Firma meldet Insolvenz an - Neuer Akt im Dauerdrama Staatsoper
Nächster Rückschlag bei der Sanierung der Berliner Staatsoper Unter den Linden: Eine Bauleitungsfirma hat Insolvenz angemeldet. Nun soll schnell Ersatz gefunden werden, bevor es zu weiteren Bauverzögerungen kommt. Die Linke kritisiert die "organisierte Nicht-Zuständigkeit" auf der Baustelle und bringt einen Untersuchungsausschuss ins Gespräch.
Bei der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden gibt es erneut Probleme: Die Ingenieurfirma Scholze hat Insolvenz angemeldet. Sie ist laut Berlins Senatsbauverwaltung bislang für Bauleitung und -ausführung bei Sanitär- und Lüftungsanlagen zuständig. Man sei bemüht, eine dauerhafte Lösung für die Staatsoper-Baustelle zu finden, bevor es zu Bauverzögerungen komme, hieß es am Freitag aus der Verwaltung. Noch habe die Pleite keine Auswirkungen. Die Arbeiten auf der Baustelle liefen weiter.

Doch damit könnte es nächste Woche vorbei sein. Sollten die Arbeiten unterbrochen werden, wäre der Schaden groß, räumte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Freitag im rbb ein. Bauverzögerungen führten zu "Problemen mit den Kosten."
Ob das Insolvenzverfahren Scholze eröffnet wird, entscheidet sich am 28. Februar.
Wiedereröffnung bereits mehrfach verschoben
Die Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden ist schon mehrfach verschoben worden. Ein Termin könne erst im Frühjahr 2014 bekanntgegeben werden, hatte der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) zu Beginn des Jahres erklärt. Auch die Kosten sind gestiegen - sie sollen mittlerweile bei rund 300 Millionen Euro und damit gut 50 Millionen Euro über dem Ursprungsbudget liegen.
Grüne und Linke: "Mangel an Transparenz"
Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus zeigte sich entsetzt angesichts der Entwicklung. Der Linken-Politiker Wolfgang Brauer sagte dem rbb, es fehle an Transparenz, warum das Controlling auf der Baustelle nicht funktioniere und wer Schuld ist am System der "organisierten Nicht-Zuständigkeit“ trage. "Wir diskutieren, ob wir dazu einen Untersuchungsausschuss einberufen", sagte Brauer.

Sabine Bangert, Kulturexpertin der Berliner Grünen, kritisierte die Informationspolitik von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Es habe Anfang Januar zwei Anhörungen mit Lüscher gegeben – eine im Bau- und eine im Kulturausschuss. "Zu beiden Terminen hat sie uns nicht reinen Wein eingeschenkt ...Zu dem Zeitpunkt muss sie von der Insolvenz bereits gewusst haben." Lüscher wies den Vorwurf umgehend zurück. Sie habe erst einige Tage nach der letzten Anhörung von der Insolvenz erfahren.
Schutz vor Grundwasser treibt die Kosten
Die Gründe für die Verzögerungen bei den Bauarbeiten sind vielschichtig. So wurden beispielsweise trotz umfangreicher Probebohrungen noch Reste ältererer Siedlungen entdeckt, die entfernt werden mussten. Ein unterirdischer Bau soll das Theater mit einem neuen Probenzentrum verbinden. Diese und andere tiefgelegenen Bereiche des Gebäudes müssen aufwändig gegen das Grundwasser geschützt werden.
Mit Informationen von Susanne Gugel und Heike Bettermann.



