Der Pergamon Altar im Pergamonmuseum (Quelle: dpa)
Abendschau | 18.02.2014 | Christian Titze

Stiftung Preußischer Kulturbesitz zieht Jahresbilanz - Die Besucherzahlen sinken, doch die Einnahmen steigen

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz blickt auf ein "außergewöhnlich erfolgreiches" Jahr zurück. So sieht das jedenfalls Stiftungspräsident Parzinger. Die Einnahmen gingen 2013 um mehr als ein Drittel nach oben - und das, obwohl die Besucherzahlen in den Museen zurückgingen. Dieser Trend könnte sich fortsetzen. Denn Ende September muss der größte Publikumsmagnet unter den Museen dicht machen - und das gleich für ein paar Jahre.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld eingenommen als im Vorjahr. 2013 sei "außergewöhnlich erfolgreich" verlaufen, sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger. Die Einnahmen seien gegenüber dem Vorjahr um 37,5 Prozent auf insgesamt knapp 33 Millionen Euro gesteigert worden. Dazu zählten auch Sonderzuwendungen für die Arbeitsstelle Provenienzforschung von zwei Millionen Euro sowie für die Deutsche Digitale Bibliothek in Höhe von vier Millionen Euro.

Die Besucherzahlen in den Museen der Stiftung gingen 2013 leicht zurück: von 4,459 Millionen auf 4,307 Millionen Die Stiftung begründete den Rückgang mit der vorübergehenden Schließung einzelner Häuser.

Hauptattraktion war wie in den Vorjahren das Pergamonmuseum mit 1,26 Millionen Besuchern. Dort ist der Nordflügel seit Oktober 2013 wegen Bauarbeiten geschlossen. 2012 waren noch 1,41 Millionen Besucher gekommen.

Dieser Abwärts-Trend dürfte sich 2014 fortsetzen. Im September muss nach dem Nordflügel auch der Saal des Pergamonaltars schließen - und das gleich für ein paar Jahre:  vom 29. September 2014 bis voraussichtlich 2019, teilte Parzinger mit.

Die Besucherzahlen einiger ausgewählter Museen

  2012
2013
Pergamonmuseum (Nordflügel seit 1.10.2012 geschlossen)
1.410.000
1.260.000
Neues Museum 701.000 940.000
Alte Nationalgalerie 312.000 350.000
Bode-Museum 165.000 206.000
Altes Museum 162.000 165.000
Neue Nationalgalerie 416.000 160.000
Hamburger Bahnhof 280.000 300.000
Museum Berggruen (seit 16.3.2013) geschlossen 135.000
Museum für Fotografie 115.000 124.000
Humboldt-Box 174.000 136.000

Quelle: Stiftung Preußischer Kulturbesitz

In der Nähe des Museums soll eine vorübergehende Ausstellung mit dem Pergamon-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi für Ersatz sorgen. Bereits 2011/2012 wurde Asisis Rotunde vor dem Pergamonmuseum gezeigt. Sie wird jetzt überarbeitet.

Archivbild: Ein Bauarbeiter klettert vor dem Pergamonmuseum in Berlin an einem Baukran hoch. (Quelle: dpa)
Wer noch ins Pergamonmuseum möchte, sollte das bis Ende September tun.

Außerdem sollen die Originale aus Pergamon, darunter der gesamte Telephos-Fries, in dem Behelfsmuseum gezeigt werden. Allerdings sei die Stiftung noch dabei, Sponsoren für das Projekt zu gewinnen, da die eigenen Mittel dafür nicht reichten, sagte Parzinger.

Das Pergamonmuseum ist die größte Baustelle auf der Berliner Museumsinsel. Dort sollen sich die Arbeiten bis zum Jahr 2025/26 hinziehen. Es ist vorgesehen, bis 2019 den Nord- und Mittelflügel zu sanieren. Danach ist der Südflügel dran.

Neue Nationalgalerie wird auch saniert

Auch die Neue Nationalgalerie am Kulturforum wird Ende 2014 wegen Sanierung für drei bis vier Jahre geschlossen. Hier fanden die großen Publikumserfolge der vergangenen Jahre statt, darunter die Ausstellungen aus dem Museum of Modern Art in New York sowie zur deutschen Nachkriegskunst.

Zu den großen Projekten der Stiftung zählt auch ein Museum der Kunst des 20. Jahrhunderts, das am Kulturforum in der Nähe des Potsdamer Platzes entstehen soll. Parzinger erwartet in den kommenden Monaten von der Bundesregierung ein Signal, dass das Projekt realisiert werden kann. Eine Voraussetzung sei die Erhöhung des Bauetats. Er ist für dieses Jahr mit 80,2 Millionen Euro so hoch wie im vergangenen Jahr. Seit 2003 trägt die Baukosten allein der Bund.

Oberste Priorität am Kulturforum habe die Instandsetzung der Neuen Nationalgalerie unter Federführung des britische Architekten David Chipperfield, betonte Parzinger. Die Arbeiten an dem Stahl-Glas-Bau von Mies van der Rohe sollen Ende 2014 beginnen und voraussichtlich in drei bis vier Jahren beendet sein. Während der Sanierung soll die Sammlung der Neuen Nationalgalerie mit den Werken der klassischen Moderne in Wechselausstellungen im Hamburger Bahnhof gezeigt werden.

Der Welfenschatz in Berlin (Quelle: dpa)
Ein Teil des Welfenschatzes ist heute im Berliner Bodemuseum zu sehen.

Position der Stiftung im Welfenschatz-Streit bleibt bestehen

Parzinger zeigte sich zudem zuversichtlich, dass der Welfentschatz in Berlin bleibt. Er hoffe, dass eine Empfehlung der Beratenden Kommission zum Umgang mit NS-Raubkunst positiv ausfällt. Einen Grund für einen Vergleich mit den Erben der früheren Eigentümer sehe er nicht. Die Erben von jüdischen Sammlern fordern die Rückgabe. Ihre Vorfahren hätten das Gold unter dem Druck der Verfolgung an den NS-Staat verkauft. Die Stiftung betrachtet den damaligen Handel dagegen als rechtmäßig.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz besteht seit 1957. Sie wird zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von den Ländern getragen. Zu ihren Einrichtungen gehören die Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatsbibliothek zu Berlin und das Preußische Staatsarchiv. Präsident ist seit 2008 der Historiker Hermann Parzinger.

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