiert seine mobile Webseite berlin-mauer.de zur Geschichte der Berliner Mauer ab sofort auch in englischer Sprache - unter der Adresse the-berlin-wall.com. Die Multimedia-Dokumentation erzählt in 250 kurzen Filmen vom Leben in der geteilten Stadt zwischen 1961 und der Wiedervereinigung 1990.

Die Videos stammen aus den Archiven des Deutschen Rundfunkarchivs, aus den Beständen des DDR-Fernsehens sowie vom rbb. Für die neue Fassung wurden sie von englischen Sprechern synchronisiert, auch die Informationstexte zu den Videos auf der Seite wurden ins Englische übersetzt.

Für Marion Brandau, Leiterin des Multimediaprojekts, ist das so etwas wie ein Geschenk des rbb an alle Berlin-Besucher: "Uns ist viel daran gelegen, dass nicht nur die Deutschsprachigen in Berlin und Brandenburg die Videos nutzen können, sondern auch alle Leute, die uns besuchen und die gern mit ihrem mobilen Gerät angucken wollen: Wie hat es früher hier ausgesehen? Wir stellen uns auch vor, dass Leute, die einen Berlin-Besuch planen, vielleicht schon zuhause auf unsere Seite stoßen", sagt Marion Brandau.

Die zwischen 30 Sekunden und fünf Minuten langen Filmbeiträge machen den Alltag der Berlinerinnen und Berliner in Ost und West lebendig und werfen ein Schlaglicht auf weltpolitische Ereignisse in der Mauerstadt. Die historischen Worte von Ulbricht, Kennedy, Gorbatschow und Brandt präsentiert die Website ebenso wie prominente Stimmen von Regimekritikern, Schriftstellern und Schauspielern, die sich im Wendeherbst 1989 auf dem Alexanderplatz Gehör verschafften.

Eine Auswahl der Videos

  • Zwei Frauen reichen sich 1961 an der Bernauer Straße in Berlin über einen Stacheldraht hinweg die Hand. (Quelle: rbb)

    Flucht an der Bernauer Straße

    In der Bernauer Straße spielen sich in den Tagen nach dem Mauerbau dramatische Szenen ab. Die Häuser liegen im Osten, der Gehweg davor im Westen. Menschen seilen sich aus den Fenstern ihrer Wohnungen ab, andere springen in die Tücher, die die Feuerwehr unten bereit hält. Die Anwohner werfen noch ihre Habseligkeiten aus den Fenstern, während die Grenzpolizei schon unten in die Häuser eindringt und versucht, die Flüchtigen aufzuhalten. Im Herbst 1961 werden die letzten Häuser in der Bernauer Straße zwangsgeräumt.

  • Alltagsszene aus dem geteilten Berlin 1970 (Quelle: rbb)

    Alltag in Ost und West

    Der West-Berliner Senat wirbt um Fachkräftenachwuchs aus dem Bundesgebiet. Der Grund: Das Durchschnittsalter der Einwohner der Inselstadt steigt. 1970 sind rund ein Fünftel der West-Berliner schon älter als 65. Eine Berlin-Zulage soll junge Bewohner anlocken. Ost-Berlin hingegen ist beliebt bei jungen Leuten. Wer hier studiert, versucht zu bleiben.

  • 1972: Die Exklave Steinstücken wird mit West-Berlin verbunden (Quelle: rbb)

    Exklave Steinstücken wird mit West-Berlin verbunden

    Ein paar Straßen, ein paar Häuser, ein paar Bäume – gerade einmal zwölf Hektar groß war Steinstücken. Zwischen 1945 und 1971 war die zu Zehlendorf gehörende Gemarkung die einzige ständig bewohnte Exklave West-Berlins in der Sowjetischen Besatzungszone beziehungsweise in der DDR. 1972 eröffnet Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Schütz eine Zufahrtsstrasse, die das Gebiet mit West-Berlin verbindet.

  • Doppelagent Heinrich Burger (Quelle: rbb)

    Doppelagent Burger fliegt auf

    Heinrich Burger wird als Doppelagent enttarnt. Der Sprecher des West-Berliner SPD-Landesvorstands hat für die Stasi und den Verfassungsschutz spioniert. Er wurde zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, kann aber zwei Jahre später im Rahmen eines Agentenaustausches nach Ost-Berlin ausreisen. Heute sieht er mit anderen Augen auf diese Zeit.

  • Die DDR-Oppositionellen Freya Klier und Stephan Krawczyk im Januar 1988 in Ost-Berlin (Quelle: rbb)

    DDR-Opposition wehrt sich gegen Verhaftungen

    Wie immer Mitte Januar versammelt sich die Parteispitze der DDR zur Luxemburg-Liebknecht-Demonstration: Es wird zur Gedenkstätte der beiden Arbeiterführer in Berlin-Friedrichsfelde marschiert. Zugleich wird die Kritik der Oppositionellen am Regime lauter. Sie demonstrieren und entrollen Plakate mit Zitaten von Rosa Luxemburg. Mehr als 100 Oppositionelle werden verhaftet, unter ihnen Stephan Krawczyk, Bärbel Bohley, Wolfgang Templin, Vera Wollenberger und Freya Klier.

Screenshot: Kartendarstellung der Website berlin-mauer.de (Quelle: rbb)
Über die Kartendarstellung kommt man zu den Videos, die an wichtigen Orten der Mauergeschichte spielen.

Zum zeitgeschichtlichen Kaleidoskop gehören aber auch Ereignisse jenseits der großen Politik. Zeitzeugen erzählen ihre persönlichen Geschichten vom Leben in der geteilten Stadt, in der Grenzanlagen und Fluchttunnel zum Alltag gehörten. Zu sehen sind beispielsweise Videos zur Wohnsituation in Prenzlauer Berg und Kreuzberg Anfang der 1980er Jahre, Udo Lindenbergs Konzert im Palast der Republik oder die Eröffnung des Europa-Centers am Breitscheidplatz.

Vor Ort mobil in die Geschichte eintauchen

Die Website ist nicht zuletzt auch für die mobile Nutzung geeignet. Auf der digitalen Karte sind die Orte markiert, zu denen historische Videos abrufbar sind. So kann man an wichtigen Mauerstätten in der Stadt mit dem Handy oder dem Tablet in die Geschichte des jeweiligen Ortes eintauchen.

Über die Zeitleiste lassen sich die für das jeweilige Jahr eingestellten Videos auswählen. Auch die Sortierung nach inhaltlichen Kategorien ist möglich. Zur Auswahl stehen die neun Rubriken Grenze, Flucht, Zeitzeugen, Alltag, Politik, Opposition, Kultur, Ost und West.

Nutzerinnen und Nutzer können die für sie interessantesten Videos im Dokumentationsbereich "Meine Doku" laden. Zudem hat dieser Bereich auch eine interaktive Funktion: Mit einem Klick kann man seine persönliche Doku-Auswahl in sozialen Netzwerken mit Freunden und Bekannten teilen.


Mit Informationen von Markus Streim